Euro-Krise: «Wir können vom tiefen Euro profitieren»

Aktualisiert

Euro-Krise«Wir können vom tiefen Euro profitieren»

Wegen der Schuldenkrise droht die Konsumentenstimmung in ganz Europa zu kippen. Schweizer Verbraucher könnten dagegen die lachenden Dritten sein, sagt Experte Joachim Klement.

von
Othmar Bamert
Nach Griechenland hat die Ratingagentur Standard & Poor's auch die Kreditwürdigkeit von Spanien und Portugal heruntergestuft.

Nach Griechenland hat die Ratingagentur Standard & Poor's auch die Kreditwürdigkeit von Spanien und Portugal heruntergestuft.

Die Kreditwürdigkeit von drei Euro-Ländern wurden herabgestuft. Wie stark setzt das den Euro unter Druck?

Joachim Klement: Der Euro bleibt sicher unter Druck, solange die Diskussionen um die Verschuldung von Griechenland und anderen Staaten anhält. Allerdings muss man auch sehen, dass die Bewegungen, die wir beim Euro-Wechselkurs in den vergangenen Monaten gesehen haben, nicht so aussergewöhnlich sind.

In dieser Zeit ist aber der Schweizer Franken gestiegen und gestiegen…

Wir denken, dass gegenüber dem Schweizer Franken kein neues Wechselkursregime entsteht. Die Schweizer Nationalbank versucht, den Kurs zwischen Euro und Franken nicht zu tief werden zu lassen. Sonst könnte die Schweizer Exportwirtschaft zu sehr leiden.

Was macht die Europäische Zentralbank (EZB): Wird sie eine stärkere Inflation zulassen?

Das Problem der EZB ist: Sie sollte die Zinsen tief halten, um Staaten wie Griechenland zu helfen. So kann die mittlerweile unvermeidlich gewordene Rezession in diesem Land abgefedert werden, und den Menschen in Griechenland werden keine zu hohen Schuldzinsen aufgebürdet. Gleichzeitig können aber tiefe Zinsen in anderen Staaten, in denen sich die Wirtschaft erholt – etwa in Deutschland – zu Inflation und Blasen an den Kapitalmärkten führen. Hier könnte zu billiges Geld aber dazu verlocken, Kredite aufzunehmen und zu investieren.

Was ist also Ihre Schlussfolgerung?

Der Auftrag der EZB ist klar geregelt. Sie hat die Aufgabe, die Inflation auf einen Zielwert um 2 Prozent pro Jahr zu stabilisieren. Deshalb denken wir, dass die EZB vorerst die Zinsen tief lässt, um die wirtschaftliche Erholung in Europa nicht zu gefährden. Sollten sich Zeichen einer dauerhaften wirtschaftlichen Erholung zeigen und die Inflation zu stark über den Zielwert von 2 Prozent steigen, werden die Zinsen angehoben.

Was bedeutet die Euro-Abwertung für die Schweizer Wirtschaft?

Die Schweizer Exportwirtschaft leidet sicher am meisten unter dem schwachen Euro. Dabei macht sich die Euro-Abwertung bisher vor allem in den Gewinnmargen der Exporteure bemerkbar. Ein weiterer Effekt ist, dass die Krise um Griechenland, Spanien und weitere Länder die Konsumentenstimmung in ganz Europa eintrüben könnte und dadurch die Nachfrage nach Gütern wieder etwas abkühlt.

Was sind die konkreten Folgen für Schweizer Firmen?

Wenn ein deutscher oder französischer Bürger sich plötzlich nicht mehr sicher ist, ob er seinen Arbeitsplatz behalten kann, werden Ausgaben wie ein neues Auto oder der neue Fernseher erst einmal auf die lange Bank geschoben. Das kann indirekt auch die Schweizer Exporteure treffen.

Können die Schweizer Konsumenten umgekehrt von billigeren Produkten profitieren?

Nicht nur Importeure und Grosshandel profitieren von einem schwachen Euro, sondern auch Schweizer Konsumenten. Zum einen werden die Ferien in der Toskana dieses Jahr billiger, zum anderen kann man auch direkt von tieferen Preisen in der Euro-Zone profitieren, indem man zum Einkaufen nach Deutschland, Frankreich oder Italien fährt. Ein Grosseinkauf von Kleidern oder Elektronikartikeln kann schnell die Fahrtkosten wettmachen.

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