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Solar Impulse«Wir haben mehr erreicht als wir wollten»

Das Solarflugzeug des Luftfahrtpioniers Bertrand Piccard ist nur mit der Kraft der Sonne über 24 Stunden in der Luft geblieben.

Rund 400 Flugfans warteten am Rande der Flugpiste auf die «Solar Impulse». Unter makellosem blauem Himmel setzte Pilot Boschberg schliesslich das Solarflugzeug sanft auf - begleitet von heftigem Applaus der Schaulustigen.

Etwa eine Viertelstunde später stieg der Pilot aus - sichtlich erfreut über den gelungenen, 26 Stunden dauernden Testflug. Nur wenig sah man dem Mitbegründer von «Solar Impulse» die Anstrengungen und Strapazen an. «Wir haben mehr erreicht als wir wollten», sagte Borschberg nach der Landung. «Wir sind alle sehr glücklich.» Das Team bezeichnete den Flug als Meilenstein. Er habe gezeigt, dass die «Solar Impulse» theoretisch unbegrenzte Zeit in der Luft bleiben könne.

Trinkwasser gefror

Nach zwei, drei Händeschütteln wurde der Pilot zu einem Fahrzeug gebracht. Dort wechselte er seine Kleidung und wusch sich ein wenig, bevor er dann die vielen Gratulationen seiner Teamkollegen und der Sponsoren entgegennehmen konnte. Und erste Interviews geben musste.

Während des Fluges hatte sich der Pilot von Sandwiches, Milchreis und Energieriegel ernährt. Vorgesehen war auch, dass er via Schlauch aus einem Sack gefüllt mit Wasser trinken könne. Doch das Wasser gefror, so dass Boschberg einige Stunden durstig weiterfliegen musste.

Batterien auftanken

Die «Solar Impulse» war am Mittwochmorgen gegen 7 Uhr in Payerne VD zu ihrem Testflug aufgebrochen. Grund für den frühen Start: Die Batterien mussten genügend Zeit haben, um Energie zu speichern. Nur so war es dem Flugzeug möglich, die Nacht hindurch ohne Treibstoff in der Luft zu bleiben.

Während der Nacht sank das Flugzeug aus einer Höhe von 8500 Metern wie vorgesehen auf 1500 Meter ab, um dort bis zur Landung zu verbleiben. Es kreiste während des ganzen Fluges über dem Neuenburger-, dem Murtensee und dem Jura.

Atlantiküberquerung

Zuvor waren dieses Jahr zwei kleinere Tests mit dem Flieger geglückt. Die «Solar Impulse» hat mit 80 Metern die Spannweite einer Boeing 747, wiegt aber nur so viel wie ein Kleinwagen. Strom aus knapp 12 000 Solarzellen kann in Lithiumakkus gespeichert werden und vier Elektromotoren antreiben.

Piccard hatte zuvor angekündigt, falls der erste 24-Stunden-Flug glücke, wolle er eine Atlantiküberquerung wagen. Dazu müsste aber ein zweiter, noch leichterer Prototyp einer Solarmaschine verwendet werden, was neue Gefahren berge. Das Team will 2012 die Welt umrunden.

Piccard stammt aus einer berühmten Abenteurerfamilie. 1999 nahm er als Copilot bei der ersten Nonstop-Weltumrundung mit einem Ballon teil. Sein Vater Jacques tauchte tiefer als je ein Mensch zuvor. Grossvater Auguste war der erste Mensch, der mit einem Ballon in die Stratosphäre flog.

Der Flug der «Solare Impulse» kann im Internet live mitverfolgt werden: www.solarimpulse.com

Jungfernflug der «Solar Impulse» in Payerne

(Video: Leserreporter)

(sda)

Viel Energie getankt

«Wir konnten mehr Energie speichern als erwartet!» Laut Umweltpioniers Bertrand Piccard hätte das Solarflugzeug noch weiter fliegen können, sagte er am Donnerstag nach der erfolgreichen Landung der Solar Impulse.

«Seit Jahren sprechen wir von unserem Projekt», freute sich ein glücklicher Piccard an einer Medienkonferenz. «Jetzt haben wir den Beweis geliefert.»

Das Solarflugzeug ist mit einer durchschnittlichen Geschwindigkeit von 43 Kilometern pro Stunde geflogen - die Höchstgeschwindigkeit betrug 126 km/h. Zudem flog das Flugzeug höher als die geplante Zielhöhe von 8500 Metern. Zeitweise überstieg es gar die 9000 km Marke.

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