Joel Basman: «Wir haben ein paar echt heavy Sachen gemacht»
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Joel Basman«Wir haben ein paar echt heavy Sachen gemacht»

In seinem neuen Film spielt Joel Basman (24) einen Rollstuhlfahrer. Welche Behinderung ihn im echten Leben zur Verweiflung treiben würde, verrät er im Interview.

von
Catharina Steiner

Joel, du humpelst ja.

Ich hatte gestern einen Velounfall. Aber es ist nicht so schlimm. Ich hatte megaviel Glück.

Das hatte deine Filmfigur in «Vielen Dank für nichts» nicht, sie sitzt im Rollstuhl. Wie hast du den Dreh erlebt?

Es war sehr intensiv, ich war 30 Tage in einem Heim unterwegs. Abends nach dem Dreh hatte ich extrem Mühe, als ich plötzlich auf den Beinen stand und meine Co-Schauspieler, die wirklich behindert sind, immer noch im Rollstuhl sassen.

Warst du körperlich schon einmal richtig in Gefahr?

Ich hatte mal einen Unfall beim Snowboarden und bin auf den Rücken gefallen. Aber so richtig nicht.

Was wäre die schlimmste Behinderung, die du dir vorstellen kannst?

Nicht mehr die Möglichkeit zu haben, hundertprozentig kommunizieren zu können. Oder Alzheimer zu haben. Zu vergessen, wer mir wichtig ist, das wäre das Schlimmste.

Schlimmer als körperlich eingeschränkt zu sein?

Absolut. Ich weiss, ich hätte Menschen, die sich um mich kümmern würden. Ganz egal, was los ist. Aber wenn ich nicht die Chance hätte zu kommunizieren, wäre das mein Ende.

Dein nächstes Filmprojekt führt dich nach Dänemark. Wie kams dazu?

Ganz normal über ein Casting. Der Film heisst «Land of Mines», es geht um deutsche Kriegsgefangene, die in Dänemark nach dem Zweiten Weltkrieg Minen entschärfen müssen. Ich spiele eine der Hauptrollen.

Dänemark ist auch ein wichtiges Filmland.

Ja genau, auch deshalb freue ich mich sehr darauf. Vielleicht kann ich auch dort Fuss fassen.

Du warst zuletzt in Clooneys «Monuments Men» zu sehen. Hat Hollywood seitdem angeklopft?

Direkt nicht. Aber es sind immer wieder Castings, die einen sind sehr gross, die anderen kleiner. Aber ich rede erst darüber, wenn es fix ist. Ich mach mir da auch keinen Stress.

Auswandern ist kein Thema?

Vorerst nicht. Mal schauen, was dieses Jahr noch passiert.

Im Herbst bist du wieder im deutschen «Tatort», du spielst einen Junkie. Wieder so ein kaputter Typ.

Wir haben ein paar echt heavy Sachen gemacht für «Tatort»-Verhältnisse. Ich bin gespannt, was in der Endfassung drinbleibt.

Heavy inwiefern?

Ich bin ein Chrystal-Meth-Junkie und treibe eine Person ins Verderben. Es ist alles recht abgefuckt. Das Einzige, was ich mache, ist Drogen nehmen, Sex, Musik und rumlügen.

Du hast auch Ambitionen, selber einen Film auf die Beine zu stellen. Was ist dein Traumprojekt?

Ich will unbedingt einen Film über Zürich machen. Vielleicht allgemein über die Schweiz. Aber aus meiner Sicht, durch meine Augen. Mit den Menschen, die ich kenne, will ich versuchen eine relativ wahre Geschichte zu erzählen.

Wieso die Schweiz?

Ich finde, es gibt immer noch zu wenig Motivation, Sachen von hier so zu erzählen, dass es spannend ist.

Wem fehlt die Motivation? Den Filmschaffenden?

Nicht unbedingt, ich würde sagen, es scheitert eher an der Geldvergabe. Viele bekommen keine Förderung, die es verdient hätten.

Wie gefällt dir der Schweizer «Tatort»?

Ich will hier niemanden dumm anmachen, aber ich finde ihn nicht spannend. Und das, obwohl es hier genügend gute Geschichten gäbe. In unserem goldigen Schoggiland ist schon viel Krasses passiert.

Ganz anderes Thema: Was macht die Liebe?

Sie macht sehr viel! Es sieht gut aus.

Du bist also vergeben?

Ja. Mehr wirst du von mir aber nicht erfahren.

«Vielen Dank für nichts» startet am 26. Juni in den Deutschschweizer Kinos.

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