HC Lugano: «Wir holen Robitaille nicht zurück»
Aktualisiert

HC Lugano«Wir holen Robitaille nicht zurück»

Lugano hat seinen Trainer doch noch entlassen. Sportchef Habisreutinger sagt, wie es weiter geht und warum der ausländische Torhüter Caron kaum spielte.

von
Klaus Zaugg
Roland Habisreutinger: «Es wird bei uns niemals eine Vater-Sohn Konstellation geben.»

Roland Habisreutinger: «Es wird bei uns niemals eine Vater-Sohn Konstellation geben.»

Der Aroser Roland Habisreutinger (37) kennt das Eishockey aus allen Perspektiven: Er war ein mittelmässiger Verteidiger (27 NLA-Spiele für den ZSC, 51 NLB-Partien für Herisau und Sierre/1 Skorerpunkt), später ein erfolgreicher Spieleragent, dann mit gutem Erfolg Sportchef in Kloten. Heute sitzt er in der gleichen Funktion in Lugano auf einem sturmumtosten Stuhl.

Warum haben Sie mit der Entlassung von Trainer Philippe Bozon so lange zugewartet?

Roland Habisreutinger: Ach, Sie haben sich doch schon längst Ihre Meinung gemacht.

Nein, nein, ich möchte es von Ihnen hören.

Wir haben bis zuletzt daran geglaubt, dass er die Wende schaffen kann. Aber die Resultate haben uns schliesslich keine andere Wahl gelassen.

Können wir bösartigerweise sagen, dass Bozon auch ein Opfer des Sportchefs ist? Sie haben neun Ausländer unter Vertrag und keiner erfüllt die Erwartungen.

Das können Sie so sagen. Aber ich gebe zu bedenken, dass diese Ausländer am Anfang durchaus die Erwartungen erfüllt haben. Nach einigen Spielen haben alle gesagt, Josh Hennessy sei genau der Ausländer, den die Mannschaft braucht. Mark Popovic hat in seinen ersten Partien die Abwehr stabilisiert. Chris Bourque hat in den ersten Partien hervorragend gespielt. Aber keiner hat sein Leistungsniveau halten können.

Das wird auch am Trainer liegen.

Das sagen Sie.

Warum haben Sie mit Sébastien Caron einen ausländischen Torhüter geholt und zuletzt doch wieder David Aebischer spielen lassen?

Weil wir vier ausländische Feldspieler brauchten.

Sie hätten ja einen weiteren Junioren einsetzen können - das wäre bei der aktuellen Form Ihrer ausländischen Feldspieler nicht aufgefallen.

Das Problem ist ein ganz anderes. Wir setzten bereits jetzt bei unseren Elite-Junioren sieben Novizen-Junioren ein. Wir können ganz einfach nicht noch mehr Junioren in unserer ersten Mannschaft einsetzen ohne unsere Elite-Junioren zu schwächen.

Sie haben ja noch hochkarätige Reserven.

So? Welche?

Randy Robitaille, Der zweimalige NLA-Topskorer Randy Robitaille steht bei Ihnen nach wie vor auf der Lohnliste und macht Ferien in Kanada. Und Nationalverteidiger Timo Helbling spielt zurzeit in Finnland. Sie können beide zurückholen.

Nein. Robitaille und Helbling kehren nicht zum HC Lugano zurück.

Definitiv?

Definitiv.

Wie lange wird Mike McNamara die Mannschaft trainieren?

Wir suchen so schnell wie möglich einen neuen Coach. McNamara leistet sehr gute Arbeit bei unseren Elite-Junioren und wir wollen, dass er so bald wie möglich dort weiter arbeiten kann.

Der perfekte Nachfolger steht ja bereit.

So? Wer?

Andy Murray. Er kennt unser Hockey, er hat über 700 NHL-Spiele gecoacht. Er wird zurzeit noch von St. Louis bezahlt, ist aber ohne Job. Sein Sohn und seine Tochter spielen bereits in Lugano.

Es wird bei uns niemals eine Vater-Sohn Konstellation geben.

Was heisst das?

Das, was ich sage: Es wird bei uns niemals einen Trainer Andy Murray und einen Spieler Brady Murray geben.

Das ist kein Problem.

Wieso nicht?

Sie können ja den Sohn feuern und den Vater holen.

Ja, ja, ja, Ihre guten Ratschläge. Nehmen Sie einfach zur Kenntnis: Es wird bei uns keine Vater-Sohn-Konstellation geben. Andy Murray ist kein Thema.

Welches Profil muss der neue Trainer haben?

Dieses Anforderungsprofil breiten wir nicht in der Öffentlichkeit aus. Aber wenn wir unseren neuen Trainer gefunden haben, dann können wir darüber reden.

Ist Ihr Job in Gefahr?

Nein, ich gehe nicht davon aus. Aber ich bin kein Träumer. Im Sport müssen irgendeinmal die Resultate stimmen. Sonst muss man gehen.

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