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Mit Gefangenen gegen die Krise«Wir haben die Anlage: Also her mit ihnen»

Im einstmals sichersten Gefängnis der USA in Marion sassen schon allerhand schwere Jungs ein - vom Spion bis zum Drogenbaron und Mafiaboss. Jetzt würde Bürgermeister Robert Butler auch gern den Terrorverdächtigen von Guantánamo den roten Teppich ausrollen. Nicht, dass er die Gefangenen besonders ins Herz geschlossen hätte. Sein Verlangen hat andere Gründe.

Andere Orte in den USA sträuben sich mit Händen und Füssen, einige der über 200 Insassen des Gefangenenlagers Guantánamo aufzunehmen, das Präsident Barack Obama zu schliessen versprochen hat. Doch Marion im US-Staat Illinois und ein paar andere Orte reissen sich um die Häftlinge - und um die Arbeitsplätze, die mit ihrer Aufnahme verbunden sein könnten.

«Wir haben die Einrichtung, also: Her mit ihnen», sagte Bürgermeister Robert Butler. Dazu wären jedoch noch einige Hürden zu überwinden. So müsste die Strafvollzugsbehörde überredet werden, das Gefängnis wieder auf den früheren Hochsicherheitsstandard zu bringen. Senator Dick Durbin hat bereits um Prüfung gebeten.

Die meisten Politiker indes sähen die Guantánamo-Insassen gerne überall, nur nicht im eigenen Hinterhof. Kritiker haben Obama bereits zum Vorwurf gemacht, dass er das Lager schliessen will, ohne zu wissen, wohin mit den Gefangenen. Der Kongress hat Ausgaben für eine Inhaftierung in den USA für dieses Jahr gesperrt, was die für den 21. Januar 2010 geplante Schliessung verzögern oder gefährden könnte. Andere Länder haben schon einige Häftlinge aufgenommen, mit weiteren wird verhandelt.

Leerstehende Gefängnisse

Die Aufnahme in den USA ist auch deshalb schwierig, weil die Bundesgefängnisse an der Kapazitätsgrenze sind. Marion beispielsweise hat nach Angaben eines Sprechers über 930 Insassen und nur ein paar Dutzend Pritschen frei. Dennoch hofft Bürgermeister Butler darauf, rund 100 Arbeitsplätze zurückzugewinnen. Die waren gestrichen worden, als die Haftanstalt, die nach der Schliessung von Alcatraz 1963 als sicherste der USA galt, vor einigen Jahren zurückgestuft wurde.

Doch Marion könnte Konkurrenz bekommen. In Hardin im Bundesstaat Montana etwa finden die Stadtväter, ihr vor zwei Jahren errichtetes, leerstehendes Gefängnis könnte mit ein paar Wachtürmen und etwas Stacheldraht für die Guantánamo-Häftlinge bereit gemacht werden. Kongressabgeordnete jedoch halten das für gar keine gute Idee. Einwohner von Florence in Colorado bieten das nahe Hochsicherheitsgefängnis an, Thomson in Illinois hätte einen 2002 fertiggestellten und noch immer nicht eröffneten Hochsicherheitstrakt zu bieten.

Sie alle können es sich nicht leisten, wie Marions Bürgermeister Butler sagte, für Terrorverdächtige «Zutritt verboten»-Schilder aufzustellen. «Wenn man Staatsfeinde hat, muss man sie im Griff behalten», sagte er. «Wir müssen irgendwo hin mit ihnen, wo sie nicht raus und nichts anrichten können. Ich glaube, dieser Ort wäre dafür so gut wie jeder andere.» (dapd)

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