UBS-Rettung: «Wir haben die UBS nicht geschont»
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UBS-Rettung«Wir haben die UBS nicht geschont»

Nationalbank-Präsident Thomas Jordan sieht hinter dem Erfolg des Stabilitätsfonds und der Rettung der Grossbank Glück und Tüchtigkeit. Die SNB hat allerdings die historische Chance verpasst, die UBS zu zügeln.

von
Lukas Hässig
Wenn Jordan heute ein durchs Band positives Fazit zieht, blendet er aus, dass er und seine Kollegen eine historische Chance verpassten.

Wenn Jordan heute ein durchs Band positives Fazit zieht, blendet er aus, dass er und seine Kollegen eine historische Chance verpassten.

Vor fünf Jahren rettete die Nationalbank (SNB) die Grossbank UBS vor dem Untergang. Der maximale Einsatz für die SNB und damit die Bevölkerung betrug 68 Milliarden Franken oder rund 10'000 Franken pro Einwohner. Es handelte sich um die gewagteste Aktion der Schweiz seit Jahrzehnten.

Der Mut zahlte sich aus, vordergründig gibt es nur Sieger. Der für die UBS-Rettung errichtete Stabilitätsfonds (Stabfund) hat seinen Dienst verrichtet, er bringt der SNB zum Abschluss 3,8 Milliarden Dollar, bereits zuvor gabs 1,6 Milliarden Zinsen. Auch die UBS kann sich freuen. Weil ihre US-Schuldpapiere, die im Herbst 2008 nach dem Konkurs von Lehman Brothers illiquide geworden waren, gut verkauft werden konnten, erhält sie heute 2,8 Milliarden.

Sogar die Eidgenossenschaft kam fein raus. Bern hatte sich damals mit 6 Milliarden am Kapital der maroden UBS beteiligen müssen, um die Voraussetzungen für die Rettung durch die SNB zu schaffen. Nur so konnten die Behörden die Grossbank als solvent bezeichnen, was zwingend war.

Make Love, Not War

Ob all den Gewinnern war die Freude, die SNB-Präsident Thomas Jordan am Freitag an einer Informationsveranstaltung in Zürich an den Tag legte, nicht erstaunlich. Auf die Frage eines Journalisten, was die Notenbank im Rückblick hätte besser machen könnten, fiel Jordan nichts ein.

Die Antwort des Notenbankers kommt nicht überraschend. Sie überzeugt trotzdem nicht. Die SNB hat nämlich die einmalige Chance verpasst, ihre grosszügige Hilfeleistung mit harten Auflagen gegen die UBS zu verknüpfen. Statt für die faulen Papiere, welche sie der UBS freiwillig abgenommen hatte, im Gegenzug viel Zins und ein dickes Kapitalpolster für die Zukunft einzufordern, wurde der Grossbank gar noch eine Gewinnbeteiligung zugestanden.

Buchhalter-Jordan

Da hilft die SNB – und damit faktisch die Schweiz – der schief stehenden Bank auf die Beine, doch die Bedingungen dafür scheinen nicht von Jordan & Co. diktiert zu werden, sondern von ein paar cleveren UBS-Investmentbankern. Das wollte Jordan heute nicht gelten lassen. «Die UBS wurde nicht geschont», meinte er. Weil die Grossbank selber rund 4 Milliarden zur Rettung beizusteuern hatte, stehe unter dem Strich trotz dem jetzigen Milliarden-Gewinn ein Minus.

Diese rein buchhalterische Betrachtung steht quer zur Realität in Notlagen. Der Bittsteller – hier die UBS – muss die Bedingungen des Retters – der SNB – akzeptieren. Diese Regel ist der UBS und ihren Managern nur zu gut vertraut. Als die Swissair 2001 kein Geld mehr hatte, diktierten die UBS-Chefs den Airline-Verantwortlichen die Bedingungen. Auch beim Zusammenbruch von Stahl- und anderen Industrien im Inland in früheren Jahrzehnten gaben die Grossbanker den Tarif durch.

Nach der Schonung auf zur nächsten Wette

Hier war alles anders. Top-Investmentbanker der UBS sassen von Anfang an mit am Tisch, als es darum ging, den Stabfund aufzugleisen und die Konditionen festzulegen. Sie holten nicht nur einen im Vergleich zu anderen Rettungsaktionen äusserst tiefen Zins heraus, sondern sie erhielten darüber hinaus die erwähnte Gewinnoption zugestanden, die der Bank jetzt fast 3 Milliarden einbringt.

Es kommt aber noch besser. Die UBS wurde vollständig vor einschneidenden Auflagen für ihr Geschäftsmodell verschont. Es gab keinerlei Zwang seitens der SNB, dass die Chefs der grössten Schweizer Bank ihr riskantes Geschäftsmodell durch ein weniger gefährliches ablösen müssten.

UBS bleibt ein Risiko für die Schweiz

So konnte die UBS weiter im Investment Banking Eigenschäfte betreiben, als ob nicht klar geworden wäre, dass es sich dabei um eine Hochrisikosparte handelt, die das ganze Land in den Abgrund reissen könnte. Dass die UBS keine Absichten hatte, eine vorsichtigere Bank zu werden, zeigte die Berufung von Oswald Grübel nur vier Monate nach der Rettungsaktion. Grübel war sein Leben lang ein Trader, der, kaum hatte er sich in der UBS etabliert, das Gewinnziel auf frühere Dimensionen hochschraubte – mit einem grossen Anteil des Investment Bankings.

Wenn Jordan heute ein durchs Band positives Fazit zieht, blendet er aus, dass er und seine Kollegen eine historische Chance verpassten. Sie hätten die UBS - und in ihrem Schlepptau die Credit Suisse - am 15. Oktober 2008 zu einem Modell zwingen können, das die Gefahr, dass die Schweiz je ein zweites Island würde, stark minimiert. Weil die hochgelobten SNB-Chefs dies nicht taten, bleiben die beiden Grossbanken bis auf weiteres ein Grossrisiko für das kleine Alpenland.

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