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Wir haben während einer Pandemie die Seychellen besucht – so wars

Wie ist Reisen während der Corona-Krise? Was unternehmen Tourismusdestinationen, damit Fernreisen weiterhin möglich sind? und was denken die Einheimischen über Touristen in Zeiten von Covid-19? Wir flogen ins Inselparadies Seychellen und schauten uns die Schutzkonzepte vor Ort an.

von
Martin Hoch
9.12.2020

Plante man vor Covid-19 eine Reise in die Ferne, kamen Reaktionen wie: «Oh wie schön, da würde ich jetzt auch gerne hin.» Vor dieser Reise waren die Reaktionen durchaus diverser, oft kam ein ungläubiges: «Was, du fliegst in dieser Zeit auf die Seychellen?» Nicht selten gefolgt von spannenden Diskussionen, ob man in der aktuellen Zeit überhaupt verreisen soll und ob es gesellschaftlich vertretbar sei.

Der Strand Anse source d´argent auf der Insel La Digue.
Paradiesische Seychellen

Der Strand Anse source d´argent auf der Insel La Digue.

Nico Schaerer

Voraussetzung einer Reise auf die Seychellen

Vor unserer Abreise erhalten wir eine Liste, wie wir uns vorzubereiten haben. Dazu gehört ein negativer PCR-Test, der bei Abflug nicht älter als 72 Stunden sein durfte. Das Testresultat, eine Kopie des Reisepasses und der Gelbfieberimpfung, sowie unsere Flug- und Hotelbuchungen gilt es vorgängig online bei der Gesundheitsbehörde der Seychellen einzureichen. Ferienvorbereitungen in Zeiten von Covid-19 sind also durchaus etwas umständlicher. Und da man den PCR-Test kurz vor Abreise vornehmen muss, bleibt lange unsicher, ob man die Reise in die Ferne überhaupt antreten kann. Die Online-Anfrage bei der Gesundheitsbehörede wiederum wird schnell und unkompliziert bearbeitet. Wir erhalten eine Reisegenehmigung: Es kann losgehen.

Vor Ort treffen wir schliesslich auch einige Touristinnen und Touristen, die uns erzählen, dass sie die die Hotels und den Flug erst last minute nach Erhalt des negativen PCR-Tests buchten.

5 Fragen an Franziska Frei, Reisespezialistin bei Let’s go Tours

Let’s go Tours ist der führende Schweizer Reisespezialist für Afrika, Arabien und Indischer Ozean.

Sie besuchten die Seychellen kürzlich: Wie fühlte es sich an, wieder in die Ferne zu reisen?

Es tat dem Gemüt richtig gut. Wir, die im Tourismus tätig sind, durchleben eine anstrengende Zeit.

Überzeugten Sie die Schutzkonzepte vor Ort?

Ja, ich hatte einen durchaus positiven Eindruck. Die Seychellen führten von Beginn weg solide Schutzkonzepte ein und kommunizierten diese klar. Die Handhabung vor Ort empfand ich als professionell und doch auch unkompliziert.

Ist es Ihrer Meinung nach überhaupt angebracht, während einer Pandemie in die Ferne zu reisen?

Ich finde ja. Denn indem wir die Länder besuchen, unterstützen wir die Menschen vor Ort. Sollte der Tourismus noch länger am Boden liegen, kommen bei vielen Ländern nebst Covid-19 noch weitere Probleme dazu. Leute verlieren ihre Jobs und je nach Ort, fehlen Sozialsysteme, die eine solche Situation auffangen. Wichtig ist, dass die Destinationen Schutzkonzepte einführen und die nötigen Vorkehrungen treffen.

Was raten Sie Lesern, die es in die Ferne zieht - wohin zu verreisen macht Sinn, wo ist es zur Zeit vertretbar und möglich?

Ich beziehe mich da auf die Länder, die wir von Let’s Go Tours anbieten. Empfehlen kann ich die Seychellen, die Malediven, aber auch Tansania mit einer Safari und einer Verlängerung auf Sansibar oder eine Reise nach Dubai. Alle diese Länder sind von den Einreisebestimmungen bestens zu bereisen, gleichzeitig finden Reisende vor Ort trotz Corona ein stimmiges Angebot vor.

