Aktualisiert 02.10.2012 07:18

GC-Präsident André Dosé

«Wir haben weniger als die Hälfte erledigt»

Mit einer Entrümpelungsaktion hat André Dosé vor einem halben Jahr das Amt des GC-Präsidenten übernommen. Die Radikalität hat sich gelohnt: Die Grasshoppers sind erstmals seit 2006 Leader.

von
Eva Tedesco

Präsident André Dosé äussert sich zum Sieg gegen St. Gallen und zur Arbeit, die noch auf GC wartet. (Video: 20 Minuten Online)

In der letzten Saison fast abgestiegen, abgeschrieben und totgesagt – nun ist GC wieder da. Erstmals seit Oktober 2006 sind die Grasshoppers Tabellenführer in der Super League. Die Mannschaft von Trainer Uli Forte fügte dem bisherigen Leader St. Gallen die erste Saisonniederlage zu und steht nach elf Runden an der Tabellenspitze.

«Die Grasshoppers werden in der neuen Saison ein anderes Gesicht haben», sagte André Dosé bei seinem ersten offiziellen Auftritt als GC-Präsident am 31. März 2012. Seine Worte wurden damals mit einem müden Lächeln zur Kenntnis genommen. 184 Tage später hat sich die Aussage des Präsidenten bewahrheitet. GC ist eine Einheit geworden. Eine Mannschaft, die schwer auszuspielen ist. Sie besticht durch Zusammenhalt, Seriosität und Leidenschaft.

Ein Optimist als Baumeister

Doch selbst ihr «Baumeister» ist vom aktuellen Erfolg ein bisschen überrumpelt. «Ich habe gewusst, dass die Mannschaft passt. Aber dass wir gleich so einen Lauf haben werden und nun mittlerweile sieben Spiele zu Null gewonnen haben, hätte ich nie gedacht – obwohl ich ein Optimist bin», sagte Dosé nach dem 1:0-Sieg gegen die Espen am Montagabend. Er konnte das Glück kaum fassen, als auf dem Bildschirm die Tabelle der Super League eingeblendet wurde.

Es ist aber nicht nur die Mannschaft, die langsam Strukturen annimmt. Der neue Geist wird im ganzen Verein sichtbar. Dafür hat Dosé mit der Vergangenheit Tabula rasa gemacht. 37 Spieler hatte GC bei seiner Ankunft im Kader. Der Manager kürzte es bis auf 25 Stück. Und auch in anderen Bereichen setzte er den Rotstift an. Neben Ciri Sforza entliess er den kompletten Trainerstaff. Auch Nachwuchschef Matthias Walther musste den Hut nehmen. Insgesamt sollen es in der Administration zwölf Kündigungen gewesen sein. Nichts und niemand soll an die erfolglosen letzten Jahre erinnern – nichts und niemand soll den Neuaufbau stören.

Bisher weniger als die Hälfte erledigt

Dosé setzt nicht auf falsche Bescheidenheit. Erfolg kostet. Das weiss der ehemalige CEO von Crossair, Swiss und Gulf Air. Deshalb soll das Budget von einst 16 Millionen Franken «sukzessive erhöht werden». Eine konkurrenzfähige Mannschaft mit mehr Qualität sei eine zwingende Voraussetzung dafür. Investitionen in Routiniers wie Vero Salatic und Stéphane Grichting, aber auch Wolfsburg-Leihgabe Ben Khalifa, der von den YB-Verantwortlichen in der letzten Saison als nicht gerade günstig bezeichnet worden ist, haben sich bereits gelohnt.

«Es ist immer schwierig, so etwas zu finanzieren», so Dosé, «aber Erfolg hilft sicherlich. Wir müssen aber noch unheimlich viel arbeiten. Ich habe in der zweiten Halbzeit unglaubliche Sachen gesehen, die uns nicht passieren dürfen. Wir haben im sportlichen Bereich noch viel Arbeit vor uns und auch im finanziellen. Wir haben jetzt gleich viele Punkte wie in der letzten Saison – nämlich 26. Ich sehe Licht am Ende des Tunnels. Aber wie gesagt: Es gibt noch unglaublich viel zu tun. Wir haben bisher weniger als die Hälfte erledigt.»

Eine Momentaufnahme – mehr nicht

Egal ob Captain Vero Salatic, Rekord-Torhüter Roman Bürki (seit 630 Minuten ohne Gegentreffer) oder Trainer Uli Forte: Das Wort «Momentaufnahme« scheint derzeit bei GC gerade sehr en vogue zu sein. «Das ist doch auch klar», so Uli Forte, «denn mit diesem ersten Platz können wir uns nichts kaufen. Es sind erst elf Partien gespielt. Wir müssen auf diesem Weg weitermachen. Ob wir dann am Ende auch noch ganz oben stehen, werden wir sehen. Aber ich würde mich natürlich nicht dagegen wehren.»

Bis mindestens zum nächsten Wochenende kann GC die Tabellenführerschaft auf jeden Fall geniessen – ein Platz, den der Rekordmeister aus Zürich aus früheren Zeiten gut kennt. Erinnerungen, die ganz weit weg waren. Im Moment sind sie bei den Fans wieder wacher denn je.

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