Arosa GR: «Wir haben alle Herde erfasst und sind quasi Corona-clean»
Publiziert

Arosa GR«Wir haben alle Herde erfasst und sind quasi Corona-clean»

In Arosa wurden nach einer Ansteckungswelle Massentests durchgeführt. Von 2570 Tests fielen 58 positiv aus. 45 davon betreffen Mutationen. Trotzdem sei der Skiort sicher. Kurdirektor Pascal Jenny erklärt, wieso.

von
Tabea Waser
Leo Butie
1 / 9
Rund 3000 PCR-Tests wurden vergangene Woche in Arosa GR durchgeführt. 

Rund 3000 PCR-Tests wurden vergangene Woche in Arosa GR durchgeführt.

imago/blickwinkel
In der Schule Arosa wurde eine gehäufte Ausbreitung eines mutierten Coronavirus festgestellt. 

In der Schule Arosa wurde eine gehäufte Ausbreitung eines mutierten Coronavirus festgestellt.

Gemeinde Arosa
 Deshalb wurde in der Folge ein Flächentest durchgeführt. 

Deshalb wurde in der Folge ein Flächentest durchgeführt.

imago/blickwinkel

Darum gehts

  • In Arosa wurden nach einer Ansteckungswelle in der Schule Massentests durchgeführt.

  • Von 2570 durchgeführten Tests fielen 58 positiv aus.

  • Von den 58 positiven Getesteten hatten 45 eine Corona-Mutation.

  • 350 Ergebnisse stehen noch aus.

  • Arosa brüstet sich damit, ein Vorbild für die ganze Schweiz zu sein.

  • Kurdirektor Pascal Jenny bezeichnet Arosa gar als corona-clean.

Nach Abschluss der Flächentest-Aktion hat der Kanton Graubünden am Sonntagabend entschieden, dass das Schneesportgebiet Arosa Lenzerheide ohne Einschränkungen geöffnet bleibt. Die Verbindungsbahn zur Lenzerheide ist wieder offen. Die Schneesportschulen können ihren Betrieb am Montag, 1. Februar, wieder aufnehmen. Die Schule Arosa bleibt sicher bis zum 6. Februar geschlossen.

«Mit diesen Tests haben wir alle Herde erfassen und die Personen entsprechend in Quarantäne schicken können. Arosa ist damit derzeit quasi Corona-clean, auch wenn das Thema Coronavirus nach wie vor sehr präsent ist», so Kurdirektor Pascal Jenny. Einen Widerspruch zwischen den Fallzahlen und der Aussage, dass Arosa Corona-clean sei, kann Jenny nachvollziehen, sagt aber dennoch: «Der Flächentest hat gezeigt, dass der Infektionsherd zu hundert Prozent auf die Schulen zurückzuführen ist.» Deswegen seien momentan nicht nur die Schüler in Quarantäne, sondern auch deren Kontaktpersonen und Familien. Auch Jenny selbst befindet sich derzeit vorsorglich in Quarantäne.

«Weiter hat sich gezeigt, dass unsere Schutzkonzepte für den Tourismus funktionieren.» So sei es möglich, den Ferienort ohne Risiko weiter zu betreiben. «Der Kanton Graubünden ist im Bereich Testing und dem Umgang mit den Resultaten Klassenprimus und in den Augen von Arosa wäre diese Strategie die Lösung für die ganze Schweiz, Region für Region», heisst es in einer Mitteilung der Tourismusbehörde. Die Alternative, die Skigebiete und Tourismusregionen zu schliessen, sei die schlechtere Variante als weitreichende Tests. «Die Menschen brauchen wieder Hoffnung und Optimismus, sodass das Leben und dessen Vorzüge weiter stattfinden kann», heisst es in der Mitteilung weiter.

Lediglich Momentaufnahme

Jenny räumt allerdings ein, dass der Flächentest lediglich eine Momentaufnahme ist. Die Tests müsse man regelmässig wiederholen. «Diese Woche beginnen im Kanton Graubünden die Flächentests in Betrieben.» Mit den wiederholenden Tests könne man die Situation im Griff halten und allfällige weitere Infektionsketten unterbrechen.

Dass Touristen nun wieder das Virus nach Arosa einschleppen, hofft Jenny nicht. «Wir haben momentan in allen Hotels eine Auslastung von 55 Prozent, während man in anderen Jahren komplett ausgebucht ist.» Deshalb sei es auch wegen den hervorragenden Schutzkonzepten, die sich über die Festtage bewährt haben, wenig wahrscheinlich, dass ein neuer Infektionsherd durch Touristen entstehe.

Die Gerüchte, dass Hoteliers in Arosa ihre Mitarbeiter nicht testen möchten aus Angst vor einem Szenario wie in St. Moritz, dementiert er. «Es gab den Fall eines Hoteliers, der sich dies überlegte, doch wir sind sofort auf ihn zugegangen», erklärt der Touristiker. Und man habe ihn von der Idee abgebracht. Darüber hinaus erarbeite man im Moment ein neues Konzept, das vorsieht, auch anreisende Touristen freiwillig zu testen.

Hoher Anteil von Mutationen

Die Standeskanzlei informierte am Sonntagabend über den Abschluss der Flächentests in Arosa. Aufgrund einer gehäuften Ausbreitung des mutierten Coronavirus in der Schule Arosa hatte das Gesundheitsamt Graubünden vergangenen Dienstag eine Ausbruchsuntersuchung an der Schule Arosa vorgenommen und 20 Mutationen des Coronavirus filtern können.

Die Zwischenbilanz des zweitägigen Flächentests weist 2570 Proben (Stand 31. Januar 2021, 20 Uhr) auf. Es wurden 58 Infektionen mit dem SARS-CoV-2 Virus bestätigt, 45 davon betreffen Mutationen (B.1.1.7). 350 Resultate sind noch ausstehend. Die positiven Fälle sind hauptsächlich auf das schulische Umfeld, insbesondere auf Schülerinnen und Schüler, deren Eltern als auch auf Lehrpersonen, zurückzuführen.

Hast du oder jemand, den du kennst, Mühe mit der Coronazeit?

Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel. 058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Branchenhilfe.ch, Ratgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Tel. 147

Deine Meinung

183 Kommentare