Ausländer im Kosovo: «Wir kommen nicht, um mit Autos zu bluffen»
Aktualisiert

Ausländer im Kosovo«Wir kommen nicht, um mit Autos zu bluffen»

Ein junger Mann aus Deutschland beklagt in einem Video, wie er in seinem Heimatland von Einheimischen behandelt und beschimpft wird. Das Video ist viral gegangen.

von
qll

Jahr für Jahr reisen Emigranten in die Heimat zurück, um Ferien zu machen und Verwandte zu besuchen – so auch die Kosovaren. Während sie sich über die Ferien im Heimatland freuen, scheinen einige Einheimische nicht mit der angereisten Masse klarzukommen.

Ein junger Kosovare aus Deutschland, der Ferien im Kosovo machte, erlebte das am eigenen Leib. Er hat die Vorfälle vor Ort nun zum Anlass genommen, um sich und andere in einem Video zu erklären. Dieses erschien auf der Facebook-Seite von Prishtina City, wo es innerhalb von drei Tagen über 450'000 Mal angeschaut wurde. Es erhielt zudem rund 20'000 Likes und wird seit dem Aufschalten rege kommentiert.

«Ihr sorgt für Ärger»

In dem Video beschreibt der Mann, wie er sich mit Freunden und Verwandten treffen wollte und abfällig begrüsst wurde. So habe es etwa geheissen: ‹Hey, du Ausländer›, ‹hey Schatzi› oder ‹hey Deutscher›. «Keiner hat mich mit ‹hey Bruder› oder ‹hey Landsmann› begrüsst», so der junge Mann.

Kurz darauf sei es zu einem weiteren Vorfall gekommen. Nachdem er einem Einheimischen aus Versehen den Vortritt genommen habe, habe dieser das Fenster geöffnet und ihn beschimpft: «Er hat alles mögliche herausgelassen», beschreibt der junge Mann die Situation. «Er meinte: ‹Sobald ihr aus dem Ausland kommt, sorgt ihr hier für Ärger.› Nun möchte ich diesen Mann fragen: Stören wir dich so sehr?»

Weite Reise

Doch nicht nur dem Einheimischen, auch «gewissen Facebook-Helden», die die Emigranten in ihren Posts beleidigten, habe er etwas zu sagen: «Wir sind nicht gekommen, um unsere Haare zu schneiden oder unsere Zähne richten zu lassen. Auch nicht, um Kleider zu kaufen oder mit unseren Autos zu bluffen.»

Bis man im Kosovo ankomme, fahre man an mehreren Orten vorbei, wo man all das machen könne. Jedes Jahr würden sich die Emigranten die Mühe machen, in ihre Heimat zu reisen, weil sie ihre Landsleute vermissen und ihr Heimatland lieben. Und das obwohl es immer teurer werde. «Doch meine Liebe für mein Heimatland kann mir niemand nehmen, auch nicht die Grenzwächter, oder ein Kellner, der mich bestiehlt oder jemand, der mich beschimpft», so der junge Mann.

« Der Kosovo würde kapitulieren»

Das Video sorgt auf Facebook für eine heftige Diskussion, in der sich Albaner aus verschiedenen Ländern beteiligen – auch aus der Schweiz. So schreibt ein Kosovare: «Ein perfektes Video. Ich bin selber Friseur hier. Wenn ihr Touristen nicht kommen würdet, würde der Kosovo innerhalb von zwei Jahren kapitulieren.» Ein anderer schreibt: «Ihr müsst euch doch nicht begründen. Ihr kommt in eure Heimat und das hart verdient. Dieses Land gehört so sehr euch wie uns.» Ein Mann aus Essen schreibt: «Die beschimpfen uns doch nur, weil sie neidisch sind.»

Haben Sie in Ihrem Heimatland ebenfalls solche Erfahrungen wie der junge Mann gemacht? Erzählen Sie uns Ihre Geschichte. Bitte hinterlassen Sie auch Ihre Kontaktdaten.

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