Kuoni-Chef: «Wir haben noch keinen Käufer»
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Kuoni-Chef«Wir haben noch keinen Käufer»

Es ist das Ende einer 109-jährigen Tradition: Kuoni verkauft seine Reisebüros. CEO Peter Meier spricht darüber, wie es nun weitergehen soll.

von
K. Wolfensberger
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Schwieriger Schritt für Kuoni-CEO Peter Meier. Nach einer strategischen Lagebeurteilung sei man zum Schluss gekommen, sich ausschliesslich als Dienstleister zu positionieren, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Schwieriger Schritt für Kuoni-CEO Peter Meier. Nach einer strategischen Lagebeurteilung sei man zum Schluss gekommen, sich ausschliesslich als Dienstleister zu positionieren, teilte das Unternehmen am Mittwoch mit.

Keystone/Walter Bieri
Kuoni steigt aus dem Geschäft mit dem Verkauf und der Organisation von Reisen in der Schweiz, Grossbritannien, den Benelux-Ländern, Skandinavien sowie Hongkong und Indien aus.

Kuoni steigt aus dem Geschäft mit dem Verkauf und der Organisation von Reisen in der Schweiz, Grossbritannien, den Benelux-Ländern, Skandinavien sowie Hongkong und Indien aus.

Keystone/Gaetan Bally
Der Unternehmensteil, der verkauft wird, beschäftigt rund 3800 Mitarbeiter. Sie bieten in diesen Märkten Pauschal- wie auch Individualreisen an.

Der Unternehmensteil, der verkauft wird, beschäftigt rund 3800 Mitarbeiter. Sie bieten in diesen Märkten Pauschal- wie auch Individualreisen an.

Keystone/Gaetan Bally

Herr Meier, wieso trennen Sie sich von Ihren Reisebüros?

Der Reisemarkt hat sich in den letzten Jahren sehr stark verändert. Das Umfeld ist schwierig. Wir möchten uns daher auf die Bereiche fokussieren, wo wir am stärksten sind. Konkret sind das erstens Gruppenreisen, zweitens das Betreiben von Visa-Antragszentren und drittens das Anbieten von Hoteldatenbanken an andere Reiseveranstalter.

Jedes Kind in der Schweiz kennt Kuoni. Sie brechen mit einer 109-jährigen Tradition.

Kuoni ist tatsächlich eine sehr emotionale Marke für die Schweizer – und jedes Kind kennt sie. Unser Entscheid war jedoch strategischer Natur, wir konnten uns dabei nicht von Emotionen leiten lassen. Diese sind ansonsten in unserem Geschäft zwar wichtig und haben durchaus Platz. Für einmal mussten wir die Gefühle aber beiseite lassen.

Was bedeuten die Pläne für Kunden, die bereits eine Reise gebucht haben?

Für die Kunden verändert sich nichts. Wir haben nur bekannt gegeben, dass wir für das Reiseveranstalter-Geschäft einen neuen Eigentümer suchen. Es wird aber ganz normal weitergeführt, zuerst von uns, dann von einem neuen Besitzer.

Verschwinden jetzt die Kuoni-Filialen aus den Schweizer Städten?

Wir betreiben derzeit 80 Reisebüro-Filialen, die erhalten bleiben sollen. Wir können uns auch vorstellen, dem neuen Besitzer das Recht einzuräumen, die Filialen weiterhin Kuoni zu nennen. Ähnliche Vereinbarungen gibt es bereits in Österreich, Spanien, Italien und Frankreich.

Was bedeutet der Schritt für die Mitarbeiter – gibt es Entlassungen?

Die Stellen in den Reisebüros sind sicher. Die Leute machen einen guten Job und die Filialen laufen gut. Ich sehe keinen Grund, weshalb es unter neuen Besitzern zu einem Stellenabbau kommen sollte.

Können Sie sich vorstellen, beim Verkauf das Schweiz-Geschäft aufzuspalten?

Nein, es wird als Einheit erhalten bleiben. Wir suchen einen neuen Eigentümer für die gesamte Kuoni-Schweiz-Geschäftseinheit. Wir werden also nicht zum Beispiel den Skandinavien-Spezialisten Kontiki einzeln verkaufen.

Haben Sie schon Gespräche mit potenziellen Käufern geführt?

Nein, wir wollten zuerst die Öffentlichkeit informieren. So erreichen wir eine maximale Aufmerksamkeit bei allen potenziellen Käufern und können der Verbreitung von Gerüchten zuvorkommen. Wer an einem Kauf interessiert ist, ist also noch unklar. Wir haben aber einer Bank das Mandat erteilt, uns beim Suchprozess zu helfen. Ich bin sehr zuversichtlich, dass wir bald einen Käufer finden werden.

Ist es möglich, dass Ihr Geschäft an Konkurrent Hotelplan übergeht?

Ich kann Ihnen noch keinen konkreten Namen nennen. Wir haben noch keinen Käufer. Es gibt aber eine ganze Reihe möglicher Interessenten.

Aktie schiesst in die Höhe

Kuoni will das klassische Geschäft als Reiseveranstalter aufgeben und sich künftig auf seine Rolle als Dienstleister konzentrieren. Die Neuausrichtung kommt an der Börse gut an: Der Titel stieg nach Bekanntgabe zweitweise um zehn Prozent. Offensichtlich versprechen sich die Investoren aus dem Verkauf des Geschäftsteils eine höhere Rendite. Von Mitarbeiterseite her sind 3800 Personen von der Umstrukturierung betroffen. Sie verkaufen und organisieren in der Schweiz, den Benelux-Ländern, Skandinavien, Hongkong und Indien Pauschal- wie auch Individualreisen. Zu möglichen Käufern wollte Kuoni selbst sich noch nicht äussern. Im Gespräch sind bei den Analysten unter anderem die Migros-Tochter Hotelplan, TUI Suisse, Thomas Cook oder FTI Touristik. Wie viel der Verkauf der Sparte einbringen wird, ist schwer abschätzbar. Ein Wert, der bei Experten die Runde macht, ist 400 Millionen Franken. (sas/kwo)

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