10.07.2015 18:17

Years & Years

«Wir können Streaming nicht einfach ignorieren»

Spätestens seit Apple mitmischt, ist klar: Streaming hat sich durchgesetzt. 20 Minuten spricht mit aktuellen Hype-Bands über die Kontroverse.

von
Neil Werndli
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Trotz des Hypes um ihr Debüt «Communion» sind Years & Years noch keine Popstars, die sich mit Streaming eine goldene Nase verdienen.

Trotz des Hypes um ihr Debüt «Communion» sind Years & Years noch keine Popstars, die sich mit Streaming eine goldene Nase verdienen.

Ihre Einstellung zu Spotify und Co. hat sich in den letzten Monaten gewandelt: «Ich bin froh, dass Streaming immer populärer wird - das bedeutet, dass das System weiterentwickelt wird und irgendwann vielleicht auch junge Musiker davon profitieren.»

Ihre Einstellung zu Spotify und Co. hat sich in den letzten Monaten gewandelt: «Ich bin froh, dass Streaming immer populärer wird - das bedeutet, dass das System weiterentwickelt wird und irgendwann vielleicht auch junge Musiker davon profitieren.»

Pawel Marynowski / Wikimedia com
Soulsänger Kwabs steht an einem ähnlichen Punkt in seiner Karriere: «Ich will keiner dieser Musiker sein, die sich über Streaming beschweren, auch wenn es im Moment noch nicht wirklich fair ist.»

Soulsänger Kwabs steht an einem ähnlichen Punkt in seiner Karriere: «Ich will keiner dieser Musiker sein, die sich über Streaming beschweren, auch wenn es im Moment noch nicht wirklich fair ist.»

Gian Ehrenzeller

Dass Streaming künftig die am weitesten verbreitete Form von Musikkonsum sein wird, darüber sind sich Branchenvertreter seit Jahren einig. Mit dem Einstieg von Apple kommt Streaming nun definitiv im Mainstream an.

Von Musikern wird das Modell häufig kritisiert. 20 Minuten hat zum Launch von Apple Music einige Bands auf der Schwelle zum Mainstream nach ihrer Meinung zur Streaming-Debatte gefragt:

Years & Years: «Es wäre dumm, nicht mitzumachen»

Das Musik-Orakel der BBC «Sound of 2015» setzte Years & Years an die Spitze ihrer Liste. Ein halbes Jahr später hat die Londoner Synth-Pop-Band am Freitag nun ihr Debütalbum «Communion» veröffentlicht. Auch auf Streaming-Portalen. Trotzdem ist sich Emre Turkman nicht sicher, was er davon halten soll, wie er zu 20 Minuten sagt:

«Meine Einstellung dazu ändert sich ständig. Es hat ja auch gute Seiten: Erst recht jetzt, wo Streaming endgültig massentauglich geworden ist, beschäftigen sich die Musiker viel seriöser damit. Wir wissen mittlerweile alle, dass wir Streaming nicht einfach ignorieren oder das Rad der Zeit zurückdrehen können.»

«Für uns war klar, dass wir unser Album streamen lassen. So viele Leute hören mittlerweile auf diesem Weg Musik, es wäre extrem dumm, da nicht mitzumachen. Das heisst noch lange nicht, dass es fair ist. Aber ich bin froh, dass Streaming immer populärer wird – das bedeutet, dass das System weiterentwickelt wird und irgendwann vielleicht auch junge Musiker davon profitieren.»

Kwabs: «Die Probleme sind nicht erst mit Streaming entstanden»

Auch den Aufstieg von Kwabs hat die BBC prophezeit. Der blutjunge Soulsänger landete mit «Walk» einen internationalen Hit. Seither wartet die Welt auf sein Debütalbum, dessen Veröffentlichung mehrfach verschoben wurde und nun auf September angesetzt ist.

«Ich gehöre zu der Generation, die in der digitalen Welt aufgewachsen ist. Als Künstler habe ich vom Internet profitiert: Wer weiss, ob ‹Walk› so gross geworden wäre ohne die Online-Community.»

«Dass wir mit Alben praktisch kein Geld mehr verdienen, hat wohl viele Gründe. Das ist ja nicht erst mit dem Streaming entstanden – im Gegenteil – Spotify und Co. bringen immer noch mehr Geld ein als illegale Downloads. Ich will keiner dieser Musiker sein, die sich über Streaming beschweren, auch wenn es im Moment noch nicht wirklich fair ist.»

Future Islands: «Wir verdienen sowieso mehr an Konzerten»

Dank seiner exzentrischen Performance bei David Letterman wurden Samuel Herring und seine Future Islands über Nacht zu Stars. Ihr Album «Seasons» ging durch die Decke – auf diesen Erfolg hatte die Band aber zehn Jahre hingearbeitet. Plattenverkäufe waren für Future Islands noch nie sehr wichtig – trotzdem werden sie beim Thema Streaming etwas wehmütig.

«Wir haben mittlerweile Erfolg, sind aber alles andere als reich. Versteh mich nicht falsch, ich bin nicht pleite, aber Musik ist nicht lukrativ. Man sollte Streaming als neuen Weg sehen, die Musiker zu unterstützen. Die Leute können deine Band über Spotify entdecken. Klar, das ist natürlich auch die Ausrede der Plattenlabels, aber es stimmt schon zum Teil: Bands wie wir verdienen kaum an Alben, dafür an Konzerten.»

«Ein Typ von unserem Label sagte, langsam werfe Streaming Geld ab, weil die Leute Abos lösen, statt das Gratis-Angebot zu nutzen. Aber es ist komisch – ich habe immer noch diese romantische Vorstellung, dass man in den Plattenladen geht und sich eine CD kauft. Das ist wohl tatsächlich vorbei.»

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