Xherdan Shaqiri: «Wir können die ganze Schweiz stolz machen»
Aktualisiert

Xherdan Shaqiri«Wir können die ganze Schweiz stolz machen»

Xherdan Shaqiri galt als Hoffnungsträger der Nati. Der Bayern-Söldner kam an der WM bislang aber noch nicht auf Touren und nervt sich ob der Kritik an seiner Person.

von
Eva Tedesco
Porto Seguro

Xherdan Shaqiri: Nach den ersten beiden WM-Spielen sind Sie kritisiert worden. Wie gehen Sie damit um?

Xherdan Shaqiri: Klar, wird man kritisiert, wenn man keine Tore oder Assists schafft. Aber mit meiner Leistung war ich zufrieden. Kritik gehört dazu, aber man darf nicht vergessen, ich bin genau gleich wie alle anderen. Für mich ist wichtig, dass die Mannschaft weiss, dass ich alles für sie tue.

Aber das viel von Ihnen abhängt, ist Tatsache. Oder?

Klar kann ich Spiele entscheiden. Es hängt nicht alles an mir. Es nervt mich grausam, dass immer alles wegen mir geschrieben wird. Wir sind elf auf dem Platz. Ich brauche die Mannschaft, die Mannschaft braucht mich. Von hinten nach vorne dribbeln geht nicht. Wir sind nicht Spanien, nicht Brasilien, wir sind die kleine Schweiz, und auch wenn ich bei einem grossen Verein spiele, geht es nur als Mannschaft.

Einige Spieler sagten nach dem Debakel gegen Frankreich, man müsse wieder mit den Füssen am Boden bleiben. Sehen Sie das auch so?

Ich glaube, überheblich waren wir nie. Aber wir waren in beiden Spielen nicht bereit. Wir haben in der ersten Halbzeit gegen Frankreich nicht gezeigt, was wir normalerweise können. Wir müssen das ändern, wir müssen wieder mehr laufen und uns Chancen verschaffen. Wir müssen Charakter zeigen.

Wenn man andere WM-Spiele verfolgt, hat man den Eindruck, es geht viel schneller, wohingegen die Schweiz wie in Zeitlupe agiert.

Das sehe ich anders. Gegen Frankreich war es ein sehr intensives Spiel. Wir haben in den ersten fünfzehn Minuten gut angefangen. Wenn ich das Tor zum 1:2 treffe, haben wir noch eine Chance. Ich denke nicht, dass wir das Resultat gegen Ecuador gedreht hätten, wenn wir das Tempo nicht hätten. Wir spielen nicht langsamer als andere.

2010 feierten Sie gegen Honduras Ihr WM-Debüt, als Sie in der 78. Minute eingewechselt wurden. Kommen da Erinnerungen hoch?

Klar erinnere ich mich gut an mein erstes WM-Spiel. Das war etwas Unglaubliches. Schade, dass es nicht gereicht hat. Aber es war ein grosser Beginn für mich. Emotionen werden sicher hochkommen. Aber es geht ums Achtelfinale und es ist ein grosses Spiel. Da denke ich nicht zu sehr zurück, sondern konzentriere mich auf die Partie.

2010 reichte es lediglich zu einem torlosen Remis. Was macht die Nati diesmal besser?

Der Trainer wird die richtigen Worte finden und wir werden das auf dem Platz umsetzen. Es wird nicht einfach. Wir werden sehen, aber ich glaube nicht, dass Honduras mit Vollgas nach vorn spielt. Sie wissen, dass wir eine gute Mannschaft sind, die nach vorn spielen kann. Für uns ist auch wichtig, hinten gut zu stehen. Wenn wir wieder so spielen wie in der Qualifikation, dann werden wir dieses Spiel gewinnen.

Spricht die Hitze in Manaus gegen die Schweiz?

Ich glaube, wir sind fussballerisch sicher die bessere Mannschaft. Das Klima muss uns egal sein, denn es wird ein grosses Spiel und wir wollen länger hier bleiben. Das Klima wird mühsam, aber wir müssen den inneren Schweinehund überwinden.

Der Frust bei Fans war nach dem 2:5 gross. Warum sollen sie bis Mitternacht ausharren, um sich die Partie gegen Honduras anzutun?

Wir werden sehen, ob es richtige Fans sind. Wenn es nicht so gut läuft, dann sieht man die wahren Freunde. Grosse Teams wie Spanien und England sind draussen oder so gut wie draussen. Wir haben eine grosse Chance. Wir können die ganze Schweiz stolz machen, wenn wir uns qualifizieren. Und wir können ein grosses Spiel zeigen.

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