Wer haftet, wenn man eine Reise wegen eines positiven PCR-Tests nicht antreten kann?

Wichtig ist, dass man eine Reiseversicherung abschliesst, damit haftet diese bei Nichtantritt der Reise aufgrund eines positiven Corona-Testresultats. Man kann sie direkt bei einer Reisebuchung abschliessen.

Lassen die Seychellen alle einreisen?

Die Gesundheitsbehörde der Seychellen lässt nur Touristen aus ausgewählten Ländern einreisen und teilt diese in zwei Kategorien. Obwohl sich die Fallzahlen in der Schweiz bei unserer Abreise auf einem Höhepunkt befinden, dürfen wir als Kategorie-1-Land ohne Quarantäne einreisen. Einwohner der Kategorie-2-Länder müssen erst für sechs Tage in Quarantäne. Dies jedoch in einem ausgewählten Hotel, wo man sich auf dem Gelände frei bewegen darf. Am sechsten Tag wird ein weiterer PCR-Test vor Ort durchgeführt, danach ist man frei, die Inseln zu bereisen.

Die Seychellen halten, was sie versprechen: Wer Meer, Strand und Sonne sucht, wird die Inselgruppe lieben.
Ankommen und runterfahren

Die Seychellen halten, was sie versprechen: Wer Meer, Strand und Sonne sucht, wird die Inselgruppe lieben.

Nico Schaerer

Fiebermessen vor dem Besuch im Restaurant

Wir fliegen mit Edelweiss Air, was angenehm ist, da es sich um einen Direktflug handelt. Da man während des Flugs und auf den Flughäfen Maske tragen muss, wäre ein Flug via einer weiteren Destination eher mühsam. Wir stellen fest: Herr und Frau Schweizer sind reisefreudig, der Flug ist bestens gebucht. So erreichen wir in knapp zehn Stunden Mahé, die Hauptinsel der Seychellen. Auch vor Ort herrscht in Shops, auf den Fährschiffen oder beim Betreten von Restaurants Maskenpflicht. Dazu führte die Gesundheitsbehörde auf den Ferieninseln ein striktes Schutzkonzept ein. Bei jedem Besuch eines Restaurants, einer Bar oder einer anderweitigen Lokalität, wird beim Betreten die Körpertemperatur gemessen, genauso wird man aufgefordert, die Hände zu desinfizieren und sich zu registrieren. Nun könnte man meinen, da vergehe einem doch die Lust auf Ferien. Das Gegenteil ist der Fall.

Beim Frühstück im Hotel Carana Beach vergisst man schnell, wie mühsam es war, mit Maske hierher zu fliegen.
Es hat sich gelohnt, das Prozedere auf sich zu nehmen.

Beim Frühstück im Hotel Carana Beach vergisst man schnell, wie mühsam es war, mit Maske hierher zu fliegen.

Nico Schaerer

Ferien von Corona machen

Die Inselgruppe hat die Corona-Pandemie bis jetzt hervorragend gemeistert. Bei unserer Ankunft zählt das Land seit Ausbruch der Pandemie gerademal 155 Coronafälle, von denen 152 genesen sind. Und wir fühlen wir uns beinahe so, als würden wir uns in einer coronafreien Zone befinden. Tut das gut: Abends wieder einmal eine Bar besuchen, mit anderen Touristen quatschen und eine unbeschwerte Zeit geniessen. Es fühlt sich an, als hätte man Ferien von Corona. Eine Erfahrung, die nicht nur wir machen. Andere Schweizer Touristen und Touristinnen erzählen Ähnliches, gewisse verlängern vor Ort gar ihre Ferien. Die Massnahmen des Schutzkonzeptes befolgen wir, aber sie sind nur ein Nebenschauplatz, den man kaum noch wahrnimmt.

Dazu kommt, dass all die Traumstrände beinahe menschenleer sind. Ein Tourist aus München erzählt: «2020 war mein bestes Reisejahr überhaupt.» Er habe verschiedenste Länder bereist und war jeweils beinahe alleine an den unglaublichsten Orten unterwegs. Klingt nun alles etwas euphorisch – da stellt sich doch die Frage: Soll man während der aktuellen Zeit verreisen?

