Aktualisiert 10.04.2019 13:46

Bub ertrinkt fast im Zürichsee

«Wir haben ihn an den Händen herausgezogen»

Zwei Männer haben am Dienstag in Lachen SZ einen Bub vor dem Ertrinken gerettet. Sie haben ihn aus dem Wasser gezogen und aufgewärmt.

von
tam/mon

Ein vierjähriger Bub hatte am Dienstagabend in Lachen SZ grosses Glück. Er fiel aus bisher unbekannten Gründen ins ungefähr acht Grad kalte Wasser des Obersees und kämpfte um sein Leben. Nur dank der raschen Hilfe von zwei Männern und einer Frau konnte er gerettet werden.

Arben Bytyqi (35) wollte mit seinem Arbeitskollegen Simon Liechti (23) ein Feierabendbier trinken und dachte zuerst, dass es sich um eine Ente handeln würde. «Als wir sahen, wie das Kind mit Pulli und weissen Schuhen versuchte, sich über Wasser zu halten, haben wir sofort gehandelt und sind dorthin gerannt», so Bytyqi. Er sei selbst Vater. Ihn habe der Vorfall deshalb besonders mitgenommen.

Mutter hat sich herzlich bedankt

Da der Bub nur etwa einen halben Meter vom Ufer entfernt war, konnten ihn die beiden Helden herausfischen, ohne selbst ins Wasser zu springen. «Wir haben ihn an den Händen herausgezogen», sagt Simon Liechti. Dann habe der Bub etwa einen halben Liter Wasser gespuckt.

«Wir waren erleichtert, dass er noch lebte.» Darauf hätten sie ihm die nassen Kleider ausgezogen, ihn abgetrocknet und dann dem Rettungsdienst übergeben. Die beiden Retter hatten bereits Kontakt mit der Mutter: «Sie hat sich herzlich bei uns bedankt.»

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In dieses Hafenbecken ist der Vierjährige gestürzt.

In dieses Hafenbecken ist der Vierjährige gestürzt.

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Er hatte sich zuvor unbemerkt von seiner Mutter entfernt und war zum Hafen gegangen.

Er hatte sich zuvor unbemerkt von seiner Mutter entfernt und war zum Hafen gegangen.

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Zwei Passanten konnten den Jungen aus dem Wasser retten.

Zwei Passanten konnten den Jungen aus dem Wasser retten.

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Die 34-jährige Katja Bläsi hatte von ihrem Balkon aus beobachtet, wie das Kind zum Hafenbecken gegangen war. «Es war ganz allein unterwegs und näherte sich dem Wasser. Dann verschwand der Bub plötzlich über eine kleine Treppe hinter der Hafenmauer.»

In diesem Moment seien dann die beiden Retter gekommen und sie sei mit mehreren Wolldecken von ihrem Hotelzimmer hinuntergeeilt, um den Buben darin einzuwickeln. «Der Bub hatte Glück, dass im richtigen Moment genügend Personen zugeschaut hatten.»

Bub war im Spital

Laut Mitteilung der Kantonspolizei Schwyz wurde der Bub zur Kontrolle ins Spital gebracht. Dieses konnte er inzwischen wieder verlassen. «Der Vierjährige hatte sich zuvor unbemerkt von seiner Mutter entfernt und war zum Hafen gegangen», sagt Sprecher David Mynall.

Die Mutter habe sich während des Einsatzes bei der Polizei gemeldet, dass sie ihr Kind vermisse. Warum der Bub ins Wasser fiel, ist noch unklar. Mynall sagt aber: «Ohne das Eingreifen der beiden Männer wäre das nicht gut herausgekommen.»

So handelt man richtig

Die beiden Helden haben richtig reagiert, wie Philipp Binaghi von der Schweizerischen Lebensrettungsgesellschaft aufgrund der Schilderung sagt: «Am besten ist es, wenn man selbst nicht ins Wasser geht – damit aus einem Opfer nicht plötzlich zwei werden.» Binaghi rät, dass man nach dem Grundsatz «retten mit geringstem Risiko» zuerst vom Ufer aus handelt: Man sollte versuchen, Anweisungen zuzurufen, etwas wie ein Seil zuzuwerfen oder die Hand zu reichen.

«Erst als letzte Möglichkeit kann man versuchen, mit einem Gegenstand, der Auftrieb gibt, ins Wasser zu gehen.» Gefährlich seien solch tiefe Temperaturen alleweil: «In so kaltem Wasser besteht die Gefahr einer Unterkühlung oder eines Kälteschocks – bis hin zu Krämpfen oder Ohnmacht.» Kinder sollten in Wassernähe stets in Griffnähe sein.

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