Reaktion der Befürworter: «Wir fordern ein zentrales Waffenregister»
Aktualisiert

Reaktion der Befürworter«Wir fordern ein zentrales Waffenregister»

Sie hätten viel weniger Geld gehabt als die Gegner, sagt Initiant Jo Lang. Obwohl sie schon viel erreicht haben, stellt er weitere Forderungen bei den Waffengesetzen.

von
Lukas Mäder
«Die Abstimmung wurde zu einer Frage der Ideologie und der Ehre hochstilisiert»: Jo Lang, Nationalrat der Grünen und Mitglied des Initiativkomitees.

«Die Abstimmung wurde zu einer Frage der Ideologie und der Ehre hochstilisiert»: Jo Lang, Nationalrat der Grünen und Mitglied des Initiativkomitees.

Die Waffenschutz-Initiative ist klar gescheitert. Warum?

Jo Lang: Ich bin über das Resultat enttäuscht, weil die Initiative ursprünglich mehrheitsfähig war. Unser Volksbegehren hat einige Sachen erreicht, was sie aber die Mehrheitsfähigkeit gekostet hat. So gibt es heute keine Waffe mehr ohne Erwerbsschein. Und die Soldaten bekommen keine Taschenmunition mehr mit nach Hause.

Die Taktik der Gegner, zumindest gewisse politische Zugeständnisse zu machen, ist aufgegangen?

Zumindest teilweise, ja. Es gibt aber noch zwei andere Gründe, warum wir eine Mehrheit verpasst haben. Zum einen gibt es derzeit eine konservative Welle in der Schweiz. Dies macht es leichter, traditionalistisch denkende Männer sowie die Landbevölkerung zu mobilisieren. Zum anderen hatten die Gegner wohl rund zehnmal mehr Mittel als die Befürworter.

Ist das nicht ein zu einfaches Argument?

Wir hatten insgesamt inklusive SP und Grüne höchstens 300 000 Franken zur Verfügung. Ein Indiz für die Grösse des Budgets ist immer, ob sich ein Komitee den öffentlichen Aushang von Weltformatplakaten leisten kann. Wir konnten das nicht. Die Schützen hingegen haben schon seit Jahren Geld gesammelt.

Es ging aber auch um die besseren Argumente. Was hat die Stimmbürger zu einem Nein gebracht?

Man sollte nicht vergessen, dass über 40 Prozent Ja gesagt haben. Die Leute wollen weniger Gewalt und Suizide mit Schusswaffen. Uns ist es aber nicht gelungen zu zeigen, dass sich für lizenzierte Schützen und Jäger mit der Initiative nichts ändert.

Die Schützen haben behauptet, das Zürcher Knabenschiessen könne mit der Initiative nicht mehr durchgeführt werden.

Diese Behauptung stimmt einfach nicht. Die Schützenvereine sind vom gesellschaftlichen Wandel und dem daraus folgenden Mitgliederschwund viel stärker betroffen, als sie es von unserer Initiative gewesen wären. Nach unseren Berechnungen hätte sich die Zahl der lizenzierten Schützen etwa verdoppelt, was den Schützenvereinen mehr Geld in die Kassen gespült hätte.

Trotzdem waren die Schützen ganz klar dagegen.

Die Abstimmung wurde zu einer Frage der Ideologie und der Ehre hochstilisiert. Deshalb kamen wir mit unseren Argumenten nicht durch.

Trotz der Niederlage haben Sie haben Sie viel erreicht. So sollen nun sogar die kantonalen Waffenregister harmonisiert werden.

Das geht zu wenig weit. In der ganzen Schweiz gibt es 33 Waffenregister, neben den kantonalen noch solche vom Bund. Ein zentrales Register wäre viel einfacher. Das grosse Problem ist jedoch, dass nur Waffen erfasst sind, die gehandelt oder vererbt werden. Deshalb sind nur rund ein Viertel aller Schusswaffen in den Registern erfasst. Trotzdem ist die Harmonisierung natürlich ein Schritt Richtung nationales Waffenregister.

Werden Sie in diesem Bereich politisch aktiv?

Ich glaube, es gibt drei Sachen, die im Abstimmungskampf unbestritten waren. Dazu gehört ein zentrales Register, in dem auch Waffen erfasst werden, die nicht gehandelt oder vererbt werden. Wir fordern, ein solches Waffenregister einzuführen.

Welches sind die zwei anderen Forderungen, die Sie erheben?

Wir wollen eine grosse Kampagne von Bund und Kantonen zum Einsammeln von Waffen, die irgendwo in einem Schrank liegen. Zudem fordern wir ein Verbot von besonders gefährlichen Waffen wie den sogenannten Pump Actions. Wir prüfen nun, wie wir dieses Anliegen umsetzen wollen.

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