Wir treffen jeweils nur auf wenige Touristen, oft sind die Strände gar menschenleer.
Einsame Strände

Wir treffen jeweils nur auf wenige Touristen, oft sind die Strände gar menschenleer.

Nico Schaerer
Reiseredaktor Martin Hoch lässt sich im Hotel Carana Beach zeigen, wie man einen perfekten Mojito mixt – ist es zur Zeit angebracht, in die Ferne zu reisen und das süsse Leben zu geniessen?
Cocktail mixen am Strand

Reiseredaktor Martin Hoch lässt sich im Hotel Carana Beach zeigen, wie man einen perfekten Mojito mixt – ist es zur Zeit angebracht, in die Ferne zu reisen und das süsse Leben zu geniessen?

Nico Schaerer
Alleine diese wahnsinns Strände und das türkisfarbene Meer geniessen, hat schon was.
Erholung pur

Alleine diese wahnsinns Strände und das türkisfarbene Meer geniessen, hat schon was.

Nico Schaerer

Reisen, während die Welt eine Pandemie durchlebt

Die Frage, ob es denn vertretbar sei, in der aktuellen Zeit in die Ferne zu reisen, stellen wir direkt den Einheimischen. Auf einem Bootsausflug sind wir mit Julius und Warren unterwegs. Die beiden sind anfang Zwanzig und während des ganzen Ausflugs gut gelaunt. Als wir sie fragen, was sie davon halten, dass aktuell Touristen und Touristinnen ihre Ferien auf den Seychellen verbringen, werden sie nachdenklich.

Julius sagt: «Wir sind schon nervös und aus gesundheitlicher Sicht wäre es uns eigentlich lieber, wenn aktuell niemand hierherkommen würde.» Doch dann fügt er an: «Gleichzeitig freuen wir uns über jeden Touristen und jede Touristin, da wir ohne sie keinen Job hätten.» Die Situation ist eine klassische Zwickmühle. In unserer Unterkunft, der La Digue Island Lodge, fragen wir Roland Georges, den General Manager des Hotels, was denn seine Sicht sei. Er spricht sich klar für den Tourismus aus, sagt, sie hätten gut funktionierende Schutzkonzepte und die lokale Bevölkerung sei auf die Reisenden angewiesen. Weiter sagt er: «Geht zurück in die Schweiz und erzählt, dass wir bereit sind und die Schweizer und Schweizerinnen herzlich willkommen heissen werden.»

Roland Georges mahnte aber auch, es sei die Verantwortung jedes Reisenden, dass man die Tage vor der Abreise die Kontakte auf einem Minimum halte. So helfe jeder und jede mit, dass sich die Situation auf den Seychellen nicht verschlechtere.

Damit spricht Roland Georges ein wichtiges Thema an. Ein negativer PCR-Test vor Abreise ist kein Garant dafür, dass man sich nicht bereits im Heimatland oder auch später auf dem Flug angesteckt hat. Was wäre denn nun, wenn ich hier in den Ferien Symptome einer Covid-19-Erkrankung hätte?

Der junge Seychellois Warren zeigt uns die unbewohnten Inseln.
Bootsausflug

Der junge Seychellois Warren zeigt uns die unbewohnten Inseln.

Nico Schaerer
Auf der Bootstour entdecken wir mit Tauchmaske und Schnorchel die Unterwasserwelt.
Schnorcheln

Auf der Bootstour entdecken wir mit Tauchmaske und Schnorchel die Unterwasserwelt.

Nico Schaerer
Zusammen mit Warren bietet Julius die Bootsausflüge an.
Julius

Zusammen mit Warren bietet Julius die Bootsausflüge an.

