Hans Grunder: «Wir hoffen, dass Bundesrat Schmid bleibt»
Aktualisiert

Hans Grunder«Wir hoffen, dass Bundesrat Schmid bleibt»

Die SVP-Dissidenten gründen am Samstag ihre nationale Partei: Die BDP Schweiz soll Gründungen in weiteren Kantonen unterstützen, sagt der künftige BDP-Präsident Hans Grunder im Interview mit 20 Minuten Online. Er hofft, dass BDP-Bundesrat Samuel Schmid im Amt bleibt.

von
Lukas Mäder

Die ersten kommunalen Wahlen mit der BDP fanden am Wochenende im bernischen Oberhofen statt. Sind Sie mit dem Resultat zufrieden?

Hans Grunder: Sehr zufrieden. Wir konnten drei Sitze machen, wovon einen in stiller Wahl. Unser erster Test verlief erfolgreich. Und das erst noch im Berner Oberland, wo die SVP traditionell stark ist.

Sind Sie mit der Entwicklung der BDP im Kanton Bern zufrieden?

Grunder: Ja. Die BDP Bern ist eine Erfolgsstory. Es läuft besser als erwartet. Die Partei wird weiterwachsen und unser Ziel von 2000 Mitgliedern bis Ende Jahr locker erreichen. Die kommunalen Wahlen werden uns nochmals einen Schub verleihen. Denn Erfolg bringt neue Mitglieder.

Wie kommt die BDP schweizweite voran?

Grunder: Gut. Unsere drei Sektionen in Glarus, Bern und Graubünden haben insgesamt rund 4000 Mitglieder. Bereits im November stehen weitere Parteigründungen im Thurgau und Aargau an.

In welchen Kantonen könnten ebenfalls noch BDP-Sektionen entstehen?

Grunder: In St. Gallen und Zürich tut sich etwas. Es gibt erste Kontakte zu Interessierten. Ich bin zuversichtlich, dass wir in einem halben Jahr einige weitere BDP-Sektionen haben. Aber wichtig ist jetzt, dass wir als erstes eine schweizweite Partei gründen.

Warum?

Grunder: Die BDP Schweiz wird kantonale Neugründungen supporten. Zudem schauen wir, wie wir in der Westschweiz Fuss fassen können. Ein politisches Dach ist aber auch nötig, um auf nationaler Ebene zu agieren. Bisher hatten wir keine schweizweite Ansprechperson. Mit einer BDP Schweiz können wir auch zu nationalen Themen besser und professioneller Stellung beziehen.

Mit welchem Parteiprogramm wollen Sie sich von der SVP abgrenzen?

Grunder: Unser erstes Parteiprogramm werden wir an der Gründungsversammlung am Samstag vorstellen. Einige Themen, die wir herausstreichen wollen, sind Umwelt, Bildung und Familie. Zuviel will ich aber noch nicht verraten.

Wochenlang war unklar, wer BDP-Präsident wird. Warum dauerte ihr Entscheid so lange?

Grunder: Das Problem lag bei mir. Ich habe Respekt vor dieser Aufgabe und wollte den Entscheid nicht leichtfertig fällen. Ich musste zuerst schauen, ob ich mir den nötigen Freiraum schaffen kann. In meinem Unternehmen habe ich nun die operative Geschäftsführung verstärkt, was mich entlastet. Bei meinen anderen Aufgaben war das nicht möglich.

Als zweiter Kandidat für das Präsidium galt der Berner Ständerat Werner Luginbühl. Gab es eine Ausmarchung zwischen Ihnen?

Grunder: Nein, absolut nicht. Wenn er das Präsidentenamt hätte übernehmen wollen, wäre das für mich eine gute Lösung gewesen. Aus beruflichen Gründen lehnte er aber ab.

Der BDP fehlt weiterhin ein fünfter Nationalrat für eine eigene Fraktion. Hoffen Sie noch auf den Übertritt eines Nationalrats?

