Eklat um Walliserkanne – «Dies ist ein typisches Zeichen für einen diktatorischen Staat»
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Eklat um Walliserkanne«Dies ist ein typisches Zeichen für einen diktatorischen Staat»

Die Polizei hat die renitenten Wirte des Restaurants Walliserkanne in Zermatt vorübergehend festgenommen. Politiker von links bis rechts verurteilen das Verhalten der Wirte. Bis auf die Junge SVP.

von
Daniel Graf
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Die Polizei hat das Restaurant Walliserkanne in Zermatt geschlossen. 

Die Polizei hat das Restaurant Walliserkanne in Zermatt geschlossen.

20min
Am Sonntag war die Polizei zeitweise mit vielen Einsatzkräften in Zermatt.

Am Sonntag war die Polizei zeitweise mit vielen Einsatzkräften in Zermatt.

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Die Barrikade, welche die Polizei errichtet hatte, wurde von den Wirten am Samstag als Bar benutzt. 

Die Barrikade, welche die Polizei errichtet hatte, wurde von den Wirten am Samstag als Bar benutzt.

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Darum gehts

  • Seit über einem Monat verweigern die Wirte des Restaurants Walliserkanne in Zermatt die Zertifikatspflicht und empfangen im Innenraum Gäste ohne Zertifikat.

  • Über das Wochenende eskalierte die Situation: Die Polizei versperrte am Samstag den Eingang mit Betonblöcken. Trotzdem hielten die Wirte das Restaurant offen.

  • Am Sonntag wurden dann drei Betreiber vorübergehend festgenommen, am Abend kam es zu weiteren Protestaktionen.

  • Politiker von links bis rechts kritisieren das Verhalten der Wirte – auch wenn für ihr Anliegen teils Verständnis herrscht.

  • Die Junge SVP sieht das anders – nimmt die Wirte in Schutz und kritisiert das Vorgehen der Polizei aufs Schärfste.

Seit über einem Monat wehren sich die Gebrüder Aufdenblatten, Besitzer des Restaurants Wallierserkanne in Zermatt, gegen die Zertifikatspflicht. Am Samstag griff die Polizei durch und versiegelte das Restaurant. Das liess die Besitzer allerdings kalt, sie bewirteten weiter Gäste und richteten auf den Betonblöcken, welche die Polizei vor dem Lokal aufgebaut hatte, kurzerhand eine Bar ein.

Am Sonntag wollten die Brüder erneut öffnen. Die Polizei war jedoch mit einem Grosseinsatz vor Ort und verhinderte dies, drei Restaurantbetreiber wurden vorübergehend festgenommen. Daraufhin demonstrierten um 17 Uhr erneut Teile der Freiheistrychler und von Mass-voll in Zermatt. Andere finden es richtig, dass durchgegriffen wurde.

«Die Wirte sind keine Helden»

Der Aargauer Jurist und GLP-Nationalrat Beat Flach verurteilt das Verhalten der Wirte: «Ich habe kein Verständnis dafür, dass sich jemand derart unsolidarisch zeigt und querstellt. In anderen Ländern hungern Menschen wegen der Corona-Pandemie und hier machen ein paar einzelne so ein Affentheater wegen der Zertifikatspflicht im Restaurant. Das sind keine Helden und sie sollten auch nicht zu Helden gemacht werden.»

Flach plädiert dafür, der überwältigenden Mehrheit, die sich an die Regeln hält, mehr Beachtung zu schenken. «Diejenigen, die mit Kreativität und Herzblut dafür sorgen, dass sie ihre Gäste weiter bewirten können und dabei die Vorschriften einhalten, sind die wahren Helden der Pandemie.» Letztlich stinke es uns allen, dass wir noch nicht aus der Krise gekommen seien. «Doch gegen wen wettern Leute wie diese Wirte? Genau gegen die, welche die Pandemie mit möglichst wenig Einschränkungen überwinden wollen.»

«Richtiges Anliegen, falscher Weg»

Dass die Polizei nicht mehr machen kann, hängt laut Flach mit dem liberalen Schweizer Rechtsstaat zusammen: «Das hat nichts mit dem Epidemiengesetz zu tun. Unser System geht davon aus, dass der allergrösste Teil sich an Verfügungen der Behörden hält. Wenn sich aber jemand komplett querstellt, ist es schwierig, ihn oder sie davon abzuhalten.» Das sei nichts anderes als etwa mit Rasern: «Auch wenn man ihnen den Führerausweis entzieht, können sie sich ein Auto besorgen und weiterhin fahren.»

Für Flach wäre es falsch, aufgrund einzelner nun das System infrage zu stellen: «Es funktioniert ja grösstenteils. Wir können nicht wegen ein paar Idioten das Gesetz anpassen.»

Verständnis für das Anliegen der Wirte hat hingegen der St. Galler SVP-Nationalrat und Jurist Lukas Reimann: «Ich fände es in fast jedem Land der Welt berechtigt, dass sie gegen die Auflagen verstossen und ihrem Unmut über das Covid-Zertifikat Ausdruck verleihen», sagt er. Aber: «In der Schweiz haben wir am 28. November die Möglichkeit, über das Gesetz abzustimmen. Das Anliegen der Wirte ist berechtigt, sie wählen aber den falschen Weg: Sie sollten sich besser für ein Nein zum Covid-Gesetz stark machen.»

«Hätte mir mehr Achtsamkeit gewünscht»

SP-Nationalrätin Yvonne Feri hätte sich im Umgang mit den Wirten mehr Achtsamkeit gewünscht: «Mit Betonelementen einzufahren, fand ich dann doch ein wenig übertrieben.» Nichtsdestotrotz gebe es in der Schweiz Regeln und Gesetze, die alle einhalten müssten: «Nachdem die Wirte sich immer wieder widersetzt hatten, musste die Polizei handeln. Es bringt nichts, wenn wir Regeln aufstellen, Verstösse dagegen aber nicht sanktionieren.»

Die Privatmeinung der Wirte ist laut Feri zu respektieren: «Es gibt halt Leute, die immer noch bestreiten, dass Covid-19 existiert und eine ernstzunehmende Krankheit ist. Doch für den Berufsalltag dieser Wirte gibt es Regeln, die einzuhalten sind. Sie müssen einen anderen Weg finden, damit umzugehen.» Ausserdem sei klar: «Je mehr Menschen sich solidarisch zeigen und an die Regeln halten, desto schneller schaffen wir es gemeinsam, diese Pandemie zu überwinden und in den Alltag zurückzukehren.»

«Eine Schweiz, in der wir nicht leben möchten»

Die Junge SVP sieht das Vorgehen der Polizei mehr als nur übertrieben. Dies sei «komplett unverhältnismässig und unschweizerisch», lässt sie in einer Mitteilung ausrichten. «Anstatt den Dialog zu suchen, wird auf rohe Gewalt gesetzt. Willkommen in einer Schweiz, in der wir nicht leben möchten.»

Für die Partei ist klar, wer an dieser Situation die Schuld trägt: «das Vollmachten-Regime des Bundesrates, welches keine Kritik erduldet. Das ist ein typisches Zeichen für einen diktatorischen Staat.» Die Polizei werde in Massen aufgeboten, «um brutal gegen staatskritische Kreise vorzugehen». Die Junge SVP wolle darum ihre eigene Kampagne «Totale Macht für den Bundesrat? Nein» verstärken.

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(roy)

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