Nico Schaerer

Wer Fieber hat, wird isoliert

Im Hotel wird regelmässig unsere Körpertemperatur gemessen. Was wäre denn, wenn das Messgerät Fieber anzeigen oder wir sonstige Symptome einer Covid-19-Erkrankung an uns feststellen würden? Roland Georges erklärt, dass jedes Hotel, das Gäste empfangen möchte, von der Gesundheitsbehörde geprüft werde. Zum Schutzkonzept gehöre, dass jedes Hotel eine Isolierstation habe. In der La Digue Island Lodge beispielsweise handelt es sich dabei um mehrere Bungalows, die vom Rest der Anlage nicht zugänglich sind.

Hätten wir nun Fieber, müssten wir uns da einquartieren und würden von einer dafür geschulten Person verpflegt. Zusätzlich würde uns ein Arzt oder eine Ärztin besuchen und über das weitere Vorgehen entscheiden. Wie sich das anfühlt? Zum einen fühlt man sich als Tourist gut aufgehoben und doch hofft man inständig, dass man hier nicht krank wird. Schliesslich möchte man, so schön es hier ist, nicht den Heimflug verpassen.

Hier vergessen wir Corona beinahe – auch mal wieder ein gutes Gefühl.
Strände so weit das Auge reicht

Hier vergessen wir Corona beinahe – auch mal wieder ein gutes Gefühl.

Nico Schaerer

Unser Fazit – Reisen ist möglich …

… und es hilft der lokalen Bevölkerung in den Tourismusdestinationen dahingehend, dass ihre Jobs gesichert sind. Mit einer Reise nimmt man allerdings ein gewisses Risiko auf sich. Wie es sich anfühlt, wenn man vor Ort an Covid-19 erkrankt, wissen wir glücklicherweise nicht. Wichtig ist, dass man sich zum Schutz der Zieldestination vor Abreise nicht mit anderen Menschen trifft beziehungsweise die Kontakte minimiert und damit das Vertrauen, dass die Länder in die Reisenden setzen, honoriert. Denn auch mit den besten Schutzkonzepten kann sich eine Situation schnell verändern.

Noch während wir auf den Seychellen sind, verändert sich die Lage: die Schweiz, wie auch andere europäische Länder, werden von der Kategorie 1 in die Kategorie 2 umgestuft. Heisst: Als Schweizer oder Schweizerin muss man nun erstmal für sechs Tage in Quarantäne. Wenn das jedoch bedeutet, dass man sich auf einer Insel innerhalb dem Gelände eines schicken Hotels frei bewegen kann, klingt das eher nach Ferien als nach Quarantäne. Und nach den sechs Tagen und einem weiteren PCR-Test steht es einem frei, die weiteren Inseln zu entdecken.

Die aktuellen Einreiseregeln für die Seychellen: Gesundheitsbehörde Seychellen

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14 Kommentare
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naturschutz

03.12.2020, 12:30

Er soll nicht die unbewohnten Inseln zeigen. Sonst sind sie bald bewohnt

Timeout

03.12.2020, 07:31

Wir befinden uns zur Zeit mit unseren Kindern in UAE und ich kann nur bestätigen, dass dies das beste Jahr für Ferien ist, sehr wenig Touristen, daher auch super Angebote in den Hotels. Die Einreise ist easy , man benötigt einen negativen covid Test max 96 std. alt in Dubai wird nochmals für reisende aus der Schweiz ein gratis Test gemacht, welcher weniger unangenehm ist als der in der Schweiz. Kinder bis 12 müssen keinen Test vorlegen. Es wird überall Fieber gemessen. Es ist einfach herrlich mal ferien an leere Strände zu machen . Und keine Diskussionen wer, wie, wann und wo man eine Maske trägt. Es gibt Maßnahmen und man hält sich daran. Ich kann es nur empfehlen.

nordstern3

03.12.2020, 07:11

wie egoistisch und risikofreudig jemand sein möchte, kann jeder selber entscheiden. Wenn man dann aber im Ausland wegen Coronarestriktionen oder sogar krank feststeckt, darf man nicht erwarten, dass einen das Heimatland zurückholt und die Allgemeinheit dafür die Kosten trägt. Sich das Reisen dann auch noch als wohltätige Geste zur Unterstützung für die Menschen am Reiseziel schönzureden ist schon fast zynisch. Schliesslich gefährdet man sie auch.