Gaddafi junior: «Wir haben keine Verbrechen begangen»
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Gaddafi junior«Wir haben keine Verbrechen begangen»

In einem Interview hat Saif al Islam Gaddafi seine Sicht des Aufstands in Libyen präsentiert. Man kämpfe nicht gegen Zivilisten, sondern Terroristen, so der Diktatoren-Sohn.

von
pbl

Im Westen galt der zweite Sohn von Muammar al Gaddafi einst als Hoffnungsträger für demokratische Reformen in Libyen. Mit Beginn des Aufstands im Februar wandelte sich Saif al Islam jedoch radikal, er wurde zum Scharfmacher und wichtigsten Sprachrohr seines Vaters. Mit Beginn der westlichen Angriffe tauchte er ab. Jetzt hat er sich mit einem Interview mit der «Washington Post» wieder zu Wort gemeldet.

Seine Sicht deutet entweder auf Unverfrorenheit oder Realitätsverlust. Denn Saif al Islam schilderte das Regime als Opfer eines Krieges, der auf «Gerüchten und Propaganda» basiere. Man habe nichts falsch gemacht. Die Gegner seines Vaters seien «brutale Terroristen und Gangster unter Führung von Al Kaida». Berichte, wonach seine Streitkräfte auf friedliche Demonstranten geschossen und hunderte getötet hätten, seien «kategorisch falsch».

Wie die Massenvernichtungswaffen

Gaddafi junior zog einen Vergleich mit den angeblichen Massenvernichtungswaffen, die der damalige US-Präsident George W. Bush als Vorwand für den Einmarsch im Irak verwendet hatte: «Massenvernichtungswaffen, Massenvernichtungswaffen, Massenvernichtungswaffen – und schon wird der Irak angegriffen», so Saif Gaddafi. »Zivilisten, Zivilisten, Zivilisten – und schon wird Libyen angegriffen. Es ist genau das Gleiche.»

Der Diktatoren-Sohn lud die USA und die Menschenrechtsorganisation Human Rights Watch ein, nach Libyen zu kommen und herauszufinden, was genau geschehen sei. «Wir haben keine Angst vor dem Internationalen Strafgerichtshof. Wir sind zuversichtlich und überzeugt, dass wir keine Verbrechen an unserem Volk begangen haben.»

Prekäre Lage im Westen Libyens

Dem widersprechen sämtliche Berichte, nicht zuletzt aus der westlichen Stadt Misrata, die seit Wochen von den Gaddafi-Truppen belagert wird. Allein dort sollen rund 300 Zivilisten getötet worden sein. Selbst vor dem Einsatz von Streubomben schreckte das Regime nicht zurück. Die britische Regierung warnte zudem am Wochenende, dass die humanitäre Lage auch in anderen Gebieten im Westen Libyens «prekär» sei.

In Saif Gaddafis Version dagegen kämpft die Armee gegen Terroristen, die sich in Misrata versteckt halten, ähnlich wie die russische Armee in der tschetschenischen Hauptstadt Grosny oder die Amerikaner im irakischen Falludscha. «Ich akzeptiere nicht, dass die libysche Armee Zivilisten getötet hat. Es ist nicht geschehen und wird nie geschehen.»

Statt Libyen anzugreifen, sollten die USA beim Kampf gegen Al Kaida helfen, so Saif al Islam. Sobald die «Terroristen» in Misrata und Bengasi besiegt seien, werde man über nationale Versöhnung und Demokratie sprechen, unter einer neuen Verfassung, die Muammar Gaddafis Rolle auf eine «symbolische» reduzieren werde. Allerdings behauptet Vater Gaddafi schon heute, er übe kein Amt aus und habe folglich gar keine Macht…

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