18.06.2020 12:40

My Lovestory

«Wir konnten unsere Beziehung nicht sorglos öffentlich ausleben»

Ela* (33) verliebte sich in ihre sieben Jahre jüngere Arbeitskollegin Rina*. Es war ihre erste Beziehung mit einer Frau – und nicht immer einfach.

von
Michelle Muff
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Mit 30 verliebte sich Ela* in ihre sieben Jahre jüngere Arbeitskollegin Rina*. Dass sie mehr als nur freundschaftliche Gefühle für Rina hatte, wollte sie sich erst nicht eingestehen: «Ich hatte bis anhin nur Beziehungen zu Männern und dachte, ich sei heterosexuell.»

Mit 30 verliebte sich Ela* in ihre sieben Jahre jüngere Arbeitskollegin Rina*. Dass sie mehr als nur freundschaftliche Gefühle für Rina hatte, wollte sie sich erst nicht eingestehen: «Ich hatte bis anhin nur Beziehungen zu Männern und dachte, ich sei heterosexuell.»

Privat
Irgendwann kam sie mit Rina während der Arbeit ins Gespräch. Die beiden trafen sich immer öfters zum Kaffee, irgendwann verabredeten sie sich auch privat zu verschiedenen Treffen.  «Irgendwann realisierte ich, dass Rina mit mir flirtete.»

Irgendwann kam sie mit Rina während der Arbeit ins Gespräch. Die beiden trafen sich immer öfters zum Kaffee, irgendwann verabredeten sie sich auch privat zu verschiedenen Treffen. «Irgendwann realisierte ich, dass Rina mit mir flirtete.»

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In ihrer Anfangszeit haben sie «viele schöne Moment» miteinander erlebt. Ein Ergebnis war dabei besonders prägend: «Rina und ich sind zusammen spontan in einer Sommernacht im See baden gegangen. Dort kam es zum ersten Kuss.»

In ihrer Anfangszeit haben sie «viele schöne Moment» miteinander erlebt. Ein Ergebnis war dabei besonders prägend: «Rina und ich sind zusammen spontan in einer Sommernacht im See baden gegangen. Dort kam es zum ersten Kuss.»

Privat

Darum gehts

  • Mit 30 verliebte sich Ela in ihre Arbeitskollegin.
  • Zuerst wollte sie sich die Liebe zu einer Frau nicht eingestehen.
  • Später outete sie sich bei Freunden und Familie als homosexuell.
  • Die Beziehung zu Rina war schön, aber nicht immer einfach.

Ich habe Rina bei der Arbeit kennengelernt. Mit ihren langen, dunklen Haaren ist sie mir sofort aufgefallen. Zuerst fühlte ich mich aber nicht auf eine romantische Weise von ihr angezogen, denn bis anhin hatte ich nur Beziehungen zu Männern und dachte, ich sei heterosexuell. Irgendwann kamen wir ins Gespräch. Ich wusste, dass sie lesbisch ist und aktuell eine Freundin hatte. Sie fragte mich direkt, was meine Meinung zu Homosexualität sei. Ich erzählte ihr, dass ich es etwas Normales finde. Dass ich als Jugendliche einmal etwas Körperliches mit einer Frau hatte, erzählte ich ihr einige Tage später.

Danach haben wir uns immer wieder bei der Arbeit getroffen und gingen manchmal zusammen einen Kaffee trinken. Irgendwann realisierte ich, dass sie mit mir flirtete. Nach einigen Wochen haben wir uns auch privat getroffen. Wir erlebten in der Phase des Kennenlernens viele schöne Sachen. Ein Erlebnis war dabei entscheidend: Wir gingen zusammen mitten in der Nacht spontan im See baden. Dort kam es zum ersten Kuss.

«Ich wollte mir meine Gefühle erst nicht eingestehen»

Danach war ich in einem Clinch mit mir selber: Ich wollte mir erst nicht eingestehen, dass ich romantische Gefühle für Rina hatte. Irgendwann merkte ich aber, dass ich nicht mehr länger gegen meine Gefühle ankämpfen konnte. Bei einem Treffen platzte es dann einfach aus mir heraus: «Gopf, ich habe mich in dich verliebt!» Nach diesem Abend waren wir offiziell zusammen.

Unsere Beziehung war intensiv und schön. Wir gingen oft zusammen wandern, verbrachten einige schöne Ferien und hatten tolle Gespräche. Doch es gab auch viele schwierige Zeiten. Ein grosser Streitpunkt war, dass ich mich lange nicht vor meiner Familie outen wollte. Der Mut hat mir damals einfach gefehlt. Dadurch konnten wir unsere Beziehung nicht sorglos öffentlich ausleben und wir mussten meine Familie anlügen. Nur bei ihren Freunden und ihren Geschwistern konnten wir so sein, wie wir sind. Das hat sie verständlicherweise gestört. Dennoch war sie sehr geduldig mit mir und hat mich extrem unterstützt. Irgendwann gab sie mir den Mut, mich vor meiner Familie zu outen. Als Letzter hat es mein Vater erfahren. Alle ausser meiner Mutter reagierten zum Glück ziemlich gut auf mein Coming-Out.

«Wir fingen an, uns auseinanderzuleben»

Leider waren danach nicht alle Probleme vom Tisch. Ich habe aus meiner Vergangenheit einige Traumata, die mich heute noch beschäftigen. Rina hat es als erste Person geschafft, mich auf diese hinzuweisen. Sie hat mich dazu ermutigt, mit der Verarbeitung dieser Probleme zu beginnen. Das habe ich auch versucht. Leider passierte es immer wieder, dass ich meine emotionalen Unsicherheiten an ihr ausliess. Dass wir den gleichen Arbeitgeber hatten, machte die Sache nicht einfacher. So kam es, dass die negativen Dinge irgendwann überwogen. Unsere tollen Gespräche wurden immer seltener und wir stritten uns schon wegen Kleinigkeiten. Wir fingen an, uns auseinanderzuleben. Nach drei Jahren Beziehung teilte mir Rina mit, dass sie sich von mir trennen wolle.

Für mich war die Trennung ein grosser Schock, auch wenn wir zuvor schon manchmal darüber gesprochen hatten, ob es zwischen uns weitergehen könne. Rina hat mir extrem viel gegeben: Obwohl sie einige Jahre jünger war als ich, hat sie mich mit ihrer offenen und mutigen Art dazu bewegt, mich positiv weiterzuentwickeln. Sie gab mir auch den Mut, zu meiner sexuellen Orientierung zu stehen. Ohne sie wäre ich heute nicht die Person, die ich bin. Die Trennung ist immer noch hart für mich und ich vermisse sie sehr. Manchmal laufen wir uns bei der Arbeit über den Weg. Das ist für mich immer sehr emotional, denn die Liebe ist nach wie vor da.

Hier noch ein Ratschlag für alle, die mit ihrer sexuellen Orientierung zu kämpfen haben: Habt Mut zur Wahrheit. Die Liebe ist ein mächtiges Gefühl, über das du nicht einfach hinwegsehen kannst. Seit ich mich geoutet habe, bin ich eine sehr viel stärkere Person geworden.

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