Racial-Profiling-Prozess: «Wir hatten ein faires Verfahren erwartet»

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Racial-Profiling-Prozess«Wir hatten ein faires Verfahren erwartet»

Der Anwalt von Wilson A. hat am Freitag mitgeteilt, dass man den Freispruch der drei Stadtpolizisten so nicht akzeptieren werde und deshalb in Berufung gehe.

von
mon
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Wilson A. beschuldigte drei Polizisten, ihn bei einer Polizeikontrolle verletzt und rassistisch beschimpft zu haben.

Wilson A. beschuldigte drei Polizisten, ihn bei einer Polizeikontrolle verletzt und rassistisch beschimpft zu haben.

Keystone/Walter Bieri
Das sah das Bezirksgericht Zürich anders und sprach die drei Polizisten frei.

Das sah das Bezirksgericht Zürich anders und sprach die drei Polizisten frei.

Keystone/Walter Bieri
Sein Anwalt Bruno Steiner hat nun bekannt gegeben, dass sie in Berufung gehen werden.

Sein Anwalt Bruno Steiner hat nun bekannt gegeben, dass sie in Berufung gehen werden.

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Nach dem Freispruch für zwei Polizisten und eine Polizistin der Stadtpolizei Zürich geht der Racial-Profiling-Prozess um Wilson A. in die nächste Runde: «Nach reiflicher Überlegung haben wir uns entschieden, in Berufung zu gehen», teilt Bruno Steiner, Anwalt von Wilson A., am Freitag mit.

Gericht glaubte Kläger nicht

Der Prozess hatte im April für Aufsehen gesorgt. Die drei Stadtpolizisten standen vor Gericht, weil sie ihm Rahmen einer Kontrolle den aus Nigeria stammenden Kläger Wilson A. zusammengeschlagen haben sollen, obwohl er mehrmals darauf hingewiesen habe, dass er erst kürzlich am Herzen operiert worden sei.

Das sah das Bezirksgericht Zürich anders und sprach die drei Polizisten vom Vorwurf des Amtsmissbrauchs und Gefährdung des Lebens frei. Das Urteil wurde mit der ungenügenden Beweislage begründet. Zudem erachtete das Gericht die Aussagen von A. als wenig glaubhaft.

Man wollte nur ein faires Verfahren

Entsprechend gross war die Enttäuschung bei den Verlierern nach der Urteilsverkündung: «Wie üblich in solchen Fällen wurde alles, was unser Klient aussagte, als unglaubhaft abgetan, und alles, was die angeklagten Funktionäre zu Protokoll gaben, als überzeugend hochgelobt», so Steiner.

Dabei habe man nur ein faires und gesetzeskonformes Verfahren verlangt – nicht mehr und nicht weniger, so Steiner. Es sei aber schon im Vorfeld absehbar gewesen, «dass wir dieses Ringen vor erster Instanz um Wahrheit und Gerechtigkeit verlieren würden». Man habe vor, den Fall zunächst vors Obergericht Zürich und später möglicherweise bis vor den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte zu bringen.

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