«Charlie Hebdo»-Karikaturist: «Wir kotzen auf all unsere neuen Freunde»
Aktualisiert

«Charlie Hebdo»-Karikaturist«Wir kotzen auf all unsere neuen Freunde»

Millionen solidarisieren sich mit dem Satiremagazin «Charlie Hebdo» – «Je suis Charlie» nennt sich die Bewegung. «Hebdo»-Karikaturist Holtrop findet das heuchlerisch.

von
cho
1 / 18
7. Januar 2015
7. Januar 2015

11.20 Uhr: Zwei mit Kalaschnikows bewaffnete und vermummte Täter stürmen ein Gebäude im Herzen von Paris, in dem sich die Redaktionsräume von «Charlie Hebdo» befinden.

12 Menschen sterben, darunter der Zeitungschef Stéphane Charbonnier (Bild), genannt Charb.

12 Menschen sterben, darunter der Zeitungschef Stéphane Charbonnier (Bild), genannt Charb.

Keystone/AP/Michel Euler
Mehrere Personen werden verletzt.

Mehrere Personen werden verletzt.

AFP/Philippe Dupeyrat

Über 1'700'000 Freunde zählt der Facebook-Auftritt von «Charlie Hebdo» derzeit (Stand 11. Januar). Den Grossteil dieser «Gefällt mir»-Angaben erhielt das Satiremagazin erst nach dem Anschlag auf die Redaktion in Paris, der zwölf Menschen das Leben kostete. Seither säumen Transparente mit der Aufschrift «Je suis Charlie» die Strassen und Plätze rund um den Globus. Der niederländische «Charlie Hebdo»-Karikaturist Bernard Willem Holtrop hat sich nun negativ zu dieser Bewegung geäussert. Der niederländischen Zeitung «Volkskrant» sagte er: «Wir haben viele neue Freunde gewonnen, wie etwa den Papst, Königin Elisabeth oder Wladimir Putin. Ich muss darüber lachen.»

Der 73-Jährige stört sich etwa daran, dass Menschen wie die französische Rechtsaussen-Politikerin Marine Le Pen sich heimlich freuen würden, wenn Islamisten wild um sich schiessen. «Wir kotzen auf all die Leute, die sich plötzlich unsere Freunde nennen», so Holtrop. Viele hätten noch nie eine Ausgabe «Charlie Hebdo» gesehen.

Holtrop könnte tot sein

Vor einigen Jahren seien Menschen in Pakistan auf die Strasse gegangen, um gegen das Blatt zu demonstrieren – ohne dass sie genau wussten, was es für ein Heft war. Jetzt sei es dieselbe Situation, nur umgekehrt. «Aber natürlich ist es eine gute Sache, die Redefreiheit zu verteidigen», sagt der langjährige Wahl-Pariser immerhin.

Auch Holtrop hätte unter den Opfern vom 7. Januar sein können. Dass er noch lebe, habe einen einfachen Grund, wie er gegenüber der französischen «Libération» sagt: «Ich gehe nie an die Redaktionssitzungen – weil ich sie nicht mag. Ich schätze, das hat mir das Leben gerettet.»

Deine Meinung