Schneefall und Lawinen im Wallis: «Wir hören immer wieder, wie der Schnee ins Tal donnert»
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Schneefall und Lawinen im Wallis«Wir hören immer wieder, wie der Schnee ins Tal donnert»

Der Kanton Wallis versinkt im Schnee. In manchen Gemeinden fallen seit Mittwoch ununterbrochen Schneeflocken vom Himmel. Wegen der grossen Lawinengefahr, dürfen Bewohner mancherorts ihre Häuser nicht mehr verlassen und Strassen sind gesperrt.

von
Christian Holzer
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Auf der Belalp kippte ein Räumungsfahrzeug angesichts der grossen Schneemassen zur Seite. 

Auf der Belalp kippte ein Räumungsfahrzeug angesichts der grossen Schneemassen zur Seite.

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Im Kanton Wallis schneit es seit Mittwoch praktisch durch.

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Die Gefahrenstufe für Lawinen liegt derzeit auf Stufe vier von fünf.

Die Gefahrenstufe für Lawinen liegt derzeit auf Stufe vier von fünf.

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Darum gehts

  • Im Kanton Wallis fallen seit Mittwoch grosse Schneemassen vom Himmel.

  • Aktuell herrscht eine Lawinengefahr der Stufe vier von fünf.

  • Für das Wochenende wird mit weiterem Schneefall gerechnet.

  • Der Kanton hat Massnahmen ergriffen.

  • Die Bevölkerung versucht mit dem Schnee klarzukommen.

Angesichts des enormen Schneefalls der letzten Tage und mit Ausblick auf weitere schneereiche Tage hat der Kanton Wallis teilweise Strassen gesperrt und ruft in verschiedenen Gemeinden die Bevölkerung dazu auf, in den Häusern zu bleiben (siehe Box). «Es schneit seit Mittwoch einfach durch», sagt Patrick F.*, der derzeit auf der Belalp Ferien macht. Er müsse alle drei Stunden Schneeschaufeln gehen, damit das Haus nicht vollends im Schnee versinke. Auch die Gemeinde sei im Dauereinsatz – und stösst offenbar an ihre Grenzen: «Ein Räumungsfahrzeug kam nicht gegen die Schneemasse an und kippte in der Folge auf die Seite. Seither liegt es dort.» Wegen des Wetters könne die Gemeinde das Fahrzeug nicht bergen. «Ich sorge mich etwas um die Schneemenge auf den Dächern. Sie ist über zwei Meter», sagt F., der sich beruflich mit Statik auskennt. Bisher sei jedoch noch kein Dach zusammengebrochen.

Tägliche Lawinensprengungen

20-Minuten-Leserin B. C.* ist derzeit auf der Fiescheralp in den Winterferien. Anfangs habe sie sich richtig über den Schneefall gefreut, aber jetzt habe sie manchmal ein ungutes Gefühl: «Den ganzen Vormittag höre ich, wie Lawinen gesprengt werden und dann den Berg hinunter grollen. Das ist eindrücklich, aber auch etwas verängstigend.» Daniel Meyer, Bereichsleiter Pisten- und Rettungsdienst auf der Fiescheralp, hat seit Mittwoch alle Hände voll zu tun: Zwischen vier Uhr in der Früh und 11 Uhr ist sein Team für den Lawinendienst zuständig: «Wir lösen derzeit bis zu 40 Lawinensprengungen pro Tag aus». Weil bei diesem Wetter der Helikopter nicht fliegen könne, würden viele Sprengmittel von Hand und auf den Skiern ausgelöst.

Diese Nacht zeichne sich eine kurze Verschnaufpause ab. Es soll für einige Stunden aufhören zu schneien – das erste Mal seit Mittwoch. Er spricht von einer angespannten Lage: «Wir haben bisher alles gut unter Kontrolle, um kritische Situationen zu vermeiden.»

Abgeschnitten im Lötschental

Im Lötschental wurden wegen der hohen Lawinengefahr (Stufe 4) die Verbindungsstrassen der meisten Dörfer gesperrt. Die Bevölkerung wird zudem vom Kanton angehalten, Gebäude möglichst nicht zu verlassen. Seit 24 Stunden ist die Bevölkerung dort von der Aussenwelt abgeschnitten. «Wir hören immer wieder, wie der Schnee ins Tal donnert», sagt Esther Bellwald, Besitzerin des Hotels Nest Bietschhorn. Die 43-Jährige lebt schon ihr ganzes Leben im Lötschental. «Sorgen mache ich mir keine. Die Dörfer sind sicher gelegen – das ist jahrhundertealtes Wissen.» Es sei weder das erste noch das letzte Mal, dass im Tal die Strassen wegen der hohen Lawinengefahr gesperrt werden müssen: «Aus diesem Grund haben wir immer gut gefüllte Vorratskammern.» Den aktuell zehn Gästen würde es an nichts fehlen.

Wirtschaftlich sei die aktuelle Lawinengefahr jedoch ein grosses Problem: «Wir wären am Wochenende ausgebucht gewesen. Die Gäste können nun aber leider nicht anreisen.» In der schweren Corona-Zeit sei der Wegfall eine zusätzliche Belastung.

*Name der Redaktion bekannt

Korrektur: In einer früheren Version dieses Artikels war von der Gemeinde Bellwald die Rede. Es handelt sich jedoch um die Belalp, die im Schnee versinkt.

Appell der Kapo

Die Kantonspolizei Wallis richtet einen Appell an die Öffentlichkeit: In den letzten Tagen seien im Kanton Wallis erhebliche Schneemengen gefallen. «Übers Wochenende werden weitere Niederschläge erwartet. Die Lawinengefahr bleibt auf dem gesamten Kantonsgebiet gross (Stufe 4)», schreibt die Kapo in einer Mitteilung. Der Bevölkerung wird empfohlen, ihre Bewegungen im Freien einzuschränken, die Signalisierungen zu beachten und sich von Lawinenzonen fernzuhalten. «Selbst wenn bereits Lawinen abgegangen sind, könnten weitere folgen und Personen überraschen, die sich in der Nähe befinden.» Aktivitäten ausserhalb der Pisten sollten möglichst vermieden werden.

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