Autobau Erlebniswelt: Wir haben Autos zum Speed-Dating getroffen
Isabelle Riederer
Publiziert

Autobau ErlebnisweltWir haben Autos zum Speed-Dating getroffen

Zum Valentinstag hat das Automobilmuseum Autobau in Romanshorn seine Tore für ein Speed-Dating der besonderen Art geöffnet. Auto-Redaktorin Isabelle Riederer und Auto-Redaktor Fabio Simeon haben es ausprobiert.

von
Isabelle Riederer / A&W Verlag
Fabio Simeon / A&W Verlag

Die Auswahl der Autos in den Hallen der Autobau Erlebniswelt ist riesig. Von Aston Martin bis Porsche, von exotischem Supersportwagen über Schmuckstücke aus vergangenen Zeiten bis hin zu waschechten Formel-Rennboliden. Was sich hinter den Backsteinmauern am Bodensee verbirgt, ist für Autoliebhaber der Himmel auf Erden – und der ideale Ort für eine automobile Partnersuche. Die Aufgabe: Jeder pickt sich drei Autos für ein besonderes Valentinstag-Speed-Date heraus. Bei der grossen Auswahl gar nicht mal so einfach.

1. Isabelle und der Dallara Stradale

Fabio Simeon

Getreu dem Namen Speed-Dating war klar, das erste Auto muss schnell sein. Und wer käme da wohl besser in Frage als der Dallara Stradale. Der 2016 auf den Markt gekommene Dallara Stradale bringt 400 PS bei gerade mal 855 Kilogramm Trockengewicht auf die Strasse und ist auf 600 Stück limitiert. Die flache Flunder aus dem Süden ist das erste Fahrzeug mit Strassenzulassung der italienischen Konstruktionsschmiede Dallara Automobili S.p.A., die seit der Firmengründung 1972 vor allem als Fahrwerkskonstrukteur für Renn- und Supersportwagen, wie den Bugatti Chiron, den Maserati MC12 oder den Porsche 918 Spyder, bekannt geworden ist. Allein beim Anblick schlägt das Herz höher und der Puls schneller. Erstmals etwas streicheln. Der Einstieg ist etwas umständlich, da keine Türen vorhanden und die Sitze sind nicht unbedingt bequem sind, doch mit diesem Flitzer wird jedes Date zu einem waschechten Speed-Date. Ach ja und der Monster-Heckflügel lässt selbst Amor vor Neid erblassen.

2. Fabio und der Ferrari LaFerrari

Isabelle Riederer

Vorsichtig proste ich der Superdiva im roten Kleid zu – bloss nicht kleckern, dafür lächeln. Denn weder Weinflecken noch lange Gesichter passen ins erste Date. Erst recht nicht, wenn man einer Grazie wie dem Ferrari LaFerrari gegenübersitzt. Jenem Über-Ferrari, welcher in den meisten Fällen direkt nach dem Kauf weggeschlossen wird. Der 963 PS starke Hybrid-Supersportwagen aus Maranello kostete 2014 ca. 1,3 Millionen Euro – munkelt man, denn weder von Seiten der 499 Käufer, noch vom Hersteller wurde der Preis je offiziell bestätigt. Sicher ist: Wer sich den LaFerrari gönnte und ihn mit gebührend Liebe und Respekt behandelte, kriegt heute mehr, als er damals an Ferrari zahlte. Aber nicht nur der finanzielle Aspekt dürfte Lewis Hamilton, Gordon Ramsay, Pierre-Emerick Aubameyang und die restlichen «LaFerraristi» davon abhalten, ihren V12 zu verkaufen, auch fahrtechnisch hält das italienische Geschoss noch immer mit seinen jüngeren Rivalen mit. Auf Tempo 100 gehts in 2,9 Sekunden, Schluss ist erst nach 350 km/h und wenn Flügel und Diffusoren auf Anschlag stehen, erzeugt der LaFerrari derart viel Abtrieb, dass er theoretisch an der Decke fahren könnte.

3. Isabelle und der Aston Martin Vantage GT12

Fabio Simeon
Fabio Simeon

Der Aston Martin Vantage GT 12 ist der Christian Grey unter den Supersportlern, sozusagen «Fifty Shades of Grey» auf Rädern. Der Bad Boy im Massanzug. Der britische Gentleman, der nachts die Sau raus lässt. Welche Frau wünscht sich das nicht? Man könnte ihn ganz beruhigt den Eltern vorstellen, die wären begeistert vom edlen Herrn im schicken Zwirn und mit guten Manieren. Dass sich unter der Carbon-Verkleidung ein 6,0-Liter Poweraggregat mit 600 PS versteckt, ist für Laien kaum ersichtlich. Doch wenn man den Startknopf drückt und diese dunklen Fanfaren aus den Titan-Endrohren einem die Nackenhaare aufstellen und die zwölf Zylinder über die 1565 Kilogramm Leergewicht herfallen – spätestens dann ist man dem grauen Herzensbrecher erlegen. Nach diesem Speed-Date war der Wodka-Martini jedenfalls mehr geschüttelt und gerührt, als es James Bond lieb gewesen wäre.

