Aktualisiert 16.05.2020 16:33

Schweizer in Konstanz

«Wir konnten normal über die Grenze spazieren»

Seit Samstag gibt es neue Lockerungen an der Grenze, aber das Einkaufsverbot bleibt bestehen. Die meisten Schweizer scheinen sich an die Regeln zu halten.

von
Lena Stadler
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Am Grenzübergang Kreuzlingen/Konstanz wurden potentielle Einkaufstouristen abgefangen.

Am Grenzübergang Kreuzlingen/Konstanz wurden potentielle Einkaufstouristen abgefangen.

Viele Schweizer Einkaufstouristen wagten sich aber nicht nach Deutschland.

Viele Schweizer Einkaufstouristen wagten sich aber nicht nach Deutschland.

Für die Einheimische  Katrin W. (33) hat das Einkaufsverbot für Schweizer zwei Seiten: «Es ist zwar angenehm, weil man in den Läden nicht anstehen muss. Aber für die Wirtschaft ist es schlimm.» Ihre Kollegin Sarah B. (33) ergänzt: «Viele Leute mussten in der Coronakrise entlassen werden. In normalen Zeiten halten die Schweizer die Konstanzer Wirtschaft hoch.»

Für die Einheimische Katrin W. (33) hat das Einkaufsverbot für Schweizer zwei Seiten: «Es ist zwar angenehm, weil man in den Läden nicht anstehen muss. Aber für die Wirtschaft ist es schlimm.» Ihre Kollegin Sarah B. (33) ergänzt: «Viele Leute mussten in der Coronakrise entlassen werden. In normalen Zeiten halten die Schweizer die Konstanzer Wirtschaft hoch.»

Darum gehts

  • Einkaufen dürfen Schweizer im Ausland weiterhin nicht. Sie scheinen sich daran zu halten.
  • Einheimische erzählen, wie sich das Fehlen der Schweizer Einkaufstouristen auswirkt.
  • Am Zoll werden Schweizer gefragt: «Sie kaufen aber nicht in Deutschland ein?»
  • Die Eidgenössische Zollverwaltung gibt eine erste Einschätzung zum das Verhalten der Schweizer.

Seit Samstag dürfen Schweizer ihre Partner und Familienangehörigen in Deutschland und Österreich wieder in die Arme nehmen. Weiterhin gedulden müssen sich hingegen die Einkaufstouristen – für sie bleibt die Grenze bis am 15. Juni zu.

An einem normalen Samstag wimmelt es in Konstanz von Schweizern im Shoppingfieber. Heute zeigt jedoch ein Augenschein vor Ort, dass sich die Schweizer mehrheitlich an die Regeln zu halten scheinen.

Nur eine Handvoll Schweizer Autos

Am Grenzübergang Kreuzlingen-Konstanz ist es um 10 Uhr morgens ruhig. Die deutschen Zöllner verlangen für die Einreise lediglich die Identitätskarte. Einer Thurgauerin, die nach Deutschland einreisen will, erklärt die deutsche Grenzbeamtin: «Sie gehen aber nicht einkaufen? Das würde ich dann schon merken.»

Im Parkhaus des Einkaufszentrums Lago sind eine Handvoll Autos mit Schweizer Kennzeichen parkiert. Ein Paar aus dem Thurgau gibt an, den deutschen Pass zu besitzen und für einen Spaziergang die Grenze passiert zu haben. Über das Einkaufsverbot sind sie informiert.

Auf dem Parkplatz Döbele sieht es ähnlich aus: Die wenigsten Autos haben ein Schweizer Kennzeichen. Ein Deutscher mit Wohnsitz im Thurgau sagt gegenüber 20 Minuten, dass er seine Eltern in Konstanz besuchen will.

«In einem Monat gibts Terror»

Gegen Mittag kommt in der Innenstadt Leben auf. Die Konstanzer flanieren durch die Strassen, kaufen ein und essen Glacé. Viele tragen Masken, in den Läden ist das Pflicht. 20 Minuten hat Passanten befragt: Es sei viel ruhiger ohne die Schweizer Einkaufstouristen, sagen die Konstanzer.

Für die Einheimische Katrin W. (33) hat das Einkaufsverbot für Schweizer zwei Seiten: «Es ist zwar angenehm, weil man in den Läden nicht anstehen muss. Aber für die Wirtschaft ist es schlimm.» Ihre Kollegin Sarah B. (33) ergänzt: «Viele Leute mussten in der Coronakrise entlassen werden. In normalen Zeiten halten die Schweizer die Konstanzer Wirtschaft hoch.»

Ab dem 15. Juni dürfen die Schweizer wieder ennet der Grenze einkaufen. Katrin W.: «Wenn in einem Monat die Grenzen öffnen, ist hier wieder Terror angesagt. Das ist aber normal für uns.» Viele ihrer Freunde seien Schweizer. Es sei schön, wenn man sich wieder treffen kann.

«Wir machen alles in Konstanz»

Laut einem H&M-Mitarbeiter ist heute im Geschäft nicht viel los: «Die Schweizer kaufen an einem normalen Samstag extrem viel ein. Jetzt fehlen sie.» Das merke er auch daran, dass er weniger zu tun habe und sein Stresslevel geringer sei. Aber der Ausbleib der Einkaufstouristen hat für den Mitarbeiter auch seine Schattenseiten: «Einige meiner Freunde wurden in der Coronakrise entlassen. Wenn es so weitergeht, könnte ich auch entlassen werden. Ich hoffe, dass die Schweizer bald wieder kommen.»

Schweizerdeutsch ist dann doch noch zu hören: Leif Rutishauser (22) aus Kreuzlingen TG ist mit zwei Kolleginnen unterwegs: «Wir wollten Sushi essen gehen, da es das in Kreuzlingen nicht gibt», erklären die drei ihren Grenzübertritt. An der Grenze habe es keinerlei Schwierigkeiten gegeben, wie Rutishauser sagt: «Wir konnten einfach rüber spazieren, ohne den Ausweis zu zeigen.» Die Einreise zu touristischen Zwecken ist eigentlich nicht erlaubt. Darunter dürfte auch ein Ausflug für ein Mittagessen fallen.

«Schweizer halten sich an Regeln»

Eine Kollegin von Rutishauser sagt: «Wenn die Grenze offen ist, machen wir alles in Konstanz. Wir haben auch Freunde hier.» Ohne die Schweizer Einkaufstouristen sei es angenehmer, nur die Maskenpflicht in den Läden sei mühsam:«Wir haben gar keine Masken dabei, deshalb werden wir auch nicht in die Läden gehen. Das Einkaufsverbot stört uns aber nicht, wir unterstützen die Schweizer Wirtschaft gerne.»

Matthias Simmen, Sprecher der Eidgenössischen Zollverwaltung, spricht von einem ruhigen Samstag. Schweizweit sei das Verkehrsaufkommen weiterhin stark reduziert. Die Bevölkerung halte sich gut an die Regeln, so Simmen: «Die meisten Menschen, die nach Deutschland oder Österreich reisten, wollten ihre Familie oder ihren Partner besuchen.» Einkaufstourismus sei kein grosses Problem. Laut Simmen liegt das unter anderem daran, dass die deutschen Behörden klar kommuniziert haben, dass die Mehrwertsteuerrückerstattung noch nicht durchgeführt wird .Eine erste Bilanz können die Behörden erst am Montag ziehen.

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