Basel: Während der Sanierung wird die Wohnung beschädigt

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Basel«Wir können so nicht leben» – Aylin (21) erträgt «Sanierungshorror» nicht mehr

Die Basler «Siedlung im Rheinacker» wird komplett saniert. Aylin (21) und ihre Familie sind täglich mit Baulärm konfrontiert und leiden unter Schäden in der Wohnung. 

von
Vanessa Travasci
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Am Donnerstagmorgen fiel Gips von der Decke, während Aylin in der Küche frühstückte.

Am Donnerstagmorgen fiel Gips von der Decke, während Aylin in der Küche frühstückte.

privat
In der Decke sind jetzt zwei Bohrlöcher zu sehen. «Es ist den ganzen Tag unerträglich laut. Ich weiss nicht, wie meine Mutter das die letzten Monate ausgehalten hat», so die 21-Jährige.

In der Decke sind jetzt zwei Bohrlöcher zu sehen. «Es ist den ganzen Tag unerträglich laut. Ich weiss nicht, wie meine Mutter das die letzten Monate ausgehalten hat», so die 21-Jährige.

privat
Aus der Decke in der Küche kam ein Metallbohrer zum Vorschein. Einen Stock über der Wohnung werden Sanierungsarbeiten gemacht, sehr zum Ärger der Anwohnenden. 

Aus der Decke in der Küche kam ein Metallbohrer zum Vorschein. Einen Stock über der Wohnung werden Sanierungsarbeiten gemacht, sehr zum Ärger der Anwohnenden. 

privat

Darum gehts

«Hallo? Hören Sie mich?», als Aylin sich telefonisch auf der 20-Minuten-Redaktion meldet, dröhnt im Hintergrund der Baulärm. Die 21-Jährige hört kaum ihre eigenen Worte. Das Mehrfamilienhaus der «Siedlung im Rheinacker», in dem die junge Baslerin wohnt, wird gerade saniert. Eigentümerin und Bauherrin ist Immobilien Basel-Stadt, also der Kanton.

Seit sieben Monaten dominiert Baulärm den Alltag der Bewohnenden. Damit nicht genug. Nachdem Aylin infolge Krankheit ein paar Tage zu Hause gewesen war, fiel ihr sprichwörtlich die Decke auf den Kopf. «Heute Morgen fiel Gips von der Decke, während ich am Essen war. Ich spürte, wie Stücke auf meinen Kopf fielen, und Teile davon landeten in meinem Frühstück.» Das war vergangenen Donnerstag.

Der Lärm grenze an Körperverletzung. «Ich weiss nicht, wie meine Mutter das seit über einem halben Jahr aushält», fährt sie fort. «Wir haben zwei Monate Mietzinserlass erhalten. Doch das bringt nichts. Wir können so nicht leben. Es ist der Horror», so Aylin. Auch lasse sich die Heizung nicht mehr regulieren. «Weiter entstand auch in meinem Zimmer ein Loch in der Fassade», listet die Lernende die Schäden auf.

«Wehrt euch!»

«So eine Sanierung ist entsetzlich und bringt sehr viel mehr mit sich als Lärmbelästigung», weiss Beat Leuthardt, Senior Consultant beim Basler Mieterverband. Rechtlich gesehen sei man in der Sanierungsphase in der Schweiz in einer schlechten Position. Doch die Zustände, in denen sich Aylin und ihre Familie befinden, «das geht so nicht», sagt Leuthardt.

«Wir sagen den Leuten immer: Wehrt euch!», fährt der frühere Leiter der MV-Rechtsabteilung fort. Wichtig sei, dass man sich vor Baubeginn beim Mieterverband melde. «Wir bieten sehr oft rechtliche Unterstützung und begleiten die Mieterschaft, wenn nötig, auch mit Sammelklagen», sagt er.   

«Auch kann es helfen, wenn betroffene Mietparteien den Sanierungsprozess zur Beweissicherung tagebuchähnlich festhalten.» Die Nebenkosten gelte es ebenfalls zu überprüfen, die möglicherweise durch Handwerker in die Höhe schiessen würden, so Leuthardt.

«Das darf so nicht mehr vorkommen»

Immobilien Basel-Stadt ist die Situation «Im Rheinacker» bekannt. «Die entstandenen Beeinträchtigungen und Schäden dürfen so nicht mehr vorkommen, es tut uns sehr leid», sagt Assunta Sonderegger, Leiterin Geschäftsbereich Facility Management und Bewirtschaftung. Der entstandene Schaden in der Küche  wird nächste Woche behoben werden. «Wir haben uns dafür entschuldigt und die Bauleitung und der Mietervertreter waren bereits vor Ort», so Sonderegger.  

Sie sei sich bewusst, dass eine Sanierung im bewohnten Zustand eine schwierige Situation sei und der Lärm sehr belastend sei. «Es ist eine grosse Baustelle in mehreren Etappen. Wir boten den Mietern zu Beginn an, dass sie frühzeitig ausziehen können», so Sonderegger. Viele hätten sich für den Verbleib in den Wohnungen entschieden.

Aktuell würden Lösungen erarbeitet werden. «Temporäre Umplatzierungen werden derzeit in Betracht gezogen für Mieter,  für die ein Verbleib nicht tragbar ist», sagt sie. «Selbstverständlich zeigen wir uns bei Mietzins und Nebenkosten in dieser Zeit kulant.» Wie die Lösung genau aussehe, entscheide sich im Verlauf dieser Woche, schliesst Sonderegger.

Hast du oder hat jemand, den du kennst, Fragen zu Miete oder Vermietung?

Hier findest du Hilfe:

Mietrecht.ch, Schlichtungsstellen nach Region

Mieterinnen- und Mieterverband, Tel. 0900 900800 (kostenpflichtig)

Casafair, Hauseigentümerverband

HEV Schweiz, Hauseigentümerverband

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