Emix Trading GmbH: «Wir haben Millionen geschützt» – Masken-Millionäre nehmen Stellung
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Emix Trading GmbH«Wir haben Millionen geschützt» – Masken-Millionäre nehmen Stellung

Sie haben inmitten der ersten Pandemie-Welle ein Vermögen damit gemacht, dass sie Masken an die Schweiz und andere Regierungen verkauften. Nun äussern sich die Emix-Unternehmer Jascha Rudolphi und Luca Steffen erstmals.

von
Reto Heimann
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Luca Steffen (links) und Jascha Rudolphi (rechts) verdienten mit Schutzmasken Millionen.

Luca Steffen (links) und Jascha Rudolphi (rechts) verdienten mit Schutzmasken Millionen.

Emix Trading GmbH
Rudolphi und Steffen importieren als eine der ersten Masken aus dem Ausland in die Schweiz.

Rudolphi und Steffen importieren als eine der ersten Masken aus dem Ausland in die Schweiz.

REUTERS
Die Emix Trading konnte Masken für 22,6 Millionen Franken verkaufen. (Symbolbild)

Die Emix Trading konnte Masken für 22,6 Millionen Franken verkaufen. (Symbolbild)

AFP

Darum gehts

  • Luca Steffen und Jascha Rudolphi importierten bis heute 300 Millionen Schutzmasken nach Europa.

  • Damit wurden sie so reich, dass sich beide millionenteure Autos kaufen konnten.

  • «Ich habe keine Sekunde lang ein schlechtes Gewissen», sagt Steffen heute.

Sie verlangten im März 8,50 Franken bis 9,90 Franken für eine Schutzmaske – und wurden damit zu Millionären. Die Jungunternehmer Jascha Rudolphi und Luca Steffen von der Emix Trading GmbH haben mit dem Import von Schutzmasken ein Vermögen gemacht. 300 Millionen Masken haben Steffen und Rudolphi bis heute nach Europa geliefert – ein Grossteil davon nicht in die Schweiz, sondern in andere Länder, darunter auch Deutschland. Gegenüber der «NZZ» nehmen die beiden erstmals Stellung.

Ein schlechtes Gewissen haben die beiden keinesfalls. «Dank uns wurden Millionen Ärzte, Pflegende, Polizisten und Feuerwehrleute geschützt», sagt Rudolphi. Und Steffen ergänzt: « Führt man sich jedoch vor Augen, dass unser Gewinn durch vorausschauende Verhandlungen bei Einkauf und Logistik und durch das riesige Volumen zustande gekommen ist, habe ich keine Sekunde ein schlechtes Gewissen.»

Gemäss verschiedenen Berichten sollen die von Steffen und Rudolphi gelieferten Masken nicht nur überteuert, sondern auch mangelhaft in Qualität und damit Schutz gewesen sein. So hat Emix dem Bund 700’000 Masken des ägyptischen Herstellers Chemi Pharma Medical verkauft. Dabei handelt es sich mutmasslich um Fälschungen handeln: Laut Recherchen von Tamedia produziere der Hersteller gar keine FFP2-Schutzmasken.

«Die Autos zu kaufen, war ein Fehler»

Die Jungunternehmer halten zum Qualitätsvorwurf fest: Die Masken seien nie beanstandet worden. Schützenhilfe erhalten sie aus Deutschland. Das Bundesministerium für Gesundheit schreibt: «Insgesamt bot Emix mit seinen Lieferungen allerdings eine überdurchschnittliche Qualität und erwies sich in der Zusammenarbeit als professionell und schnell.»

Haben sich die beiden Zürcher Jungunternehmer, die ihren Firmensitz aus steuerlichen Gründen mittlerweile von Zürich nach Zug verlegten, an einer Notlage bereichert? Sie selbst streiten das ab: Sie seien zu einem frühen Zeitpunkt in der Pandemie einer der wenigen Lieferanten gewesen, die überhaupt Masken in die Schweiz liefern konnten. Sie seien von teuren Einkaufspreisen, hohen Frachtkosten und Exportbeschränkungen betroffen gewesen. Dazu hätten sie ein hohes Risiko getragen.

Strafuntersuchung gegen Unbekannt

Die Armee selbst spricht davon, dass sie die Masken zum Marktpreis gekauft habe. Auch deutsche Bundesländer wie Nordrhein-Westfalen oder Bayern zahlten ähnlich hohe Beträge wie der Bund. Der Wuchervorwurf wird noch die Gerichte beschäftigen: Die Zürcher Staatsanwaltschaft hat eine Strafuntersuchung gegen Unbekannt eingeleitet.

Für Diskussionsstoff sorgte auch, dass Steffen und Rudolphi das mit den Masken verdiente Geld in teure Limousinen steckten. Sie kauften sich Ferraris, die mit einem Wert von 2,5 bis 4 Millionen beziffert werden. Verstehen Sie, dass das die Menschen wütend macht? Ja, sagt Rudolphi: «Die Autos zu kaufen, war unsensibel zu diesem Zeitpunkt.» Dass sie sich auf Kosten der Steuerzahler bereicherten, lässt er aber nicht gelten: «Zum Vorwurf, wir seien mit Steuergeldern reich geworden, muss man aber auch sagen, dass wir nun in der Schweiz sehr viel Steuern bezahlt haben.»

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