Nachtleben-Experte befürchtet: «Die Schliessung des Hive ist nur der Anfang»
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Nachtleben-Experte befürchtet«Die Schliessung des Hive ist nur der Anfang»

Nach den verschärften Corona-Massnahmen des Bundes hat sich der Zürcher Club Hive dazu entschlossen, seine Türen zu schliessen. Auch der Club Plaza schliesst per sofort.

von
Monira Djurdjevic
Lynn Sachs
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Das Hive macht vorübergehend zu. 

Das Hive macht vorübergehend zu.

TAMEDIA AG
«Wir haben inständig gehofft, dass Folgende niemals verkünden zu müssen: Wir müssen das Hive bis auf Weiteres schliessen», heisst es auf Instagram.

«Wir haben inständig gehofft, dass Folgende niemals verkünden zu müssen: Wir müssen das Hive bis auf Weiteres schliessen», heisst es auf Instagram.

Screenshot Instagram
«Die am Sonntag vom Bund verkündeten Vorschriften sind für einen Club nicht umsetzbar und eigentlich nichts anderes, als ein amtlich verordnetes Berufsverbot», heisst es auf Instagram weiter. 

«Die am Sonntag vom Bund verkündeten Vorschriften sind für einen Club nicht umsetzbar und eigentlich nichts anderes, als ein amtlich verordnetes Berufsverbot», heisst es auf Instagram weiter.

Getty Images/iStockphoto

Darum gehts

  • In Clubs und Bars gilt seit Montag schweizweit eine Sitzpflicht bei Konsumation.

  • Das hatte der Bundesrat am Sonntag beschlossen.

  • Nun haben bereits die ersten Clubs ihre Türen geschlossen.

Am Sonntag hatte der Bundesrat entschieden: Die Massnahmen werden aufgrund der steigenden Corona-Fälle verschärft. Unter anderem gilt seit Montag in Bars und Clubs eine Sitzpflicht bei Konsumation. Die neuen Regeln treffen vor allem das Nachtleben hart.

Der Zürcher Club Hive hat nun darauf reagiert: «Wir haben inständig gehofft, das Folgende niemals verkünden zu müssen: Wir müssen das Hive bis auf Weiteres schliessen», heisst es auf Instagram. «Wir haben bis zum Schluss gekämpft und gebangt und Woche für Woche versucht, uns an immer wieder neue Auflagen anzupassen.»

Gegenüber 20 Minuten sagt Hive-Gründer Nicola Schneider: «Die neuen Massnahmen, die seit Sonntag gelten, sind für uns praktisch ein Berufsverbot Er fügt an: «Mit der kleinen Gästezahl, die wir empfangen dürften, würden wir pro Party tausende Franken drauflegen.» Das könne man sich nicht mehr leisten. Zudem wäre das Erlebnis für die Gäste mit all den Regeln und Massnahmen «sehr unsexy», so Schneider.

Wie lange der Club geschlossen bleibt, ist noch unklar: «Wir warten mal, bis die Fallzahlen wieder sinken und die damit verbundenen Massnahmen aufgehoben werden.» Die vorübergehende Schliessung wird laut Schneider auch Folgen für das Personal haben: «Leider können nicht alle Mitarbeitenden weiter beschäftigen. Wir hoffen aber, dass die Kurzarbeit weiterhin akzeptiert wird

Nachtleben-Experte und BCK

Laut Nachtleben-Experte Alex Flach lohnt es sich für keinen Club, momentan Partys zu veranstalten. Der Grund: «Vor allem mit der Bar verdienen die Betreiber das Geld. Wenn die Gäste dann in Räumen mit sehr wenigen Sitzmöglichkeiten nur noch im Sitzen konsumieren dürfen, ist das schlichtweg betriebsverhindernd Flach befürchtet: «Die Schliessung des Hive ist nur der Anfang. Es werden noch einige nachziehen.»

Ähnlich sieht es Alexander Bücheli, Sprecher bei Bar- und Clubkommission Zürich (BCK): «Die Tendenz geht Richtung Schliessung.» Durch die sitzende Konsumation lässt sich laut Bücheli nur ein Bruchteil des normalen Gastronomie-Umsatzes, der normalerweise 70 bis 100 Prozent der Kosten decke, erzielen. «Zudem können die 100-Personen-Regel viele Betriebe räumlich nicht oder nur mit sehr grossem Aufwand umsetzen.»

Damit sehen sich viele Betriebe «defacto mit einer amtlich verordneten Schliessung» konfrontiert, so Bücheli. Er hofft nun, dass der Bund mit den Kantonen über die Unterstützung der Branche rede. «Nur so können Konkurse von an sich gesunden Unternehmen verhindert und Arbeitsplätze gesichert werden.»

Auch der Zürcher Club Plaza macht per sofort zu. In einer Mitteilung heisst es dazu: «Die neuen Regeln zur Bekämpfung der Pandemie machen es unmöglich, die Veranstaltungen auch nur ansatzweise wirtschaftlich durchführen zu können.»

Die neuen Massnahmen bedeuten auch für den Club Spacemonki eine «finanzielle Katastrophe», sagt Geschäftsführer Marco Diener. Der Club habe seit Wochen starke Einbussen zu verzeichnen. «Wir hatten einen Umsatzeinbruch von bis zu 80 Prozent.» Laut Diener bleibt der Club aber trotzdem offen. «Wie es weitergeht, entscheiden wir von Woche zu Woche. Eine Unterstützung vom Bund wäre sehr wünschenswert.»

Um nächstes Wochenende trotz der verschärften Corona-Massnahmen eine Party veranstalten zu können, hat sich Diener etwas überlegt. «Neu wird unten ein Barbereich entstehen, in welchem die Leute sitzen und trinken können. Oben gibt es eine Tanzfläche, auf der ein Trinkverbot herrscht.»

«Bald haben wir unsere Reserven aufgebraucht»

Ähnliche Situation beim Club Heaven im Zürcher Niederdorf. «Wir machen seit Juni nur noch 30 bis 40 Prozent des Umsatzes. Bald haben wir unsere Reserven aufgebraucht», sagt Geschäftsführer Marco Uhlig. Die neue Regel «Sitzpflicht bei Konsumation» mache das Ganze nicht einfacher. «Ich mache mir grosse Sorgen um die Arbeitsstellen meiner Mitarbeiter. Wir planen nur noch von Woche zu Woche.»

Eine behördliche Schliessung würde Uhlig deshalb begrüssen. «Wenn der Kanton die Clubs schliesst, haben wir eine grössere Chance, eine Mietzinsreduktion zu erhalten. Damit wäre noch ein Funken Hoffnung da, die Coronakrise einigermassen wirtschaftlich zu überstehen.»

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