Stadt Zürich: «Wir können uns keine neuen Hallenbäder leisten»
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Stadt Zürich«Wir können uns keine neuen Hallenbäder leisten»

Die Stadtzürcher Hallenbäder sind zu voll – nun diskutieren Politiker über den Bau von neuen. Für die einen eine gute Idee, andere sind in Zeiten des Spardrucks skeptisch.

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som
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Die Zürcher Hallenbäder sind besonders abends und am Morgen rappelvoll. So etwa das Hallenbad City.

Die Zürcher Hallenbäder sind besonders abends und am Morgen rappelvoll. So etwa das Hallenbad City.

Stadt Zürich
Das Schwimmbecken hat Anfang 2013 nach einem längeren Umbau wieder eröffnet, wie die nachfolgenden Bilder vom noch leerem Bad zeigen.

Das Schwimmbecken hat Anfang 2013 nach einem längeren Umbau wieder eröffnet, wie die nachfolgenden Bilder vom noch leerem Bad zeigen.

Monika Metzger
Nach Jahren mit dunkelblauen Abluftrohren und bunten Garderobenkästchen hat es wieder zurück zur ursprünglichen Eleganz gefunden.

Nach Jahren mit dunkelblauen Abluftrohren und bunten Garderobenkästchen hat es wieder zurück zur ursprünglichen Eleganz gefunden.

Keystone/Steffen Schmidt

Die Eintritte in die Stadtzürcher Hallenbäder haben in den letzten zehn Jahren um 40 Prozent zugenommen – und es werden noch mehr. Die Kapazitätsgrenze ist schon länger erreicht, sagt Patrick Müller, Leiter Abteilung Badeanlagen. Dieses Problem ist auch dem CVP-Gemeinderat Christian Traber bekannt, der im Parlament die Gruppe Sport präsidiert: «Die Hallenbäder sind ein Opfer ihres eigenes Erfolges geworden.»

Trotzdem kommt für ihn derzeit der Bau von neuen Bädern aus finanzpolitischen Gründen nicht in Frage: «Nicht nur der Bau, sondern auch der Unterhalt verschlingt Millionen.» Der Betrieb eines Hallenbades sei niemals kostendeckend – bei jedem Eintritt zahle der Steuerzahler drauf: «Hinzu kommt, dass wir in den nächsten Jahren bestehende Bäder wie etwa in Oerlikon sanieren müssen.» Er kann sich aber vorstellen, dass man bei der Sanierung die zur Verfügung stehende Wasserfläche vergrössert oder die Öffnungszeiten anpasst: «Das bringt eine gewisse Entspannung.»

SVP will Vorstoss einreichen

Ins gleiche Horn stösst FDP-Fraktionspräsident Michael Schmid: «Es gibt in Zürich viele sinnvolle Projekte, nur kann man nicht alle finanzieren.» Er ist nur für den Bau eines neuen Hallenbades, wenn dieses ohne Defizite betrieben werden kann. Skeptisch ist auch SP-Fraktionspräsident Davy Graf: «Die Stadt müsste zuerst genau aufzeigen, wo die Engpässe in den Hallenbäder genau vorliegen.» Erst dann könne man über Massnahmen diskutieren.

Aktiv werden will SVP-Fraktionspräsident Martin Götzl. Er möchte mit seiner Fraktion einen Vorstoss ausarbeiten, der den Stadtrat zu fundierten Abklärungen auffordert: «Es soll deklariert werden, wie die Hallenbäder aktuell ausgelastet und finanziert sind.» Zudem stelle sich die Frage, ob es bei ausgelasteten Sportstätten vernünftige Ausweichmöglichkeiten gebe.

Bei Engpässen wäre laut Götzl der Bau von neuen Hallenbädern eine Möglichkeit, doch ein Spardruck herrscht vor: «Angesichts der unerfreulichen, finanziellen Situation der Stadt müssen die Ressourcen sehr zielorientiert eingesetzt werden.» Grundsätzlich sei es aber erfreulich, dass die Bevölkerung das Sportangebot dermassen gut nutze.

«An der sportlichen Infrastruktur sollte man nicht sparen»

Käme der Bau eines Hallenbades auf die politische Agenda, würden auch die Grünliberalen das Anliegen mit Wohlwollen prüfen, sagt Fraktionschefin Isabel Garcia: «Die Bevölkerung wächst. Da braucht es auch eine entsprechende Breitensportinfrastruktur.»

Dass man den sportlichen Eifer der Bevölkerung selbst in Zeiten des Spardrucks unterstützen sollte, findet auch AL-Fraktionspräsident Andreas Kirstein: «An der sportlichen Infrastruktur sollte man nicht sparen, insbesondere wenn eine breite Bevölkerungsschicht etwas davon hat.»

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