Comagics dürfen bleiben: «Wir können endlich wieder leben»
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Comagics dürfen bleiben«Wir können endlich wieder leben»

Hat die juristische Irrfahrt nun ein Ende? Die serbische Familie Comagic kann doch in der Schweiz bleiben. So entschied das Verwaltungsgericht des Kantons Zürich. Es hob damit einen Entscheid des Regierungsrates von Ende Februar auf.

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Die Familie Comagic darf in der Schweiz bleiben und wird nicht nach Serbien ausgewiesen. Der Generalsekretär des Gerichts, Claude Wetzel, bestätigte am Donnerstag einen entsprechenden Bericht der Wochenzeitung «P.S.». Die Sicherheitsdirektion sei jetzt angewiesen worden, den beiden Töchtern und der Mutter eine Aufenthaltsbewilligung zu erteilen.

Das Gericht ist der Ansicht, dass die Zwillinge «überdurchschnittlich intensiv» integriert seien. Eine Wegweisung hätte ihnen «das ganze persönliche kulturelle und soziale Umfeld» entzogen.

Dies erscheine aber mit dem Recht auf Achtung des Privatlebens, das in der Europäischen Menschenrechtskonvention und der Bundesverfassung geschützt sei, als nicht vereinbar. Zudem dürften die Jugendlichen nicht für allfällige Verfehlungen der Eltern gebüsst werden, schreibt das Verwaltungsgericht.

«Wir können endlich wieder leben»

«Wir sind unendlich glücklich über den Entscheid», sagt Schulleiter Daniel Schafroth von der Schule Lavater gegenüber 20 Minuten Online. Zusammen mit seinen Schülern kämpfte er über ein Jahr lang dafür, dass seine beiden 15-jährigen Teenie-Zwillinge Aleksandra und Tijana in der Schweiz und in der Schule Lavater bleiben dürfen. «Wir können endlich wieder leben», sagte die Mutter Oliviera Comagic, als sie gestern Abend vom positiven Entscheid des Verwaltungsgerichts erfuhr. Laut dem Medienbeauftragten der Familie Comagic hätten die Teenie-Zwillinge in den letzten Monaten andauernd unter schlaflosen Nächten gelitten, es sei ihnen wegen der drohenden Ausweisung sehr schlecht gegangen. «Nun müssen sie den positiven Entscheid erstmals verdauen», so Ronny Stocker.

Persönlichkeitsrechte der Teenies im Vordergrund

Im Gegensatz zu früheren Verfahren habe das Gericht sein Augenmerk auf die eigenen Persönlichkeitsrechte der 16-jährigen Töchter gerichtet, wie Wetzel weiter sagte. Bisher seien diese als Kinder betrachtet und daher nicht selbstständig beurteilt worden. Aufgrund der Persönlichkeitsentwicklung sei dies aber nicht länger angezeigt.

Schulleiter Schafroth ist hocherfreut, dass sich der lange Kampf gelohnt hat: «Dies ist ein guter Entscheid für den Kanton Zürich.»

Mit 18 Monaten in die Schweiz

Die Familie Comagic war 1995 in die Schweiz eingereist, als die Zwillingsmädchen 18 Monate alt waren. Nachdem der Bund das Asylgesuch abgelehnt hatte, musste die Familie im Jahr 2000 das Land aber wieder verlassen.

Nach der Scheidung in Serbien reisten beide ehemaligen Ehepartner wieder nach Zürich und heirateten Schweizer Staatsangehörige, allerdings ohne jemals mit ihnen zusammenzuleben. Laut Regierungsrat hatten sie sich damit in missbräuchlicher Weise den Aufenthalt in der Schweiz gesichert.

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