Nach der Streetparade: «Wir haben noch nie so viele Drogen getestet»
Aktualisiert

Nach der Streetparade«Wir haben noch nie so viele Drogen getestet»

Das Team der Drogenberatung Streetwork hatte an der Street Parade alle Hände voll zu tun. Leiter Donald Ganci über gefährliche Ecstasys und erfreuliche Trends.

von
Jessica Pfister
Rund 80 Stoffe sind an der diesjährigen Street-Parade getestet worden. Hier wird eine Ecstasy-Pille vermessen.

Rund 80 Stoffe sind an der diesjährigen Street-Parade getestet worden. Hier wird eine Ecstasy-Pille vermessen.

Sie beraten an der Streetparade Partygänger über Drogen und bieten auch gleich vor Ort Tests an. War dieses Jahr viel los?

Donald Ganci: Allerdings. Wir haben noch nie so viele Beratungen durchgeführt und Drogen getestet wie in diesem Jahr. Unsere Mitarbeiter haben rund 250 Gespräche mit Partygängern über ihren Drogenkonsum geführt und insgesamt 80 Drogen untersucht. Das sind jeweils 10 Prozent mehr als im Vorjahr.

Worauf führen Sie diese Zunahme zurück?

Einerseits hat es damit zu tun, dass man uns langsam kennt. Wir sind schon seit 11 Jahren an der Street Parade vor Ort und unser Angebot hat sich herumgesprochen. Andererseits stellen wir fest, dass die Drogenkonsumenten heute in Sachen Risiken und Gefahren sensibilisierter sind. Sie informieren sich besser und wollen vermehrt wissen, was sie genau zu sich nehmen. Das liegt sicher auch daran, dass die Risiken in den Medien öfters thematisiert wurden.

Welche Drogen haben Sie am häufigsten gestestet in diesem Jahr?

Das waren mehrheitlich Ecstasy-Tabletten, also MDMA. Amphetamine wurden ebenfalls häufig zum Testen abgegeben und Kokain. Im Vergleich zu den Vorjahren waren weniger Medikamente im Umlauf. Badesalz oder Designerdrogen haben wir praktisch keine getestet.

Waren aber sonst gefährliche Stoffe dabei?

Hochgefährliche Substanzen waren nicht dabei, aber sehr hoch dosierte Stoffe. Wir haben zum Beispiel ein Ecstasy getestet mit 200 Milligramm MDMA. Normalerweise liegt eine vernünftige Dosierung bei 1,3 Milligramm pro Kilo Körpergewicht – bei einer 60 Kilo schweren Person wären das 70 Milligramm. Schluckt eine leichte Person eine Tablette mit 200 Milligramm kann dies zu schweren Kreislaufproblemen und sogar zum Kollaps führen. Es gab auch Drogen, bei denen das Labor nicht sagen konnte, um was für eine Substanz es sich handelt.

Nehmen Sie solch gefährliche Substanzen den Partygängern weg?

Nein, wir klären sie einfach über die Risiken auf. Bei Substanzen, die selbst das Labor nicht erkennen kann, lassen die Leute automatisch die Finger davon. Zu hoch dosierte Exctasys werden in der Regel schon konsumiert, aber dann natürlich nur die halbe oder ein Viertel der Tablette.

Glauben Sie, dass an der Street Parade insgesamt mehr Drogen konsumiert wurden als in den Vorjahren?

Das kann man wohl nicht abschätzen. Unsere Studien zeigen aber Tendenzen auf. Aufgrund der Befragungen ist der Kokainkonsum eher stabil, während der Amphetaminkonsum eher zugenommen hat. Abgenommen hat der Cannabiskonsum und vor allem können wir feststellen, dass der gefährliche Mischkonsum, also der Konsum von zwei oder mehr unterschiedlichen Substanzen oder Drogen mit Alkohol abgenommen hat. Das freut uns sehr, da diese Form des Konsumverhaltens sehr risikohaft ist und in der Vergangenheit vermutlich die Hauptursache für medizinische Notfalleinsätze war.

240 Dosen Ecstasy

Die verschiedenen Fahndungsdienste der Stadtpolizei machten folgende Sicherstellungen: Rund 320 Gramm Amphetamin, rund 240 Dosen Ecstasy, rund 40 Dosen LSD, geringe Mengen Kokain, Heroin und Haschisch sowie rund 90 Gramm unbekanntes Pulver und eine geringe Anzahl unbekannter Pillen.

Die Kantonspolizei konnte über 200 Gramm Marihuana und Haschisch, 167 Ecstasy Pillen, 1 Ampulle GHB und 22 Gramm Amphetamin sowie 5 Portionen MDA und geringe Mengen Kokain sicherstellen. Sie verzeigte 36 Personen wegen Betäubungsmittelkonsums.

Weiter wurden Bargeld im Wert von rund 1000 Franken und 2300 Euro sichergestellt. Detektive der Abteilung Bewilligungen mussten vereinzelt Verzeigungen wegen illegalen Verkaufsständen, illegalen Händlern und Verstössen gegen das Gastwirtschaftsgesetz aussprechen. (sda)

Deine Meinung