Chef als Geisel: «Wir halten sie im Büro fest»
Aktualisiert

Chef als Geisel«Wir halten sie im Büro fest»

In Frankreich haben Arbeiter zum dritten Mal in nur wenigen Wochen aus Wut über Stellenstreichungen die Firmenspitze ihres Unternehmens gefangen genommen.

Mitarbeiter des Baumaschinenherstellers Caterpillar sperrten den Frankreich-Chef und drei weitere Manager am Dienstagmorgen für mehrere Stunden im Büro des Standortleiters im südostfranzösischen Grenoble ein. Die US-Firma will in Frankreich 733 Stellen streichen.

«Caterpillar macht Gewinne und zahlt Dividenden an seine Aktionäre, daher wollen wir eine vernünftige Lösung für alle unsere Mitarbeiter», begründete Gewerkschaftssprecher Pierre Piccarreta die Protestaktion. Man plane keine Gewalt gegen die Manager, sondern wolle die Wiederaufnahme der Verhandlungen erzwingen.

Manager sind wieder frei

Am Mittag räumte die Polizei die besetzten Fabrikbereiche, und die vier Manager kamen frei, wie eine Behördensprecherin mitteilte. «Die Lage ist ruhig, die Verhandlungen werden fortgesetzt», sagte sie.

Die 2500 Caterpillar-Mitarbeiter in der Alpenstadt Grenoble hatte am Dienstag die Arbeit niedergelegt, nachdem die Unternehmensführung Verhandlungen über höhere Abfindungen am Montag abgebrochen hatte.

Mitte März hatten Angestellte von Sony den Frankreichchef des Unternehmens eine Nacht in einer Fabrik eingesperrt. Vergangene Woche war ein Werksdirektor des amerikanischen Konzerns 3M für eine Nacht als Geisel genommen worden. Stellenstreichungen nahmen die Firmen nicht zurück, erklärten sich aber zu Neuverhandlungen über Abfindungen bereit. Auch der deutsche Reifenhersteller Conti bekommt die Wut französischer Arbeiter zu spüren. Bei einer Konferenz des Vorstandes in Reims waren Puppen verbrannt worden. (sda)

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