Aktualisiert 14.01.2013 09:28

Freiburg vs. Türkei«Wir geben Samichlaus-Reliquie nicht her»

Die Türkei fordert die sterblichen Überreste des heiligen Nikolaus von Myra zurück. Freiburg will die Reliquie aber nicht abgeben – auch wegen der politischen Lage im Land.

von
Daniel Waldmeier
Anlass des Streits zwischen der Schweiz und der Türkei: Die Nikolaus-Reliquie aus Freiburg.

Anlass des Streits zwischen der Schweiz und der Türkei: Die Nikolaus-Reliquie aus Freiburg.

Die Türkei nimmt einen neuen Anlauf, um die sterblichen Überreste des heiligen Nikolaus von Myra an dessen Geburtsort in Kleinasien zurückführen – darunter auch die Knochen, die seit 1506 in der nach dem Schutzpatron benannten Kathedrale in Freiburg liegen (vgl. Box).

Archäologie-Professor Nevzat Çevik von der Akdeniz-Universität in Antalya bestätigt gegenüber 20 Minuten, mit diesem Anliegen an den Papst gelangt zu sein. «600'000 Pilger kommen jedes Jahr nach Myra und finden ein leeres Grab vor.» Es sei höchste Zeit, dass er in sein Heimatland zurückkehre. «Ich bin überzeugt, dass auch das türkische Kulturministerium die Initiative mittragen wird.»

Freiburger wollen den Samichlaus nicht hergeben

Auch wenn noch keine offizielle Anfrage vorliegt, sprechen Westschweizer Medien von einem «Religionskrieg» und die Freiburger gehen schon auf die Barrikaden: «Wir werden die Reliquie des Nikolaus auf keinen Fall hergeben. Sie gehört der Kirche und dem Freiburger Volk», sagt Claude Ducarroz, Propst der Kathedrale. Die Reliquie sei Symbol der Gegenwart des Heiligen und tief mit der Geschichte der Stadt verbunden. «Fragmente der Gebeine wurden nach Minsk abgegeben. Jetzt ist aber genug.» Gerade im Fall der Türkei habe er grosse Bedenken: «Die Reliquie war immer in christlichen Händen. Ich habe kein Vertrauen in einen Staat, der von Islamisten dominiert wird.»

Der Luzerner Anwalt Yetkin Geçer, der immer wieder mit Kulturgüterfragen zu tun hat, versteht dies nicht: «Es spricht nichts dagegen, dass die Knochen an die Wirkungsstätte zurückkehren.» Die türkische Regierung schütze die christlichen Heiligtümer.

Grund für den Reliquien-Streit ist die Herkunft des Nikolaus: Dieser wirkte im 4. Jahrhundert als Bischof in Myra (heute Demre in der Südtürkei). 1087 brachten Seefahrer die Gebeine aus dem Grab in die Hafenstadt Bari, wo sie grösstenteils heute noch sind. Mit dem Segen des Papstes Julius II gelangten zwei der Knochen im Spätmittelalter via Rom nach Freiburg. Der Gedenktag am 6. Dezember wird in der Saane-Stadt mit einem grossen Fest begangen. (daw)

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