Grunder: Das ist in der Tat ein Wermutstropfen. Ich bin aber zuversichtlich, dass wir bis Ende Jahr eine eigene Fraktion haben werden. Die Chancen liegen bei über 50 Prozent, dass ein zusätzlicher Nationalrat zur BDP übertritt.

Wäre auch der Anschluss an eine andere Fraktion möglich?

Grunder: Ja. Für uns steht die FDP-Fraktion im Vorgrund. Wir haben erste Gespräche geführt, weitere werden folgen. Ich bin zuversichtlich, dass wir mit der FDP eine Lösung finden.

Der FDP bereiten die BDP-Bundesräte Sorgen.

Grunder: Die Mitgliedschaft unserer Bundesräte in der FDP-Fraktion ist ein Diskussionspunkt. Ich habe Verständnis für die FDP. Ihre Gegner könnten argumentieren, dass sie vier Bundesräte in ihrer Fraktion hätte. Die mögliche Lösung ist, dass unsere Bundesräte Samuel Schmid und Eveline Widmer-Schlumpf fraktionslos bleiben. Das haben wir aber noch nicht ausdiskutiert.

Der Glarner Nationalratssitz wird frei. Tritt die BDP an, um so zum fünften Nationalrat zu kommen?

Grunder: Ich bin deswegen selbstverständlich im Gespräch mit den Glarnern. Es sieht nicht allzu schlecht aus für eine BDP-Kandidatur. Unsere Chancen sind hoch, wenn wir einen guten Kandidaten ins Rennen schicken. Denn im Kanton Glarus ist bei Wahlen die Persönlichkeit wichtiger als die Parteizugehörigkeit.

Der Druck auf Ihren Bundesrat Samuel Schmid ist schwächer geworden. Stellt die BDP 2009, ein gutes halbes Jahr nach ihrer Gründung, bereits den Vizebundespräsidenten?

Grunder: Das ist sehr gut möglich. Ich geht davon aus, dass Bundesrat Schmid im Amt bleibt. Ausser es gibt eine völlig neue Situation mit mehreren Vakanzen. Wir hoffen aber, dass er Bundesrat bleibt.

Bundesrat Schmid ist also keine Belastung für die BDP?

Grunder: Nein. Wir sind aber froh, wenn Bundesrat Schmid bald bekannt gibt, ob er bleibt oder nicht.

Der 52-jährige Berner BDP-Nationalrat Hans Grunder ist Chef eines von ihm gegründeten Ingenieurbüros in Hasle-Rüegsau im Emmental. Zudem ist Verwaltungsratspräsident des Langnauer Eishockeyclubs SCL Tigers. Vor einem Jahr wurde Grunder für die SVP in den Nationalrat gewählt. Grunder war im Frühjahr 2008 an der Operation Bubenberg beteiligt, die eine Spaltung der Berner SVP verfolgte. Mit dabei war damals auch Bundesrat Samuel Schmid, als dessen Freund Grunder gilt. (mdr)

Der 52-jährige Berner BDP-Nationalrat Hans Grunder ist Chef eines von ihm gegründeten Ingenieurbüros in Hasle-Rüegsau im Emmental. Zudem ist Verwaltungsratspräsident des Langnauer Eishockeyclubs SCL Tigers. Vor einem Jahr wurde Grunder für die SVP in den Nationalrat gewählt. Grunder war im Frühjahr 2008 an der Operation Bubenberg beteiligt, die eine Spaltung der Berner SVP verfolgte. Mit dabei war damals auch Bundesrat Samuel Schmid, als dessen Freund Grunder gilt. (mdr)

Der 52-jährige Berner BDP-Nationalrat Hans Grunder ist Chef eines von ihm gegründeten Ingenieurbüros in Hasle-Rüegsau im Emmental. Zudem ist Verwaltungsratspräsident des Langnauer Eishockeyclubs SCL Tigers. Vor einem Jahr wurde Grunder für die SVP in den Nationalrat gewählt. Grunder war im Frühjahr 2008 an der Operation Bubenberg beteiligt, die eine Spaltung der Berner SVP verfolgte. Mit dabei war damals auch Bundesrat Samuel Schmid, als dessen Freund Grunder gilt. (mdr)

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