28.07.2020 05:48

Ferien-Katastrophe für Familie

«Wir haben 41’350 Franken an die Camper-Betrüger verloren»

Eine junge Familie wollte sich den Traum vom eigenen Wohnmobil erfüllen und ging einem Betrüger in die Falle. Den Camper hat die Familie nie erhalten, dafür sind ihre ganzen Ersparnisse weg.

von
Barbara Scherer

Darum gehts

  • Eine junge Familie wollte einen Camper über Autoscout24 kaufen.
  • Doch das Angebot war ein Fake. Die Familie verlor über 41’000 Franken.
  • Der Betrug hat die Familie ihr Erspartes gekostet.
  • Laut Polizei handelt es sich um keinen Einzelfall.

Es war das Angebot, das Familie Müller* aus Zürich seit drei Jahren gesucht hat: ein neues Wohnmobil, das erst gerade im Service war – und das für 41’000 Franken. So lautete das Angebot auf der Verkaufsplattform Autoscout24.

«Wir wollten unseren grossen Traum damit erfüllen», sagt Vera Müller* zu 20 Minuten. Trotz Corona-Krise hätte sie mit ihrem Mann und dem kleinen Sohn in die Ferien fahren können. Doch der Traum vom eigenen Camper ist zum Albtraum geworden: Das Inserat war ein Fake. Dahinter steckt eine ausgeklügelte Betrugsmasche.

Verkäufer gab an Schweizer Rentner zu sein

Das Wohnmobil war mit dem Standort Bern ausgeschrieben. Nach dem ersten Kontakt mit dem Verkäufer erfuhr die Familie Müller, dass das Fahrzeug in Spanien stehe. «Der Verkäufer gab an, Schweizer Rentner zu sein, und sendete uns Fotos vom Camper», so Vera Müller.

Nachdem die Familie Interesse am Fahrzeug bekundet hatte, verschwand das Inserat auf Autoscout24. Auf Nachfrage beteuerte der Verkäufer aber, den Camper noch nicht verkauft zu haben. «Dann wollten wir den Verkauf vorantreiben.»

Drittanbieter fordert plötzlich Geld

Das Wohnmobil sollte mit einer internationalen Logistikfirma in die Schweiz gebracht werden. Alles habe seriös gewirkt: «Wir erhielten sogar eine ID-Kopie vom Verkäufer und einen Tracking-Code, um den Transport zu verfolgen.» Der Verkäufer sei mit seiner Adresse und dem ehemaligen Arbeitgeber im Internet auch auffindbar gewesen.

Als der Camper angeblich bereits auf dem Weg in die Schweiz war, forderte die Logistikfirma aber plötzlich eine erste Anzahlung von Familie Müller. Das Geld würde auf einem Sperrkonto landen: Der Verkäufer erhalte das Geld erst, wenn das Fahrzeug bei der Zürcher Familie stehe. «Also zahlten wir die Hälfte des Kaufpreises.»

«Ich war am Boden zerstört»

Zwei Tage vor dem vermeintlichen Lieferdatum meldete sich die Logistikfirma erneut: Sie forderte den Rest des Geldes ein. Dagegen wehrte sich Familie Müller. «Da hiess es, das sei kein Problem, man könnte den Transport abbrechen und den Verkäufer informieren.»

Die Offenheit der Firma verunsicherte die junge Familie. Sie setzten sich mit dem Verkäufer in Spanien in Verbindung. Auch dieser versicherte, dass es kein Problem sei. Schliesslich überwies Familie Müller 41’350 Franken inklusive Transportkosten.

Aber das Wohnmobil kam nicht. Plötzlich waren weder Verkäufer noch Transportfirma erreichbar. «Ich war am Boden zerstört», sagt Vera Müller. Eigentlich sei sie kein naiver Mensch. Doch die Betrüger seien sehr professionell gewesen: Sie setzten keinen Druck auf und gaben der Familie das Gefühl, ihr Geld sei sicher.

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Diesen Camper wollte die Familie Müller kaufen.

Diesen Camper wollte die Familie Müller kaufen.

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Für 41’000 Franken war das Auto auf Autoscout24 ausgeschrieben.

Für 41’000 Franken war das Auto auf Autoscout24 ausgeschrieben.

