Aktualisiert 14.09.2009 19:07

Chávez' Waffen-Deal

«Wir fürchten ein Wettrüsten in der Region.»

Venezuela wird Waffen von Russland kaufen und mit dem Land künftig bei der Ölförderung eng zusammenarbeiten. Die USA sind alles andere als begeistert.

Venezuelas Präsident Hugo Chávez erklärte am Sonntag, er habe kürzlich bei seinem Besuch in Moskau den Erwerb von 92 Panzern und eines Raketenabwehrsystems besiegelt. Zur Finanzierung werde Russland seinem Land umgerechnet 1,5 Milliarden Euro leihen. Venezuela reagiert mit der Waffenbestellung auf Pläne der USA, ihre Militärpräsenz im Nachbarland Kolumbien zu erhöhen. Kolumbien will mit Hilfe der Amerikaner stärker gegen den Kokain-Handel und marxistische Aufständische vorgehen.

Venezuela sieht sich dadurch bedroht. «Dank des neuen Raketensystems wird es sehr schwer für ausländische Flugzeuge, uns zu bombardieren», sagte Chávez in seiner wöchentlichen Fernseh-Show. Er fügte hinzu, von seinem Land seien keine Aggressionen oder Angriffe auf andere Länder zu befürchten.

Bonus von rund einer Milliarde

Venezuelas Ölminister Rafael Ramírez nannte in der Fernseh-Show neue Details zur Erschliessung des Ölfelds «Junin 6», an dem unter anderem die russischen Ölkonzerne Rosneft und Lukoil sowie der Gas- Monopolist Gazprom beteiligt sind.

Die russischen Firmen hätten Venezuela einen Bonus von rund einer Milliarde Franken für das Recht bezahlt, bei der Erschliessung dabei sein zu dürfen, sagte Ramírez. Präsident Chávez erwartet nach eigenen Angaben in Zukunft auch von anderen Konzernen ähnliche Vorauszahlungen.

Die USA reagierten mit Besorgnis auf das Waffengeschäft zwischen Venezuela und Russland. Venezuelas Pläne zur Aufrüstung seiner Streitkräfte seien eine «ernsthafte Herausforderung für die Stabilität» auf dem amerikanischen Doppelkontinent, sagte der Sprecher des US-Aussenministeriums, Ian Kelly, am Montag in Washington. «Wir fürchten ein Wettrüsten in der Region.»

Venezuela plant ziviles Nuklearprogramm

Der jüngste Waffendeal geschieht vor dem Hintergrund einer seit geraumer Zeit existierenden Militär-Kooperation zwischen Venezuela und Russland. Allein zwischen 2005 und 2007 wurden Rüstungsverträge im Wert von mehr als 2,5 Milliarden Euro unterzeichnet.

Gleichzeitig zur Bekanntgabe des Öl- und Waffengeschäfts mit Russland bekräftigte Chávez seine Pläne für ein ziviles Nuklearprogramm Venezuelas. Er betonte, dass das Programm nicht auf die Entwicklung von Nuklear-Waffen abziele, sondern friedlichen Zwecken diene. (sda/dapd)

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