4. Fabio und der DeLorean DMC-12

Isabelle Riederer

Nicht ganz so elegant und sportlich wie bei Date Nummero Uno wirds bei der zweiten Verabredung. Statt Candle-Light-Dinner am Pistenrand gibts Popcorn im Autokino. Das dafür mit echten Emotionen und einem Filmstar: Dem DeLorean DMC-12. Die Filmauswahl überlässt das sportliche Coupé uns – mit einer Bedingung: Auf keinen Fall soll Marty McFly über die Leinwand huschen. Denn obwohl die Filmreihe «Zurück in die Zukunft» dem DMC-12 1982 zur grossen Kinokarriere verhalf, trübt das tränende Auge den Blick in die Vergangenheit, da die Marke DeLorean gleichzeitig pleiteging. Ob es am eher hohen Verkaufspreis von 25'000 Doller lag? Wäre möglich, denn laut einem Vergleichstest des US-Magazins «Car and Driver» schnitt der DMC gegen Corvette, Porsche und Co. schlecht ab. Die 9200 in Nordirland gefertigten Fahrzeuge mit rostfreien Edelstahl-Aussengewändern und den zwei Flügeltüren, waren den Otto-Normalverbrauchern zu futuristisch, den Sportwagenfans zu langsam. Nicht so für Steven Spielberg. Dank des Regisseurs zählt der 130 PS starke DeLorean heute zu den bekanntesten Oldtimern der Welt. Und wie sagt Doc Brown im Film? „Wenn man schon eine Zeitmaschine in einen Wagen einbaut, dann bitteschön in einen mit Stil“, oder so ähnlich.

5. Isabelle und der Ford GT

Fabio Simeon

«Hello, my dear!» Der Ford GT ist eine Legende und definitiv ein ideales Speed-Date. In den 60er-Jahren wollte Henry Ford II. mit dem Ford GT40 Ferrari in den Hintern treten. Warum? Ursprünglich wollte Ford damals Ferrari kaufen, doch Enzo Ferrari wehrte sich erfolgreich dagegen. Die Retourkutsche kam 1966 mit dem Ford GT40. Gleich viermal hintereinander gewann der GT40 das 24-Stunden-Rennen von Le Mans und liess Ferrari links liegen. Der Film «Le Mans 66» mit Christian Bale und Matt Damon brachte den Zwist der beiden Autobauer 2019 gar auf die Kinoleinwand. Zwar ist der Ford GT «nur» der Nachfolger des GT40 – die Zahl 40 trägt er deshalb nicht mehr im Namen, weil er 43 Zoll statt 40 Zoll hoch ist – dennoch steht er dem Original in nichts nach. 550 PS, acht Zylinder und ein Leergewicht von 1500 Kilogramm.

6. Fabio und der Mercedes-Benz 300 SL Coupé

Isabelle Riederer

Das Beste kommt zum Schluss: Mein letztes Rendezvous ist so schön wie geschichtsträchtig. Als «der Blech gewordene Stoff aus dem die Träume sind» verdreht das Mercedes-Benz 300 SL Coupé Automobilenthusiasten seit über 65 Jahren den Kopf. Während das «Volk» und die aufkommenden Paparazzi mit höchstens 90 km/h im VW Käfer über die Autostrassen tuckerten, lancierte der auf 1400 Stück limitierte Sportwagen dank 215 PS und einer Höchstgeschwindigkeit von 260 km/h zum idealen Sportwagen für die Stars und Sternchen der 50er- und 60er-Jahre. So durften auch Romy Schneider und Alain Delon, das Glamour-Pärchen besagter Zeit, die «automobile Quintessenz» ihr Eigen nennen. Man kann sich nur allzu gut vorstellen, wie sie in der Umgebung von Paris einen Picknick-Halt machten, den mit Delikatessen gefüllten Korb und die zum Wageninterieur passende Decke aus dem Kofferraum holten und das taten, wozu im flachen 300 SL kein Platz war.

Autobau Erlebniswelt

Die Autobau Erlebniswelt in Romanshorn zeigt die einzigartige Autosammlung des Schweizer Unternehmers und Rennfahrers Fredy Lienhard. Dazu gehören exotische Supersportwagen, Oldtimer und Rennautos zahlreicher Motorsportserien, wie der Formel 1.
Aufgrund der Corona-Pandemie ist das Museum momentan geschlossen.

Deine Meinung

35 Kommentare
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Euronorm 7

16.02.2021, 00:09

Achtung ! Euronorm 7 kommt !!! Finger weg !

Miechael

15.02.2021, 23:31

Gibts die auch in E?

Waesserli

15.02.2021, 23:19

Den besten Auto-Beschrieb den ich je gelesen habe. Grosses Kompliment