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Der Verkäufer gab sich als Schweizer Rentner aus, der in Spanien lebt.

Der Verkäufer gab sich als Schweizer Rentner aus, der in Spanien lebt.

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Fremde Identität verwendet

«Im Nachhinein frage ich mich, wieso mich mein Bauchgefühl im Stich gelassen hat. Ich fühle mich, wie wenn ich im falschen Film bin.» Vielleicht habe sie sich von ihrem Traum zu sehr blenden lassen und die bösen Absichten nicht sehen wollen. Auch der Sohn der Familie ist traurig. Um seine Mutter aufzumuntern, hat er ihr eine Zeichnung vom unerfüllten Camper-Traum gemalt (siehe Video oben).

Klar ist: Der Betrugsfall kostet Familie Müller ihr ganzes Erspartes. Ferien können sie sich dieses und nächstes Jahr nicht mehr leisten. Der Vorfall sei der Kantonspolizei gemeldet. «Dort hiess es, dass die ID des Verkäufers schon einmal für einen Betrugsfall verwendet worden sei», sagt Vera Müller. Doch alles ist gefälscht: Die Täter haben sich eine fremde Identität angeeignet.

Betrüger sind professionell organisiert

Zu einem zweiten Fall will sich die Kapo Zürich nicht äussern: Man nehme keine Stellung zu einzelnen Betrugsfällen, heisst es auf Anfrage. Solche Betrugsmaschen gebe es aber öfter. «Sie sind sehr professionell organisiert», sagt eine Mediensprecherin. Darum rät die Polizei auf Cybercrimepolice.ch dringend davon ab, Vorauszahlungen zu leisten.

Das sagt auch Autoscout24: «Man sollte auf keinen Fall Produkte kaufen, die man nicht vor Ort begutachten kann», sagt ein Mediensprecher. Zum konkreten Fall der Familie Müller kann sich die Plattform derzeit nicht äussern. «Aber werden uns verdächtige oder betrügerische Inserate gemeldet, prüfen wir diese manuell und sperren sie im Notfall.»

Für Familie Müller kommt jede Hilfe zu spät: Die Zahlung konnte auch über die eigene Bank nicht mehr gestoppt werden. Auch der Rechtsschutz kann der Familie nicht mehr helfen: «Das Geld ist weg», sagt Vera Müller.

*Name der Redaktion bekannt

Rechtsexperte

«Kriminelle lassen sich auch unter Druck setzen»


Angebote im Internet, häufig aus dem Ausland, die bezahlt, aber nicht geliefert werden, sind eine gängige Betrugsmasche, wie Rechtsanwalt Martin Steiger erklärt. Darum sollten Betroffene Strafanzeige erstatten. «So können die Behörden allenfalls weitere Fälle verhindern», sagt Steiger.

Betroffene wie die Familie Müller könnten das Geld vom Verkäufer zurückfordern. «Wie gross die Erfolgsaussichten sind, muss im Einzelfall beurteilt werden. Die Erfahrung zeigt, dass sich auch mutmassliche Kriminelle unter Druck setzen lassen.»

Vorauszahlungen setzten laut Steiger Vertrauen voraus, das in solchen Fällen aber fehlt. «Hat man erst einmal bezahlt, sitzt man am kürzeren Hebel.» Eine Alternative seien Onlineplattformen, die sicherstellen, dass Käufer das Gekaufte erhalten und der Verkäufer bezahlt wird. «Das Geld wird von solchen Plattformen erst ausbezahlt, wenn die Lieferung erfolgt ist. Ausserdem können solche Plattformen im Streitfall vermitteln.»

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488 Kommentare
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fanki

28.07.2020, 09:45

Sory aber ein WoMo kaufen ohne Besichtigung für 41000Fr, Und in der heutigen Zeit von Internetbetug schade giebt es noch Personen die darauf hereinfallen

Miriam G.

28.07.2020, 09:45

IMMER die ID oder den Pass bei der Polizei prüfen lassen. Sollte das Ding gestohlen sein, werden sie es wohl wissen.

Genug

28.07.2020, 09:44

Ja ja, die Familie weiß nun was sie falsch gemacht haben, nachdem sie all diese Kommentare gelesen hat. Das böse Erwachen kommt immer zu spät.