Interview: «Wir können neurologische Schäden ausschliessen»
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Interview«Wir können neurologische Schäden ausschliessen»

Finanzminister Hans-Rudolf Merz hat den Herzstillstand offenbar ohne jegliche negativen Folgen fürs Gehirn überstanden. 20 Minuten Online sprach mit dem Herzspezialisten Thierry Carrel über den erstaunlich guten Zustand des Patienten.

Gestern erwachte Bundesrat Merz aus dem künstlichen Koma. Der Genesungsprozess verläuft nach Angaben der Ärzte optimal. «Sein Zustand ist besser, als ich mir erträumt habe», sagte Hans Rickli, Chefarzt im Kantonsspital St.Gallen. Der Chefarzt Kardiologie am Kantonsspital St. Gallen hatte Merz am vergangenen Samstagabend nach der Überführung aus Herisau in Empfang genommen. Damals habe er befürchtet, dass Merz nach seinem Kreislaufkollaps während zehn bis 15 Minuten ohne Bewusstsein gewesen sei. Vermutlich habe er aber noch einen minimalen Kreislauf gehabt.

Am Mittwoch konnte sich Rickli jedenfalls bereits wieder mit dem Patienten unterhalten. Mit Bruno Regli, dem Chefarzt-Stellvertreter für Intensivmedizin im Inselspital, hat Merz sogar den Ablauf der Medienkonferenz besprochen. Dies zeige, wie es um die Hirnfunktion des EFD-Chefs stehe, sagte Regli.

Die verantwortlichen Ärzte sind auch verhalten optimistisch, was das Herz betrifft: Die Funktion sei weiterhin gut. Die Ärzte zeigten sich jedenfalls «glücklich» über den Verlauf der Krankheit. Der Zustand von Bundesrat Merz sei so gut, dass neurologische Untersuchungen bei Bundesrat Merz nicht nötig seien.

Die Familie von Bundesrat Merz sei häufig am Bett des Bundesrats gestanden und habe ihm durch seine schwierige Zeit geholfen. Seit heute Morgen ist der Beatmungsschlauch weg. Die Ärzte gehen davon aus, dass Merz bereits heute im Verlaufe des Tages seine erste normale Nahrung zu sich nehmen könne.

Vorbildliche «Rettungskette»

Freude herrschte unter den Ärzten auch über den Rettungsablauf. Die «Rettungskette» habe vorzüglich funktioniert, hiess es an der Pressekonferenz. Merz sei wieder erwacht, weil das Kantonsspital St. Gallen vorzügliche Arbeit geleistet habe, lobte Herzspezialist Thierry Carrel seine Kollegen. Dort wurde Merz nach seinem Kollaps zunächst eingeliefert. Sofort seien die notwendigen Massnahmen eingeleitet worden. Laut Rickli handelte es sich um eine relativ fortgeschrittene Erkrankung, da alle drei Gefässe betroffen gewesen seien. Es habe sich um eine ernste Situation gehandelt, die sich rasch kritisch stabilisiert habe.

Dauer des Spitalaufenthalts ungewiss

Das Inselspital geht davon aus, dass der Finanzminister die Intensivstation in den kommenden Tagen verlassen kann. Über die voraussichtliche Dauer des Spitalaufenthaltes könne derzeit noch nichts Definitives gesagt werden.

Der knapp 66-jährige FDP-Politiker war am vergangenen Sonntagabend einer fünffachen Bypass-Operation unterzogen worden, nachdem er am vergangenen Samstagabend in seiner Heimat in Herisau einen Herz-Kreislauf-Stillstand erlitten hatte.

(meg/AP)

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