19.08.2019 14:30

Baby auf Zugsitz gewickelt«Wir haben alle mal in die Windeln gemacht»

Bloggerin Tanja Suppiger wendet sich auf Facebook in einem offenen Brief an die Mutter, die ihr Kind auf dem Zugsitz wickelte. Ihr Beitrag wird von Tausenden gefeiert und geteilt.

von
qll
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In einem Viererabteil des Intercity von Bern nach Zürich wickelte eine Frau am Montagabend ihr Baby.

In einem Viererabteil des Intercity von Bern nach Zürich wickelte eine Frau am Montagabend ihr Baby.

Leser-Reporter
Ein Leser sagt: «Ein unangenehmer Geruch breitete sich aus, viele Personen hielten sich die Nase zu oder gingen weiter und setzten sich woanders hin.» (Symbolbild)

Ein Leser sagt: «Ein unangenehmer Geruch breitete sich aus, viele Personen hielten sich die Nase zu oder gingen weiter und setzten sich woanders hin.» (Symbolbild)

Keystone/Gaetan Bally
Grundsätzlich sei das Wickeln von Kindern auf Zugsitzen in Ordnung, solange es die anderen Fahrgäste nicht störe und es keine Spuren hinterlasse, sagt SBB-Sprecherin Rebecca Spring. (Symbolbild)

Grundsätzlich sei das Wickeln von Kindern auf Zugsitzen in Ordnung, solange es die anderen Fahrgäste nicht störe und es keine Spuren hinterlasse, sagt SBB-Sprecherin Rebecca Spring. (Symbolbild)

Keystone/Gaetan Bally

«Dieser Post ist ein offener Brief an die mutige Mama, die im Intercity von Bern nach Zürich im öffentlichen Abteil ihr Baby gewickelt hat und dabei fotografiert wurde. Du lebst in einem Land, das die vollgekackten Windeln deines Kindes zu einem (fast) nationalen Thema machen kann. Ich kann mich gerade extrem gut in dich hineinfühlen» – mit diesen Worten fängt der offene Brief von Bloggerin Tanja Suppiger (40) aus dem Luzerner Seetal an. Darin spricht sie den Vorfall von letzter Woche an, als eine Mutter ihr Kind im Zug wickelte. Laut einem Leser-Reporter, der die Mutter fotografierte, suchten darauf mehrere Pendler das Weite, weil es im Abteil so gestunken habe.

«Für Mamis sind solche Situationen nicht einfach», sagt Suppiger zu 20 Minuten, die in ihrem HerzBauchWerk Potenzialentfaltung für feinfühlige Menschen anbietet. «Man sitzt da, steht unter Druck und geht alle Möglichkeiten durch, die man hat. Vermutlich werden sich nach dem Beitrag nun noch mehr Mütter überlegen, was sie machen sollen. Was schade ist, denn ein Kind zu wickeln, ist doch das Normalste auf der Welt.» Sie selbst finde die Entscheidung der Mutter, das Kind im Abteil zu wickeln, am sinnvollsten: «Für mich wäre es ein No-Go, wenn sie dem Kind die Windeln gar nicht oder in einem dreckigen Zug-WC beziehungsweise auf dem Zugboden wechseln würde.»

Beitrag kommt gut an

Auch sie habe ihr Kind schon an öffentlichen Orten wickeln oder stillen müssen. «Etwa im Einkaufszentrum oder auf dem Zahnarztstuhl. Es steht niemandem zu, jemanden zu verurteilen, der das macht. Vor allem finde ich es frech, wenn man dabei fotografiert wird.» In ihrem Beitrag wendet sich Suppiger auch an die Personen, die kein Verständnis für die Mutter haben, und fragt diese, was sie wohl gemacht hätten. «Hättest du genug Arsch in der Hose, für das Bedürfnis deines Kindes einzustehen, oder hättest du dir selber in die Hosen gekackt?», fragt die Bloggerin.

Andere Frauen feiern den offenen Brief von Suppiger. Dieser wurde bereits über 4800-mal gelikt und über 720-mal kommentiert. Viele geben an, dass auch sie ihr Kind bereits im Zugabteil gewickelt hätten. So schreibt Userin D. K. etwa: «Ich war beim ersten Kind am SBB-Schalter und fragte, wie das Problem zu lösen sei. Genau so, wie es die Mama in deinem Text gemacht hat, ist es richtig: im Zugabteil. Seither machen wir das so, egal wer was denkt.»

Userin E. S. doppelt nach: «Genau so erging es mir vor kurzem auch. Ich habe die Zugbegleiter gefragt, ob es irgendwo im Zug einen Wickeltisch oder Ähnliches gebe, wo ich meine Kleine wickeln könne. Die Antwort war nein.» Daraufhin habe sie ihr Kind im Zugabteil gewickelt. «Ich bin froh, dass nicht alle Menschen so bünzlig auf unsere kleinsten Mitmenschen reagieren. Haben wir doch alle mal in die Windeln gekackt! Ein bisschen Toleranz im Leben tut allen gut!»

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