14.09.2020 02:51

St. Gallen«Wir finden immer weniger geeignete Kandidaten für die Polizeischule»

Die Kantonspolizei St. Gallen wirbt auf Social Media mit Videos für den Beruf Polizist. Die Rekrutierung wird immer schwieriger. Es droht ein Fachkräftemangel.

von
Michel Eggimann

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Kapo SG

Darum gehts

  • Die Kantonspolizei St. Gallen findet immer weniger geeignete Auszubildende.
  • Sie startete auf Facebook eine Videokampagne.
  • Fragen zur Polizeiausbildung werden dort geklärt.
  • Die Anforderungen an einen künftigen Polizisten sind vielfältig.

Wie werde ich Polizeihundeführer? Kann ich mit Tattoos Polizist werden? Muss ich eine Erstausbildung haben, um Polizist zu werden? Solche Fragen thematisiert die Kantonspolizei St. Gallen in Videos, die sie auf Social Media veröffentlicht hat. So will die Polizei der Bevölkerung den Beruf Polizist schmackhaft machen. Denn die Rekrutierung wird immer schwieriger. Florian Schneider, Mediensprecher der Kantonspolizei St. Gallen, sagt: «Im Moment finden wir noch genügend geeignete Leute für die Polizeischule. Für die Zukunft müssen wir aber mit einem Fachkräftemangel rechnen.»

Es sei aber schon heute so, dass die Kantonspolizei St. Gallen nicht übermässig viele Kandidaten für die Polizeischule habe, so Schneider weiter. Die Gründe dafür zu eruieren, sei nicht einfach. Der Polizeisprecher meint: «Der Beruf fordert viel. Er bringt Umständlichkeiten mit sich, wie etwa Schichtdienst und somit unregelmässige Arbeitszeiten. Hinzu kommt das Umfeld, in dem sich ein Polizist bewegt.» Man denke beispielsweise an belastende Einsätze mit Gewalttätigen oder Unfälle mit Schwerverletzten.

Polizeischule

Die Polizeischule dauert zwei Jahre und besteht aus einer einjährigen Ausbildung und einem Praktikum, das ein Jahr dauert. Im Kanton St. Gallen absolvieren pro Jahrgang rund 30–35 Personen die Polizeischule. Die Zahl hängt auch davon ab, wie viele Pensionierungen es bei der Kantonspolizei gibt oder ob das Korps von der Regierung mehr Stellen zugesprochen bekommt. Der Lohn beträgt während der Ausbildung rund 4900 Franken (brutto). Hier gibt es mehr Infos von der Kantonspolizei St. Gallen.

Nötige Fähigkeiten

Die Anforderungen an einen Polizisten seien in letzter Zeit gestiegen. Es brauche immer mehr digitale Fertigkeiten. Der Sprecher der Kapo St. Gallen sagt: «Wir arbeiten sehr viel mit technischen Geräten. Die Bewerber müssen diese beherrschen können.» Ein Spitzensportler müsse man als Polizist dagegen nicht zwingend sein. Eine gute Grundkondition ist gefragt.

Viel wichtiger sei bei ihnen, dass man die deutsche Sprache beherrsche. Dazu meint Schneider: «Es vergeht kein Tag, an dem wir nicht etwas schreiben müssen. Bei Prüfungen für die Polizeischule fallen viele wegen sprachlicher Probleme durch.» Die Schreibarbeit dürfe bei der Polizei nicht unterschätzt werden.

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Wille entscheidend

Ein weiterer Aspekt, der bei dem Bewerbungsprozedere berücksichtigt werde, sei die Persönlichkeit des jeweiligen Kandidaten. Die Person sollte kein Rambo sein, aber auch nicht zu introvertiert, meint Schneider. Weiter sagt er: «Entscheidend ist auch der Wille. Wenn jemand Wille hat und die Voraussetzungen mit sich bringt, schafft er die Polizeischule.» Die Erfolgsquote sei nahezu bei 100 Prozent.

Dass wieder mehr Leute für den Beruf begeistert werden können, dafür braucht es laut Schneider auch den Einsatz der Polizisten selbst. «Wir müssen den Leuten aufzeigen, was der Beruf Polizist persönlich für Vorteile mit sich bringt.» Er spricht dabei etwa die Anstellungsbedingungen mit dem Kanton als Arbeitgeber an oder die persönlichen Erfahrungen, die gesammelt werden. «Einen vielseitigeren, spannenderen Beruf als Polizist respektive Polizistin gibt es meiner Meinung nach nicht. Für mich ist es immer noch der tollste Job der Welt.»

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