Eishockey-Nati: «Wir können nicht jedes Mal mit 1:0 gewinnen»
Aktualisiert

Eishockey-Nati«Wir können nicht jedes Mal mit 1:0 gewinnen»

Ein grosser Sieg gegen Tschechien mit einem ganz grossen Jonas Hiller im Tor. Doch nun muss sich für die K.o.-Spiele der Knopf in der Offensive lösen.

von
Marcel Allemann
Sotschi

Simon Bodenmann, am Vortag bei der 0:1-Niederlage gegen Schweden noch als überzähliger Stürmer auf der Tribüne, gelang das goldene Tor, als er auf herrliche Weise unter das Lattenkreuz traf. «Ein schönes Gefühl, aber viel wichtiger ist, dass es uns gelungen ist, die drei Punkte einzufahren», erklärte der Klotener.

Die Schweiz beendet ihre Vorrunden-Gruppe somit mit zwei Siegen und einer Niederlage auf Rang 2. Wer am Dienstag im Achtelfinal der nächste Gegner sein wird, entscheidet sich am Sonntag. Zur Auswahl stehen Teams wie die Slowakei, Österreich, Norwegen und Lettland.

Hiller: «Man geht in ein Spiel, um keine Tore zuzulassen»

Die Schweiz hat in drei Spielen lediglich ein Gegentor kassiert. Das ist phantastisch. «Für den Goalie und die Verteidigung ist ein 1:0 das schönste Resultat überhaupt», befand Captain Mathias Seger. Torhüter Jonas Hiller hat in seinen beiden Olympia-Spielen noch keinen einzigen Gegentreffer kassiert. Das ist sogar einzigartig. «Auf diesem Niveau zwei Shutouts in Folge zu machen, ist unglaublich», zog auch Stürmer Damien Brunner beeindruckt den Hut.

Es scheint, als hätte der Stargoalie der Anaheim Ducks vor, in Sotschi keine Tore zu kassieren. «Klar, man geht immer in ein Turnier oder ein Spiel, um keine Tore zuzulassen. Aber ich wurde von meinen Vorderleuten auch grossartig unterstützt. Sie haben vor dem Tor sehr viele Schüsse geblockt und wenn diese - zumeist nur von der Seite - kommen, ist es auch für den Goalie einfacher», erklärte der Appenzeller

Allerdings haben die Eisgenossen in drei Spielen auch erst zwei Tore geschossen und das ist angesichts des offensiven Talents des Schweizer Sturms eindeutig zu wenig. Dies bemängelte auch Nati-Trainer Sean Simpson: «Ich sähe gerne mehr Tore und wenn wir mehr Torchancen kreieren sowie ein besseres Powerplay aufziehen könnten. Jetzt geht es in die K.o.-Spiele, da muss unser Offensivspiel funktionieren, wenn wir weiter kommen wollen. Wir können nicht jedes Mal mit 1:0 gewinnen.»

Die Kreativstürmer müssen mehr bringen

Simpson nahm innerhalb seiner Offensivreihen einige Umstellungen vor. Dies bewährte sich insofern, dass der neu formierten Sturmlinie mit Bodenmann, Romy und Hollenstein das Siegestor gelang. Aber vom designierten neuen kreativen Hauptsturm mit Brunner, Wick und Cunti kam auch gegen die Tschechen zu wenig Torgefahr. Zudem gerieten die Drei einige Male auch defensiv ins Trudeln. «Ich bin nicht enttäuscht von ihrem Einsatz – der stimmte», erklärte Simpson, «aber sie müssen offensiv mehr bringen. Ich bin mir allerdings auch bewusst, dass dies auf diesem Level nicht einfach ist». Dies bestätigte auch Torschütze Bodenmann: «Die Verteidiger hier sind nochmals eine Stufe grösser und schwerer als jene an der WM.»

Man darf aber nicht vergessen, dass die nun aufkommende Kritik wegen der Schweizer Torimpotenz ein Klagen auf sehr hohem Niveau ist. Immerhin gelang es, eine grosse tschechische Mannschaft zu besiegen und deren Superstar Jaromir Jagr seinen 42. Geburtstag zu vermiesen. Gegenüber Damien Brunner, seinem Teamkollegen bei den New Jersey Devils, hatte Jagr Geburtstags-Tore angekündigt (20 Minuten berichtete), letztendlich scheiterte er jedoch stets an Hiller - und einmal auch am Pfosten. «Ich habe ihm vor und nach dem Spiel zum Geburtstag gratuliert, aber nach dem Spiel war er ziemlich hässig», erzählte Brunner. Interviews wollte Jagr ebenfalls keine geben. Dafür sprach der tschechische Goalie Ondrej Pavelec und zwar über sein Gegenüber Jonas Hiller: «Jeder weiss, welch ein guter Goalie er ist. Ich bin daher überhaupt nicht überrascht, dass er zu solchen Leistungen fähig ist.»

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