Raiffeisen-CEO: «Wir haben viele Anfragen von guten Bankern»
Aktualisiert

Raiffeisen-CEO«Wir haben viele Anfragen von guten Bankern»

Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz konnte für 2013 ein Rekordergebnis verkünden. Im Interview mit 20 Minuten schwärmt er von seinem Job, zeigt sich aber auch selbstkritisch.

von
Yves Hollenstein
Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz: «Wir haben nicht mal unsere Geschäftsbedingungen auf Englisch übersetzt.»

Raiffeisen-Chef Pierin Vincenz: «Wir haben nicht mal unsere Geschäftsbedingungen auf Englisch übersetzt.»

Herr Vincenz, eine Milliarde Bruttogewinn in einem schwierigen Umfeld. Haben Sie mit einem solchen Ergebnis gerechnet?

Pierin Vincenz: Ich habe mir das zumindest erhofft, weil die Raiffeisen mit ihren 360 Genossenschaften doch sehr gut aufgestellt ist. Wir konnten feststellen, dass das Geschäftsmodell und die Art, wie wir Banking betreiben, durchaus auf Resonanz stösst und die Kunden uns ihr Vertrauen entgegenbringen.

Sie haben sich erst vor kurzem eine zweimonatige Auszeit gegönnt. Die Bank läuft trotzdem. Macht Sie das stolz oder gibt Ihnen das zu Denken?

Das sicher schön, andererseits aber auch ein Wermutstropfen, wenn man weg ist – und dann gibt es gleich ein Rekordergebnis (lacht). Nein, das macht mich schon stolz und zeigt mir auch, dass das Teamwork funktioniert und die Leistung des Einzelnen nur eine untergeordnete Rolle spielt. Sicher habe auch ich die Bank mitgeprägt. Aber gemacht und umgesetzt wird im Team. Und selbstverständlich muss einer hinstehen und die Bank vertreten. Aber die Ideen und Strategien werden von vielen gemacht.

Im Verleich zu anderen Banken-CEOs haben Sie anscheinend einen leichten Job. Die haben Skandale oder müssen haufenweise Stellen abbauen. Sie dagegen bewegen sich immer in der Komfortzone …

Klar habe auch ich mit den täglichen Problemen zu kämpfen. Aber ich empfinde meinen Job bei der Raiffeisen als sehr angenehm und bin dankbar für die Aufgaben, die ich ausführen darf. Aber nichtsdestotrotz haben auch wir mit Herausforderungen zu kämpfen. Und somit sind bin auch ich immer gefordert.

Warum ist bei Raiffeisen nicht wie bei anderen Banken von Kostendruck und Sparmassnahmen die Rede?

Wir haben schon auch eine Kostenthematik, das hat man in einem Retailgeschäft. Für mich ist jedoch wichtig, nicht immer nur von Vorsichtsmassnahmen zu reden, sondern Chancen wahrzunehmen. Und ich bin der Meinung, dass es momentan sehr viele Chancen für die Banken gibt. Wir versuchen in erster Linie diese Chancen zu nutzen. Aufwand zu verringern und Produktivität zu erhöhen gehört da natürlich auch dazu, aber vielleicht auf einem anderen Niveau.

Schon länger wird darüber diskutiert, ob die Raiffeisen als systemrelevant gelten soll. Mit dem guten Jahresergebnis dürfte diese Diskussion noch einmal neuen Nährboden erhalten …

Ob systemrelevant oder nicht, an unserem Erfolg und unserem Geschäftsmodell wird dies nichts ändern.

Ihr Bestand an Hypotheken steigt und steigt. Gleichzeitig warnt die Schweizerische Nationalbank vor einer drohenden Immobilienblase. Wie gross ist die Gefahr für die Raiffeisen?

Es ist in der Tat eine grosse Nachfrage nach Wohneigentum vorhanden. Und die tiefen Zinsen heizen diese Nachfrage auch weiter an. Wir erwarten jedoch ein «Soft Landing» des Schweizer Immobilienmarkts und kein Platzen einer Blase.

Brady Dougan, Chef der Credit Suisse, musste sich am Mittwoch dem US-Senat stellen, wegen mutmasslicher Beihilfe zur Steuerhinterziehung. Können Sie ausschliessen, dass das bei der Raiffeisen jemals der Falls sein wird?

Ich kann garantieren, dass wir nie irgendwelche Strategien oder Systeme hatten, um die Steuerhinterziehung zu forcieren. Nicht einmal unsere Geschäftsbedingungen haben wir auf Englisch übersetzt. Also kann ich mit einem ziemlich hohen Grad an Sicherheit behaupten, dass das bei uns nicht der Fall ist.

Würden Sie die Hand dafür ins Feuer legen, dass Ihre Mitarbeiter keine unlauteren Methoden zur Kundengewinnung verwenden?

Die Hand ins Feuer legen ist in unsere Branche immer eine ziemlich heikle Sache, da es auch immer um Risiko geht. Doch ich kann ziemlich nah mit der Hand ans Feuer gehen und sagen, dass wir davon verschont sind. Aber wir sind 10'000 Mitarbeiter in der Schweiz – und da kann man so etwas nie gänzlich ausschliessen.

Raiffeisen ist ein grosser Player im Schweizer Bankenmarkt, ist erfolgreich und gilt als attraktiver Arbeitgeber. Wie viele Banker wollen bei Ihnen arbeiten?

Genauso attraktiv wie wir für die Kunden, möchten wir auch für unsere Mitarbeiter sein. Und es ist schon so, dass wir sehr viele Anfragen von qualifizierten Bankern haben. Wir sind in der komfortablen Lage, auslesen zu können. Wichtig ist aber, dass jeder neue Mitarbeiter zu unserem Geschäftsmodell und unserer Kultur passt.

Raiffeisen knackt die Milliardenschwelle

Die drittgrösste Schweizer Bank machte erstmals einen Bruttogewinn von über einer Milliarde Franken. Der Erfolg aus dem Zinsengeschäft stieg um 1,8 Prozent auf 2,13 Milliarden Franken. Diese Steigerung gründet hauptsächlich auf einer Ausweitung des Hypothekarvolumens. Der nach eigenen Angaben grösste Hypothekenfinanzierer der Schweiz mit einem Marktanteil von über 16 Prozent steigerte sein Hypothekarvolumen um 5,7 Prozent auf 143,7 Milliarden Franken. Raiffeisen-Finanzchef Marcel Zoller sagte an der Bilanzmedienkonferenz am Hauptsitz in St. Gallen, der Hypothenbestand sei sehr solide. Die durchschnittliche Belehnung bei von Kunden selbstgenutztem Wohneigentum liege bei 60 Prozent.

Das Knacken der Milliardengrenze beim Bruttogewinn geht mit einer Steigerung von 15 Prozent gegenüber dem Vorjahr einher. Auch der Gruppengewinn liegt mit 716,5 Millionen Franken auf Rekordniveau. (SDA)

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