Banküberfall: «Wir fesselten ihn mit Kabelbindern»
Aktualisiert

Banküberfall«Wir fesselten ihn mit Kabelbindern»

Zwei Bewaffnete überfielen am Samstagmorgen eine Bank in Recherswil SO. Dorfbewohner verfolgten einen der Räuber und stellten ihn.

von
Sonja Mühlemann

In Recherswil SO spielten sich am Samstagmorgen Szenen wie in einem Spielfilm ab: Zwei Männer betraten die Raiffeisenfiliale, forderten Geld und gaben Schüsse ab. Mit mehreren Tausend Franken wollten sie flüchten. Doch sie hatten die Rechnung ohne die Recherswiler gemacht – dank ihrem schnellen Handeln, konnte einer der beiden Räuber festgenommen werden.

«Wir wussten, es muss ein Notfall sein»

«Ich war in meinem Laden am Bedienen, als ich zum Fenster raussah und den Abwart der Bank winken sah. Die Kunden und ich rannten rüber – wir wussten, es muss ein Notfall sein», erzählt Francis Spiess, der gegenüber der Bank eine Bäckerei betreibt. Der Abwart habe ihnen zugerufen, dass ein Überfall im Gang sei. Während die Bäckereikunden die Polizei riefen, rannten der Bäckermeister und der Abwart in die Bank. «Dort sah ich zwei Männer. Einer der beiden Räuber zielte mit seiner Waffe auf uns», schildert Spiess den Überfall.

Jagd durchs Dorf

Er habe rechtsumkehrt gemacht, sein Auto geholt und dieses vor das blaue Fluchtauto der Täter gestellt. Es sei eine Entscheidung in Sekundenbruchteilen gewesen. Alles sei wahnsinnig schnell abgelaufen. «Einer der Räuber rannte aus der Bank und wollte ins Fluchtauto einsteigen, doch der Abwart zerrte ihn wieder raus.» Der Räuber rannte weg; die Bäckerei-Kunden, die neben dem Auto warteten, folgten ihm und trieben ihn durchs Dorf. «Dabei liess er die Tasche mit dem Geld auf der Strasse fallen um schneller rennen zu können. Doch wir drängten ihn in eine Garageneinfahrt und konnten ihn schliesslich überwältigen», so der 45-Jährige. Zu Dritt hätten sie ihn mit Kabelbinder an Händen und Füssen gefesselt, bis die Polizei eintraf. «Wir fesselten ihn mit Kabelbinder an Händen und Füssen. Die Beamten lobten uns für den Einsatz, sie sagten aber auch, dass wir uns selber in grosse Gefahr begeben haben», sagt der mutige Familienvater.

«Wir haben Zivilcourage gezeigt»

Ein bisschen fühle er sich schon als Held: «Wir haben einen guten Zusammenhalt im Dorf und wir haben Zivilcourage gezeigt.» Es sei ihm ein Anliegen, dass die Leute wissen, dass er nicht alleine für die Verhaftung des Bankräubers verantwortlich sei: «Wir waren zu Acht, alle haben grossen Mut bewiesen.»

Der mutige Bäcker hat seit seiner Tat im Dorf und auf Facebook viel Lob erhalten. So wird ihm etwa zu seinem Mut gratuliert und andere schlagen vor, er solle doch ein Räuberbrot kreieren. «Es war eine sehr mutige Aktion der Beteiligten, die aber nicht ungefährlich war. Solche Situationen lassen sich schlecht einschätzen», sagt Kapo-Sprecher Andreas Mock. Die Männer hätten sehr viel riskiert.

Gemäss der Kapo Solothurn hatten die Räuber die Raiffeisenbank kurz nach 9 Uhr am Samstagmorgen betreten. Die Maskierten gaben dabei Schüsse ab. Verletzt wurde niemand. Der von den Recherswilern überwältigte Mann befindet sich in Haft. «Mindestens eine weitere Person ist auf der Flucht», sagt Kapo-Sprecher Andreas Mock. Die Täter sprechen Französisch, der Flüchtige soll zwischen 20 und 30 Jahre alt sein. Die Solothurner Polizei zog zur Fahndung nach dem Flüchtigen die Kapo Bern hinzu.

Die Polizei ermittle intensiv und bitte um weitere Hinweise von Zeugen unter der Telefonnummer 032/ 627 71 11.

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