07.04.2020 12:40

Corona-Gefahr für Busfahrer

«Wir können die Mitfahrt nicht verweigern»

In London sind fünf Busfahrer am Coronavirus gestorben. Auch Schweizer Verkehrsunternehmen melden beim Fahrpersonal Infektionsfälle.

von
cse
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In London sind fünf Busfahrer am Coronavirus gestorben. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan kritisierte, dass sich immer noch zu viele Menschen im öffentlichen Verkehr Londons befänden

In London sind fünf Busfahrer am Coronavirus gestorben. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan kritisierte, dass sich immer noch zu viele Menschen im öffentlichen Verkehr Londons befänden

AP/Simon Dawson
Gemäss Christian Fankhauser, Vize-Präsident des Schweizerischen Verkehrspersonals (SEV), sind manche Busfahrer besorgt: «Sie melden sich am häufigsten wegen Zweifeln im Zusammenhang mit den Schutzmassnahmen, die ihre Arbeitgeber einführen.»

Gemäss Christian Fankhauser, Vize-Präsident des Schweizerischen Verkehrspersonals (SEV), sind manche Busfahrer besorgt: «Sie melden sich am häufigsten wegen Zweifeln im Zusammenhang mit den Schutzmassnahmen, die ihre Arbeitgeber einführen.»

Keystone/Gaetan Bally
Bei der PostAuto AG heisst es, dass es zurzeit drei bestätigte Corona-Infektionen gebe.

Bei der PostAuto AG heisst es, dass es zurzeit drei bestätigte Corona-Infektionen gebe.

Keystone/Arno Balzarini

Läden und Restaurants sind derzeit schweizweit dicht. Der ÖV und die Lebensmittelläden müssen aber immer noch geöffnet bleiben. Die entsprechenden Angestellten bleiben an der Front.

Laut der britischen Zeitung «The Sun» sind in London fünf Busfahrer an den Folgen des Coronavirus verstorben. Der Londoner Bürgermeister Sadiq Khan kritisierte, dass sich immer noch zu viele Menschen im öffentlichen Verkehr Londons befänden und nicht zu Hause bleiben. Auch in der Schweiz kommt es bei ÖV-Angestellten zu Infektionen mit dem Coronavirus.

Drei Infektionen bei Postauto

Gemäss Christian Fankhauser, Vize-Präsident des Schweizerischen Verkehrspersonals (SEV), sind manche Busfahrer besorgt: «Sie melden sich am häufigsten wegen Zweifeln im Zusammenhang mit den Schutzmassnahmen, die ihre Arbeitgeber einführen.» Es sei daher zentral, dass die Arbeitgeber alle Massnahmen treffen, um den Schutz des Personals zu gewährleisten. «Busfahrer sind Teil des Service public. Man spürt dies in dieser Krise besonders gut», so Fankhauser.

Bei der PostAuto AG heisst es, dass es zurzeit drei bestätigte Corona-Infektionen gebe. Als Hygienemassnahme würde die vorderste Sitzreihe und der Durchgang beim Fahrer abgesperrt, um die nötige Distanz zum Fahrer zu garantieren. Ausserdem bleibt die Vordertüre aller Postautos geschlossen

«Befinden uns in einem Dilemma»

Masha Foursova, Mediensprecherin der PostAuto AG, sagt: «Beim Fahrpersonal von PostAuto gibt es Engpässe, weil Mitarbeitende krank sind oder einer Risikogruppe angehören und deshalb zu Hause bleiben.»

Doch was passiert, wenn die Busse zu voll sind und man die Abstände nicht einhalten kann? «Hier befinden wir uns in einem Dilemma», so Foursova. «PostAuto hat eine Transportpflicht und wir können die Mitfahrt nicht verweigern. Es ist auch nicht an unseren Fahrerinnen und Fahrern, die Aufgabe der Polizei zu übernehmen.» Daher sollte das Postauto nur für wirklich notwendige Fahrten benutzt werden.

Auch Zürcher Tramfahrer infiziert

Tobias Wälti, Mediensprecher der VBZ, sagt gegenüber 20 Minuten, dass «eine Handvoll Tramfahrer eine bestätigte Coronavirus-Erkrankung» aufweisen. Bei den Busfahrern gebe es bislang keine bestätigten Infizierungen. «Es ist unwahrscheinlich, dass sie sich während des Tramfahrens angesteckt haben, da sie in einer abgeschlossenen Kabine sitzen.» Die Fälle verteilen sich zudem auf unterschiedliche Depots. «In den Pausenräumen setzten wir die Mindestabstandsregelung um. Auch der Fahrerarbeitsplatz wird täglich keimfrei gereinigt», so Wälti.

Bei Bernmobil sind laut Mediensprecher Rolf Meyer bislang keine Infektionen bekannt. Insgesamt sei das Angebot von Bernmobil um einen Viertel reduziert worden. Zu Stosszeiten meint Meyer: «Wenn ein Fahrgast bemerkt, dass ein Bus etwas zu voll besetzt ist, empfehlen wir, ein Fahrzeug abzuwarten.»

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