Aktualisiert 08.03.2013 09:31

Murat Yakin«Wir können die Sensation schaffen»

Was für ein Europacup-Abend! Mit dem 2:0-Sieg gegen Zenit St. Petersburg stösst der FC Basel die Türe für den Einzug in die Viertelfinals der Europa League weit auf.

von
Eva Tedesco

FCB-Trainer Murat Yakin äussert sich nach dem 2:0-Sieg gegen Zenit St. Petersburg über die Chancen auf ein Weiterkommen in der Europa League gegen den russischen Meister. (Video: 20 Minuten Online)

«Geld gewinnt keine Spiele», sagte Zenit-Trainer Luciano Spalletti am Tag vor dem Hinspiel im EL-Achtelfinale im St.-Jakob-Park. Der Italiener sollte an seinem 54. Geburtstag recht behalten. Denn die Party vor leider nur 15 000 Fans rockte Rotblau und nicht der russische Meister, dessen Marktwert mit 265 Millionen Franken beziffert wird. Gewonnen haben Kampfgeist, Wille und Freude am Fussballspiel. Es war mit Abstand der beste FCB, seit Murat Yakin am 15. Oktober 2012 ihn übernommen hat, der sich da am Donnerstagabend präsentierte.

Das sah auch Yann Sommer so, der nach der Absenz von Marco Streller und den Ersatzrollen von Valentin Stocker und Alex Frei die Captainbinde tragen durfte. «Das war die beste erste Halbzeit, seit ich beim FCB im Tor stehe», sagte der 24-Jährige nach dem Spiel, «es ist ein schöner Abend für uns. 2:0 ist ein super Resultat.» Mit etwas mehr Effizienz und Coolness vor dem Tor wäre sogar mehr möglich gewesen. Die Chancenauswertung ist der einzige Kritikpunkt an dem wunderbaren Europacupabend, wenn man unbedingt nach einem suchen will.

Spezialtraining für Mohamed Salah

«Wir haben gemerkt, dass, wenn wir so ein Pressing spielen, auch eine Mannschaft wie Zenit St. Petersburg viel Mühe gegen uns hat. Aber leider hat es uns etwas an Konzentration vor dem Tor gefehlt, denn so viele Chancen bekommt man auf europäischer Bühne sonst nie.» Allein Mohamed Salah, der beste Bebbi neben Marcelo Diaz, versiebte mindestens fünf «Hundertprozentige».

Dafür wird sich der junge Ägypter in den nächsten Tagen noch einige Sprüche in der Kabine und im Training von den Kollegen anhören müssen. Den ersten schickte Sommer schon kurz nach dem Spiel ab: «Positiv ist, dass er überhaupt zu Chancen kommt. Man kann ihn immer in die Tiefe anspielen und auch ich kann ihn mit einem weiten Abstoss losschicken. Was das vor dem Tor anbelangt, das können wir ja noch etwas mit ihm trainieren.»

Späte Erlösung für Murat Yakin

Ende gut, alles gut. Aber Trainer Murat Yakin musste lange warten, bis ihn schliesslich Marcelo Diaz (83.) und Alex Frei (kam in der 79. Minute für Jacques Zoua) mit einem Penalty (93./Foul an Salah) erlösten. «Wir mussten ein bisschen lange warten, bis wir das Tor richtig getroffen haben, aber ich bin sehr happy für die Mannschaft», so Yakin, der seinen Humor trotz der mangelnden Chancenauswertung nicht verloren hat.

Stolz kann der 38-jährige FCB-Trainer auch auf seine Hintermannschaft sein, die unter seiner Ära noch kein Gegentor in einem Heimspiel zugelassen hat. Auf europäischer Ebene hat der FCB letztmals am 4. Oktober im Gruppenspiel gegen Genk einen Gegentreffer kassiert. Wettbewerbsübergreifend hat Rotblau im neunten Heimspiel unter Yakin den achten Sieg eingefahren, und das bei einem Torverhältnis von 18:0. Eine starke Statistik!

Die Türe für die nächste Runde ist weit offen

Mit dem 2:0-Heimsieg hat sich Rotblau eine ausgezeichnete Ausgangslage für das Rückspiel in St. Petersburg am nächsten Donnerstag geschaffen und die Türe für das Weiterkommen in die nächste Runde weit aufgestossen. Eine Ausgangslage, die der FCB schon aus dem Sechzehntelfinal gegen Djnepro Djnepropetrowsk kennt. Mit dem gleichen Resultat hatten sich die Basler damals auf den Weg in die Ukraine gemacht und in einer aufopfernden Abwehrschlacht ihre Chance mit einem 1:1-Remis gewahrt. Der Torschütze am 21. Februar in Djnepropetrowsk war Fabian Schär. Der Innenverteidiger rechnet auch diesmal mit einer Abwehrschlacht.

«Zenit muss jetzt von Anfang an Vollgas geben. Ich denke, sie sind nicht zufrieden mit dem Match, den sie gespielt haben. Vielleicht sind sie auch überrascht gewesen, wie gut wir aufgetreten sind und werden von Beginn an Pressing machen. Das gibt sicher ein ähnliches Spiel wie zuletzt gegen Dnjepr, aber wir versuchen jetzt natürlich alles, um eine Runde weiter zu kommen.»

Es braucht noch einmal eine Topleistung

Diesem FCB ist zuzutrauen, dass er sich auch im Petrowski-Stadion behaupten kann. Yakin warnt aber davor, das Fell des Bären zu verteilen, ehe er erlegt ist. «Ausgeschaltet haben wir Zenit noch nicht. Aber wir können die Sensation, diese Runde zu überstehen, schaffen. Dazu braucht es im Rückspiel noch einmal eine hohe Konzentration und eine weitere Topleistung.»

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