Aktualisiert 06.11.2015 14:29

Diplomat rastet in Moskau aus

«Wir haben diese aggressive Reaktion nicht erwartet»

Die Bewegung «Stop a Douchebag» aus Russland geriet mit einem Schweizer Diplomaten aneinander. Nun äussert sich Gründer Dmitri Alexandrowitsch Tschugunow zu dem Zwischenfall.

von
Qendresa Llugiqi

Herr Chugunov, wie würden Sie als Gründer die Bewegung «Stop a Douchebag» beschreiben?

Dmitri Alexandrowitsch Tschugunow: Wir sind nicht einfach nur eine Non-Profit-Organisation, sondern verkörpern vor allem eine Ideologie. Die Polizei kann oder will einem nicht immer helfen. Bei unserer Gründung 2010 waren wir nur eine Handvoll Leute, die von dem unverschämten Benehmen auf den Strassen genervt waren und etwas dagegen unternehmen wollten. Deshalb griffen wir nach unseren Kameras und haben unsere ersten Einsätze ausgeführt und diese online gestellt. Durch die Aufnahmen haben wir grosse öffentliche Aufmerksamkeit erhalten. Vielen waren all diese Probleme auf der Strasse bekannt und sie teilten unsere Meinung. Es zeigte sich, dass eine gewöhnliche Person mit einer Kamera viel erreichen kann. So wurde unsere Bewegung mehr und mehr geformt.

Während eines Einsatzes in Moskau Mitte Oktober ist es zu einer Auseinandersetzung mit einem Schweizer Diplomaten gekommen. Haben Sie und Ihre Mitglieder diese Reaktion seinerseits erwartet?

Natürlich haben wir ein solch aggressives Verhalten nicht erwartet. Vor allem nicht, wenn man eine Person in einem Auto mit Diplomaten-Kennzeichen anspricht und sich diese ebenfalls während des Gesprächs als Diplomat zu erkennen gibt.

Wie erklären Sie sich seinen Ausraster?

Meiner Meinung nach war er empört, weil wir es abgelehnt haben, mit dem Filmen aufzuhören. Offensichtlich war er nicht daran gewöhnt. Trotzdem sollte man verstehen, dass wir in einer solchen Situation nicht aufhören können. Die Video-Aufnahmen eines Zwischenfalls sind unser wichtigster Schutz vor Gericht. Sie entstehen nicht aus einer Laune heraus, sondern wir haben diese Erfahrung während unser fünfjährigen Arbeit gemacht.

Seit Eurer Gründung habt Ihr bereits einige Leute auf ihr Fehlverhalten im Strassenverkehr hingewiesen. Benehmen sich alle so wie der Schweizer Diplomat?

Menschen reagieren verschieden. Glücklicherweise bleiben viele ruhig und zeigen sich einsichtig. Nach einer höflichen Bitte verbessern sie ihr Fehlverhalten auch gleich. Anderseits gibt es Menschen, die gleich aggressiv werden und auf einen losgehen. Oder sie besitzen Macht und – aus mir unerklärlichen Gründen – denken sie, sie seien unantastbar. Dadurch können dann Konflikte entstehen.

Ein Beispiel?

Nehmen wir das Video mit dem Diplomaten als Ausgangslage: Wie die Aufnahmen auf unserem Youtube-Kanal zeigen, hat die Mehrheit auf die Bitte unserer Mitarbeiter verständnisvoll reagiert. Alles lief gut an diesem Tag, bis wir auf den Schweizer Diplomaten trafen.

Wurdet Ihr schon einmal wegen Eurer Einsätze angezeigt oder musstet vor Gericht?

Es kam schon zu Prozessen, aber nur weil wir geklagt haben. Unsere Aktivisten wurden von Autos getroffen. Natürlich gab es auch Leute, die uns anzeigen wollten. Da wir uns aber immer im Rahmen des Gesetzes bewegen, ist nichts weiter passiert.

Ihr habt das Video auf verschiedenen sozialen Medien wie Youtube und Facebook online gestellt. Wie ist es angekommen?

Viele sind überrascht von einer solch groben Reaktion eines Diplomaten. Einige unserer Zuschauer haben Briefe an die Schweizer Botschaft geschrieben. Darin bitten sie um eine Stellungnahme.

Haben die Zuschauer eine Antwort von der Botschaft bekommen?

Ja, sie lautet: Die Schweiz erwarte, dass Mitarbeiter im Aussendienst die Regeln des Gastlandes befolgen und respektieren. Die Schweizer Botschaft in Moskau empfehle den Mitarbeitern die Parkingregeln strikt zu befolgen. Es bleibe in der Zuständigkeit der lokalen Strafverfolgungsbehörden, angebliche Verstösse zu verfolgen und entsprechend zu sanktionieren.

Diese Antwort erklärt und entschuldigt aber auf keinen Fall das Benehmen des Diplomaten.

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