Feuer in der Türkei - «Wir haben notfallmässig Geld, Pässe und Wasserflaschen gepackt»
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Feuer in der Türkei«Wir haben notfallmässig Geld, Pässe und Wasserflaschen gepackt»

Die Brände in der Türkei dauern nun seit mehr als 24 Stunden an. Das Hotelpersonal wird zunehmend nervös und die Gäste sind verängstigt.

von
Angela Rosser
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Das Inferno in der Südtürkei ist schwer zu bekämpfen.

Das Inferno in der Südtürkei ist schwer zu bekämpfen.

20min/News-Scout
Vom Himmel regnet es Asche, halb verkohlte Blätter und kleine Äste.

Vom Himmel regnet es Asche, halb verkohlte Blätter und kleine Äste.

20min/News-Scout
Auch die Liegestühle und Tische sind voller Asche.

Auch die Liegestühle und Tische sind voller Asche.

20min/News-Scout

Darum gehts

  • Seit Mittwoch lodern in der Südtürkei Waldbrände.

  • In den Touristenorten herrscht bedrückte Stimmung.

  • News-Scouts vor Ort erzählen was passiert.

Die Situation in der Türkei bleibt weiter angespannt. Die Brände lodern und die Feuerwehr ist im Dauereinsatz. Eine Leserin schreibt, auch das Hotelpersonal sei zunehmend verunsichert. «Bei uns im Hotel läuft seit gestern das Notstromaggregat, weshalb wissen wir aber auch nicht», schreibt sie. Es gäbe zwar keine klaren Anweisungen und der Strand sei weiterhin geöffnet, aber die Situation sei schon «sehr absurd»: «Die Feriengäste baden im Meer mit Aschestückchen, trinken ihren Cocktail und nicht weit entfernt haben Menschen ihr Hab und Gut verloren.» Die Stimmung sei gedrückt.

«Wir waren eingekesselt»

Auch Familie Neuhaus, die momentan in der Nähe von Manavgat ihre Ferien verbringen, ist beunruhigt: «Wir waren am Hotelstrand zum Mittagessen und beim Dessert sah meine Frau schwarzen Rauch aufziehen», sagt der Familienvater. Er sei dann weiter zur Strasse gelaufen und habe gesehen, wie von beiden Seiten des Hotels Rauch herziehe: «Wir waren quasi eingekesselt!» Daniel Neuhaus und seine Familie bereiteten sich schon aufs Schlimmste vor: «Auch wenn die Chance vielleicht bei fünf Prozent lag, dachte ich kurz an einen Terroranschlag, weil es an zwei Orten gleichzeitig losging.» Er ist mit seiner Frau, den beiden Kindern und seiner 77-jährigen Mutter sofort zurück ins Hotel gelaufen und habe notfallmässig gepackt: «Wir packten alles Geld, unsere Pässe und ein paar Flaschen Wasser in einen Rucksack, haben die Fluchtwege ausfindig gemacht und sind nach draussen gelaufen. Um schnell reagieren zu können, haben die Kinder auch keinen Mittagsschlaf gemacht.»

Es regnet Asche und verkohlte Blätter

Die Situation schien sich zu bessern, als auf einer Seite die Rauchemissionen zurückgingen. Erst dann seien sie wieder ins Hotel zurückgekehrt. Da alle Hoteltüren elektronisch gesteuert sind, sei es das Beste gewesen, draussen auszuharren. Natürlich hätte man sich im Notfall über den Balkon abseilen können, mit Kindern und der Grossmutter wäre das aber ein schwieriges Unterfangen geworden, erzählt Neuhaus weiter.

Am Donnerstagmorgen schien die Sonne schon um 7.30 Uhr blutrot – wie zur Abenddämmerung. Die Angestellten wirken laut News-Scouts immer bedrückter und alle schauen gen Himmel. «Schon den ganzen Tag regnet es Asche und halb verbrannte Blätter bedecken die Tische und die Liegen am Pool – es riecht verbrannt», so der 43-Jährige. Auch bei den Feriengästen ist die Stimmung angespannt. «Im Pool halten sich kaum mehr als vier Personen auf.» Am meisten tun Neuhaus die Angestellten leid, da es für die Tourismusbranche so oder so schon eine schwierige Zeit ist. Solange es keine Evakuierung gibt, will die Familie auf jeden Fall dort bleiben.

«Gestern war die Stimmung noch spektakulär und faszinierend, heute ist es aber doch sehr beängstigend, wir hoffen das Beste», sagt der Familienvater abschliessend.

Bisher forderten die Brände an der Mittelmeerküste und in weiteren Regionen mehrere Todesopfer. Bei dem Feuer in der Region Antalya seien drei Menschen getötet und 122 verletzt worden, 58 Menschen seien in Behandlung, berichtete die staatliche Nachrichtenagentur Anadolu unter Berufung auf die Katastrophenschutzbehörde Afad am Donnerstag.

Das sagt das EDA zu der Situation

Auf Anfrage gibt das Eidgenössische Departement für auswärtige Angelegenheiten an, dass für die umliegenden Touristenorte gemäss Information der türkischen Behörden keine Gefahr bestehe. Hotels informieren ihre Kundinnen und Kunden gemäss Angaben der EDA-Vertretung vor Ort laufend über die aktuelle Lage. Ausserdem treffen die Hotels Vorbereitungen, um allenfalls evakuierte Menschen aus anderen Orten zu beherbergen. Anrufe von besorgten Reisenden gab es bisher keine. Wer eine Reise in die Türkei geplant hat, dem wird geraten, sich beim jeweiligen Reiseveranstalter zu erkundigen, ob die Reise wie geplant durchführbar sei.

Die EDA-Reisehinweise konzentrieren sich auf sicherheitsrelevante Informationen in den Bereichen Politik und Kriminalität und geben keine Auskunft über einzelne Naturkatastrophen. In diesen Fällen würden die Reiseveranstalter die Personen informieren.

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(dpa)

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