Brand in Bern-Bethlehem: «Wir haben in den Flammen alles verloren»
Aktualisiert

Brand in Bern-Bethlehem«Wir haben in den Flammen alles verloren»

Fast 50 Jahre lebte Familie Rapicavoli in Bern-Bethlehem. Beim Brand vom Samstagabend hat sie ihr gesamtes Hab und Gut verloren. «Auch die meisten Kinderfotos», erzählt Tochter Carmela.

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ct
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Carmela Rapicavoli (36) mit Vater Rosario Rapicavoli (70) vor ihrer zerstörten Dach-Wohnung. «Meine Eltern sind seit 1971 hier. Ihre ganzen Sachen und Erinnerungen vom Leben ist der Schweiz sind in der Wohnung verbrannt.»

Carmela Rapicavoli (36) mit Vater Rosario Rapicavoli (70) vor ihrer zerstörten Dach-Wohnung. «Meine Eltern sind seit 1971 hier. Ihre ganzen Sachen und Erinnerungen vom Leben ist der Schweiz sind in der Wohnung verbrannt.»

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Die Dachstöcke der drei Mehrfamilienhäuser an der Looslistrasse sind verbrannt. Alle Wohnungen sind unbewohnbar – manche wegen des Feuers, andere wegen des Wasserschadens.

Die Dachstöcke der drei Mehrfamilienhäuser an der Looslistrasse sind verbrannt. Alle Wohnungen sind unbewohnbar – manche wegen des Feuers, andere wegen des Wasserschadens.

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Familie Santoro verliess in der Eile so, wie sie dastehen, die Wohnung. Sie übernachteten im Hotel und konnten tags darauf ihre Dokumente und wichtigsten Sachen holen. In ihrer Wohnung gabs einen Wasserschaden.

Familie Santoro verliess in der Eile so, wie sie dastehen, die Wohnung. Sie übernachteten im Hotel und konnten tags darauf ihre Dokumente und wichtigsten Sachen holen. In ihrer Wohnung gabs einen Wasserschaden.

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Am Samstagabend wüteten an der Looslistrasse 31, 33 und 35 die Flammen so stark, dass 30 Wohnungen zerstört wurden.

Am schlimmsten traf es die italienische Familie Rapicavoli. Vater Rosario flüchtete am Samstagabend im Bademantel auf die Strasse, seine Frau, die gerade das Abendessen kochte, trug Shirt, Rock und Finken. «Ich war am Duschen», erzählt Rosario Rapicavoli. «Wir konnten nichts mitnehmen – kein Portemonnaie, keine Pässe, keine Gegenstände oder Kleider, nichts.»

Heftiger Brand in Bern

Die meisten Kinderfotos sind verkohlt

Tochter Carmela (36), die längst nicht mehr zuhause wohnt, hilft dem Papa am Sonntagmorgen, zu retten, was noch übrig ist. «Aber eigentlich ist fast alles verbrannt, wir haben alles verloren. Das ganze Leben hier in der Schweiz, die Möbelstücke mit den vielen Erinnerungen, die Kinderfotos – alles verkohlt.» Carmela Rapicavoli erinnert sich an eine Wand, an der ihr Vater jeweils die aktuelle Grösse ihrer Schwester, ihres Bruders und ihr als Kind markierte. Ihr kommen fast die Tränen: «Auch die Wand ist weg.»

Die Eltern würden nun bei der Schwester wohnen. «Meine Mutter konnte sich heute die zerstörte Wohnung nicht ansehen – es nahm sie zu sehr mit.» Immerhin: Ein paar wenige Kinderfotos konnte Carmela noch aus dem Schutt bergen. Zudem ist sie froh, dass ihre Eltern noch leben: «Hätten sie sich zum Zeitpunkt des Brandes im Schlafzimmer aufgehalten, wäre das eine Todesfalle gewesen. Es ist alles zerstört und eingestürzt.» Um Sachen zu holen liessen sie die Feuerwehrleute am Sonntagmorgen wegen Einsturzgefahr nur kurz ins Zimmer. «Aus einer Schublade konnten wir noch ein paar unversehrte Kleider herausnehmen, das wars.»

Bewohnerin sucht noch ihre Katze

Auch andere Familien erlebten den Schock ihres Lebens. Vater Telemaco Santoro (40) hörte es am Samstagabend knallen und ging auf den Balkon. «Dann sah ich den Rauch und wusste, wir müssen sofort raus», sagt er. Er flüchtete mit seiner Frau Tatjana (33) und der 5-jährigen Tochter Viola aus dem Haus, mitnehmen konnte er nur seine Umhängetasche mit Portemonnaie und Handy. «Ich war nur im T-Shirt», sagt Tatjana Santoro. «Aber zum Glück kamen wir alle heil raus.» Ihre Wohnung hat vor allem einen Wasserschaden erlitten.

Immer noch in Sorge um ihre Liebste ist Sazita Uspanova (43). Sie sucht verzweifelt nach ihrer Katze Stella. «Sie war zum Zeitpunkt des Brandes draussen und versteckte sich in einem Busch. Ich habe sie noch gesehen, aber sie liess sich nicht hochheben und hat das Weite gesucht. Jetzt kann ich sie nicht mehr finden.» Die Katze habe immer auf ein bestimmtes Glöcklein gehört und die Umgebung des Wohnblocks nie verlassen. «Sie hört auf mich wie ein Hund. Ich bin in grosser Sorge um Stella.»

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Der Dachstock eines Hauses im Berner Quartier Bethlehem stand in Flammen.

Der Dachstock eines Hauses im Berner Quartier Bethlehem stand in Flammen.

Leser-Reporter
Die Bewohner rund um die Looslistrasse melden dichten Rauch und Flammen.

Die Bewohner rund um die Looslistrasse melden dichten Rauch und Flammen.

Der Rauch war bis in andere Quartiere gut zu sehen.

Der Rauch war bis in andere Quartiere gut zu sehen.

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