Leser über Viagra: «Wir haben in einer Nacht 3 bis 4 Stunden Sex»
Aktualisiert

Leser über Viagra«Wir haben in einer Nacht 3 bis 4 Stunden Sex»

Auch wenn sie keine Erektionsprobleme haben, nehmen junge Männer Viagra. Hier erklären sie, warum.

von
V. Fehlmann
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Junge Männer nehmen vermehrt Potenzmittel wie Viagra.

Junge Männer nehmen vermehrt Potenzmittel wie Viagra.

epa/Stephanie Pilick
Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Pornosucht, Unsicherheit oder auch lediglich prophylaktisch.

Die Gründe dafür sind unterschiedlich: Pornosucht, Unsicherheit oder auch lediglich prophylaktisch.

uli Deck
In der Schweiz ist das Mittel rezeptpflichtig. Doch im Internet kann Viagra ohne Rezept bestellt werden.

In der Schweiz ist das Mittel rezeptpflichtig. Doch im Internet kann Viagra ohne Rezept bestellt werden.

Keystone/Walter Bieri

Der Ruf von Viagra, dass dieses nur von älteren Männern benutzt werde, ist längst zerstört. «Ich nehme Sildenafil (Viagra) bereits seit Jahren regelmässig», schreibt etwa ein 26-jähriger Leser. Seine Frau wisse davon nichts. «Ich nehme es, weil ich immer wieder während des Sex Selbstzweifel und Ängste habe, dass ich nicht genüge und mit mir selbst unzufrieden bin.» Ein 22-Jähriger schreibt: «Ich nehme Viagra, weil heutzutage Frauen einfach zum nächsten Typen springen, wenn du nicht länger als 30 Minuten durchhältst. Ich versuche damit einfach, wettbewerbsfähig zu bleiben.»

Doch viele junge Männer nehmen das Potenzmittel, weil es den Sex besser mache: «Ich habe zwar keine Potenzstörung, es macht aber unseren Sex zum Traum», schreibt ein Leser, der laut eigenen Angaben seit einem Jahr Viagra nimmt. «Wir haben somit in einer Nacht drei bis vier Stunden Sex mit intensiven Orgasmen. Das ist etwas Unbeschreibliches, das ohne Potenzmittel gar nicht machbar ist.» Auch ein anderer Leser ist davon überzeugt: «Das Coole ist, man hat einen Betonständer.» Dieser versetze Frauen wirkungsvoll in Ekstase. «Das gibt einem ein richtiges Hengst-Gefühl.»

Lernen ist nachhaltiger

Der Sexualtherapeut Werner Huwiler glaubt indes nicht, dass Viagra den Sex direkt verbessert. Dass manche Männer dies so beschreiben, liege womöglich daran, dass «sie sich nicht mehr um die Erektionsdauer kümmern müssen und somit Stress wegfällt». Huwiler rät jedoch davon ab, deswegen regelmässig Potenzmittel einzunehmen. «Junge Männer sollten stattdessen Neues dazulernen und ohne Medikamente auskommen, das ist viel nachhaltiger.» Es sei wie beim Muskelaufbau: Auch daran müsse man arbeiten.

Viagra hat nämlich auch Nebenwirkungen. So würden Männer von einem roten Kopf, Schweissausbrüchen oder Herzrasen berichten. «Wenn sie regelmässig ein Hilfsmittel benutzen, verlernen sie irgendwann, auch ohne auszukommen», sagt Huwiler. Manche der Viagra-Konsumenten seien unsicher oder ungeduldig. «Das hat auch mit der Pornoindustrie zu tun. Die Männer in den Filmen haben immer eine Erektion, einen grossen Penis und viele Frauen, die sie befriedigen. Das entspricht überhaupt nicht der Realität.»

Placebo-Effekt macht Sex besser

Auch die Sexologin Esther Schütz rät jungen Männern davon ab, Viagra einzunehmen. «Jedes Medikament hat eine Wirkung auf den Körper.» Wird es über Jahre hinweg verwendet, werde die Erregungsfähigkeit an die Einnahme gekoppelt und damit konditioniert, bis es nicht mehr ohne gehe. Trotzdem weiss Schütz: «Junge Menschen experimentieren gern. Es gibt auch Unsicherheiten, etwa wenn ein Mann sehr verliebt ist, dann kann es zu Erektionsproblemen kommen.» In der Regel sei dies jedoch beim dritten oder vierten Mal verschwunden. «Das pendelt sich ein. Man muss lediglich Geduld haben.»

Was die Qualität des Sex anbelangt, sieht Schütz bei jungen, potenten Männern bei der Einnahme von Viagra eine Art Placebo-Effekt. «In der Wahrnehmung der Männer hilft es.» Dies liege daran, dass sie die Wirkung an ein Gefühl der Sicherheit koppeln. Trotzdem hat es einen Haken: «Wer Viagra nimmt, muss den Sex planen, da die Wirkung irgendwann nachlässt.»

Was gilt?

Viagra ist in der Schweiz rezeptpflichtig, es kann aber auch im Internet bestellt werden. 2017 wurden von der Eidgenössischen Zollverwaltung 1060 Sendungen mit illegal importierten Heilmitteln sichergestellt, teilte Swissmedic mit. 59 Prozent davon waren Erektionsförderer. Es dürfen allerdings maximal 3000mg Sildenafil (Viagra) oder 200mg Tadalafil oder 600mg Vardenafil für den Eigengebrauch importiert werden. Dies entspricht laut Swissmedic dem maximal zulässigen Monatsbedarf. Gleichzeitig warnt das Heilmittelinstitut vor jeglichen Arzneimittel-Bestellungen im Internet. Die Potenz-Pillen können auch teuer werden. Im Internet werden sie zu unterschiedlichsten Preisen angeboten. 4 Tabletten (100mg) gibt es etwa für knapp 60 Euro, andere verlangen rund 6 Euro oder weniger pro Pille. Bei Internetbestellungen besteht allerdings die Gefahr, dass es sich um gefälschte Ware handelt. Diese kann schädlich sein.

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