Pasquale Bacco – «Wir haben so viele Menschen auf dem Gewissen» – Ex-Impfgegner zeigt Reue

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Pasquale Bacco«Wir haben so viele Menschen auf dem Gewissen» – Ex-Impfgegner zeigt Reue

Der italienische Arzt Pasquale Bacco war lange Zeit das Gesicht der Impfgegner-Bewegung. Heute sieht er die Dinge völlig anders. Der Wendepunkt kam, als ein junger Mann auf der Intensivstation starb, der auf dem Handy Baccos Videos anschaute.

von
Karin Leuthold
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Der italienische Arzt Pasquale Bacco kehrt der Anti-Corona-Szene den Rücken. In einem Interview mit «Corriere della Sera» erklärt er, warum.

Der italienische Arzt Pasquale Bacco kehrt der Anti-Corona-Szene den Rücken. In einem Interview mit «Corriere della Sera» erklärt er, warum.

Screenshot Youtube/La7 Attualità
Der Arzt nahm während der Pandemie an über 300 Anti-Corona-Demos teil, sprach sich, so oft er konnte, gegen den Corona-Impfstoff aus.

Der Arzt nahm während der Pandemie an über 300 Anti-Corona-Demos teil, sprach sich, so oft er konnte, gegen den Corona-Impfstoff aus.

Instagram/bacco.pasquale.mario
Er schrieb sogar ein Buch darüber: «Una strage di Stato» – übersetzt «Ein Staatsmassaker». Heute bereut Bacco seine Aktionen.

Er schrieb sogar ein Buch darüber: «Una strage di Stato» – übersetzt «Ein Staatsmassaker». Heute bereut Bacco seine Aktionen.

Instagram/bacco.pasquale.mario

Darum gehts

  • Seit Beginn der Pandemie war der italienische Arzt Pasquale Bacco Teil der Anti-Corona-Bewegung in Italien.

  • Als er einen jungen Mann sterben sieht, wendet er sich von der Szene ab.

  • In einem Interview spricht Bacco Klartext: «Wir waren wirklich grosse Ar***löcher.»

An über 300 Anti-Corona-Demos nahm er teil, sprach sich, so oft er konnte, gegen den Corona-Impfstoff aus, doch jetzt kehrt der italienische Arzt Pasquale Bacco der No-Vax-Szene den Rücken. Nach all dem, was er in den letzten zwei Jahren erlebt hat, ist Bacco nun «überzeugt, dass Covid tödlich ist und dass Impfstoffe die Lösung sind».

In einem Interview mit der italienischen Zeitung «Corriere della Sera» sagt der Arzt aus Neapel, worum es in der No-Vax-Welt wirklich geht: um viel Geld - Bacco spricht dabei von einer «wahren Wirtschaft der Impfgegner-Angst». Dabei gehe es um Sammelklagen, Internet-Websites, Stiftungen und Kunden und Kundinnen, so der Mediziner. «Deshalb fürchten sich so viele Menschen, dass die Sache zu Ende geht.»

Hinter der No-Vax-Szene stecken «wohlhabende alte Männer»

Hinter der Szene stecke ein wirtschaftlicher Gedanke. «Restaurants, Ärzte, Anwälte, Ingenieure, Landvermesser, Lehrer, eine Welt von No-Vax-Anbietern, die bereit sind, No-Vax-Kunden zu empfangen», sagt Bacco, der sogar ein Buch mit dem Titel «Una strage di Stato» («Ein Staatsmassaker») herausgab.

Auf den Bankkonten der Impfgegner-Vereine liegen 400'000 Euro, sagt er. «Es gibt so viele Spenden. Man muss sich nur ansehen, wem sie gehören und wer Vorsteher ist, um alles zu verstehen. Sie sind alle wohlhabende alte Männer», wirft der Arzt vor. «Der alte Magistrat, der alte Chefarzt, der alte Rechtsberater. Alles Profis am Ende ihrer Karriere, die sich ein Spielzeug für ihr Alter zugelegt haben, um ihre Perversionen zu befriedigen.»

«Man verfällt dem absoluten Wahnsinn»

In gewissem Masse sieht sich Pasquale Bacco selbst als Opfer: Für die Reden an den Demos sei er geschult worden - und zwar «von jemandem, der für nationale Nachrichtensendungen verantwortlich war». Wenn man dann drin sei, verliere man langsam «den eigenen Verstand, ohne es einmal zu merken». Er sei als junger Arzt eines der ersten Mitglieder der italienischen Bewegung der Massnahmenkritiker und -kritikerinnen geworden. «Ab diesem Moment wird ein gefährlicher Prozess ausgelöst.»

Die No-Vax-Szene bezeichnet Bacco als ein Glaube, «und man wird zu einem Gott. Man verfällt dem absoluten Wahnsinn.» Impfgegner und Impfgegnerinnen seien sehr ängstliche Menschen, die in einer Gruppe Sicherheit suchten. 

«Wir alle, die uns nicht impfen liessen, sind grosse Feiglinge»

Bacco gibt im Interview an, wachgerüttelt worden zu sein, als er sah, wie ein 29-Jähriger auf der Intensivstation an Covid-19 starb. «Er hatte Videos von meinen Kundgebungen auf seinem Handy. Die Familie sagte mir, er sei ein Fan von mir gewesen. Sie sagten es aber nicht einmal im Zorn. Im Gegenteil. Und das hat mich noch mehr geschmerzt. Ich empfinde diesen Tod als meine Schuld. Und das ärgert mich bis heute.»

«Ich glaube, dass diejenigen von uns, die auf diesen Bühnen standen, einige Menschen auf dem Gewissen haben. Wir alle, die uns nicht impfen liessen, sind grosse Feiglinge. Wir gingen auf die Plätze, und als wir sprachen, wussten wir, dass die Menschen starke Botschaften hören wollten. Sie haben also immer mehr provoziert», gesteht Pasquale Bacco heute. 

Über viele seiner Aussagen schüttelt der Arzt, der inzwischen für sechs Monate suspendiert wurde, den Kopf. Etwa als er behauptete, dass die Impfstoffe Leitungswasser enthielten oder als er meinte, dass die Särge von Bergamo alle leer gewesen seien. «Wir waren wirklich grosse Ar***löcher, ich mache keinen Hehl daraus, das ist die Wahrheit. Eines Tages werden wir über diese Dinge Rechenschaft ablegen müssen. Leider.» Er wolle deshalb «alle um Verzeihung» bitten – «auch wenn diese Verzeihung nutzlos ist».

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Hier findest du Hilfe:

BAG-Infoline Coronavirus, Tel.  058 463 00 00

BAG-Infoline Covid-19-Impfung, Tel. 058 377 88 92

Dureschnufe.ch, Plattform für psychische Gesundheit rund um Corona

Safezone.ch, anonyme Onlineberatung bei Suchtfragen

Branchenhilfe.chRatgeber für betroffene Wirtschaftszweige

Pro Juventute, Beratung für Kinder und Jugendliche, Tel. 147

Dargebotene Hand, Sorgen-Hotline, Tel. 143

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