«Liebling, lass uns scheiden»: «Wir hatten einen super Paartherapeuten!»

Aktualisiert

«Liebling, lass uns scheiden»«Wir hatten einen super Paartherapeuten!»

In der Komödie «Liebling, lass uns scheiden» gibt Marco Rima den Hausmann in der Ehekrise. 20 Minuten verrät er im Interview, wieviel eigene Erfahrung in diese Geschichte eingeflossen ist.

von
portmann-media.com

Liebling, lass uns scheiden - Trailer

Hand aufs Herz: Sind in den Film auch private Erfahrungen eingeflossen, da Sie selbst geschieden (Video) sind?

Marco Rima: Interessanterweise lacht man oft über Sachen, die sehr tragisch oder traurig waren. Meine damalige Frau und ich hatten einen super Paartherapeuten, den Herrn Angst. Wenn man mal alles auf den Tisch legt, fährt man manchmal weinend nach Hause, aber interessanterweise kann man Jahre später über vieles auch lachen oder hätte gemeinsam darüber lachen können. So entstehen Komödien. Natürlich musste die Paartherapie dann auch unbedingt im Film stattfinden. Besonders weil es dort um die kleinen Lügen geht: «Gibt es einen anderen?» «Nein, es gibt keinen anderen». Bei mir kam natürlich die umgekehrte Frage und beim Abschied meinte der Paartherapeut, dass wir dann nochmal telefonieren würden. Da habe ich mich schon gefragt, was er weiss, das ich vielleicht auch weiss (lacht). Diese persönlichen Ereignisse und Erfahrungen lässt man in eine Komödie einfliessen. Ganz klar.

Der Film ist sehr aufwändig inszeniert und war dadurch sicher auch nicht billig...

Wenn wir das alles hätten bezahlen müssen, hätte der Film wohl das Doppelte gekostet. Wir bewegen uns in einem Bereich von sechs bis sieben Millionen. Das hat damit zu tun, dass die Schweiz ein hervorragender, filmfreundlicher Platz ist. Mein Mitproduzent und Kameramann, Hans Syz, hat viele Connections und Freunde und ermöglichte uns dadurch vier Tage am Klotener Flughafen in Zürich zu drehen. Das geht normalerweise nicht, da es viel Geld kostet, man spezielle Sicherheitsbestimmungen beachten muss und vieles mehr. Möglich wurde das, da man hier Menschen findet, die Spass an Filmen haben und einen unterstützen. Wir haben dadurch sicher einen Film gedreht, der teurer aussieht als er tatsächlich war. Was für Schweizer Verhältnisse immer noch viel ist, etwa 3,5 Millionen. Im Vergleich mit einem amerikanischen Film entspricht das etwa einem Zehntel. Aber mit denen wird man verglichen, daher muss der Film gut aussehen, schnell und lustig sein.

In der Geschichte werden viele Erlebnisse über Traumsequenzen bzw. Hommagen (Video) an Filmklassiker erzählt. Hat das auch mit Ihrer eigenen Liebe zu Filmen zu tun?

Ja, das ist tatsächlich so. Mein erster Flashback war «Gold Rush», mit dem man die Geschichte von Franzi und Oliver in kurzen Momenten erzählen kann. Ich verliere den Job, sie wird geholt, ich passe auf die Kinder auf und bin alleine. Das könnte man natürlich über verschiedene Szenen erzählen und so können wir mit diesen Flashbacks und Filmzitaten eine Geschichte sehr schnell vorantreiben. Das ist farbig, witzig, verleiht dem Film eine spezielle Pointe und erzählt den Geschichtsstrang stringent und schnell. Das hat mir viel Freude gemacht.

Richtet sich der Film auch besonders an ein Publikum, das bereits eine Krise (Video) erlebte oder gerade drin steckt?

Ich mache Filme für alle Generationen. Junge können lachen, die Älteren können sich aufgrund ihrer Erfahrung auch wiedererkennen und wer lange verheiratet ist, geht mit dem Gefühl raus: «Wir haben das eigentlich ganz gut gemacht». In erster Linie will der Film gute Unterhaltung bieten. Auf der anderen Seite kann er Menschen, die sich in einer so schwierigen Situation befinden und nicht wissen wie es weitergeht, auch Hoffnung bedeuten. Gerade auch weil es ein Weihnachtsfilm ist. Manchmal vergisst man, sich ehrlich zu suchen und meint, das Feuer sei erloschen. Aber in einer Feuerstelle hat es immer noch ein wenig Glut und die kann man auch wieder zu einem Feuer entfachen. Das ist eine zarte, versteckte Information oder Message an die Menschen, die sich den Film anschauen.

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