Mentalgassi : «Wir lassen das Hirn laufen»
Aktualisiert

Mentalgassi «Wir lassen das Hirn laufen»

Das Street-Art-Trio Mentalgassi markiert öffentlichen Raum so auffällig, dass alle hinschauen.

von
Cécile Blaser
Nachtleben auf den Treffpunkt gebracht: «Public Intimacy Series Part 3», Berlin, 2009.

Nachtleben auf den Treffpunkt gebracht: «Public Intimacy Series Part 3», Berlin, 2009.

Mentalgassi, ihr zeigt Bern grad den Mittelfinger. Wieso?

Mentalgassi: Der Pfahl mit den zwei Kästen daneben lädt doch geradezu dazu ein! Zudem ist es ein Anschlussmotiv an einen Mittelfinger in Berlin.

Kommen euch die Ideen immer unterwegs und so spontan?

Meistens. Der Name Mentalgassi kommt ja daher, dass wir in Berlin oft mit einem Hund rausgegangen sind. Dabei haben wir auch unser Hirn einfach laufen lassen.

Und plötzlich war da die Idee, Containern Köpfe auf­zukleben?

Unsere Ideen entwickelten sich immer mehr in Richtung Fotografie. Und eines Tages ging uns auf, dass man mit einem Flaschencontainer ja schon eine Kopfform hat und das Motiv eher einmassiert aussieht statt einfach nur draufgeprügelt.

Eure Arbeiten werden immer grösser. Wo druckt ihr das ganze Papier aus?

Heute haben wir unser eigenes Atelier mit Equipment und einem tollen Printer. Unsere ersten Arbeiten haben wir aber in Copyshops ausgedruckt.

Und die Betreiber dort haben nicht komisch geschaut?

Klar, irgendwann fragten sich die auch, was eigentlich mit uns los ist. Es war ja nicht einfach nur, dass wir meterweise Papier ausdruckten. Wir haben auch unterschiedliche Papiersorten getestet und allgemein viele Fragen gehabt.

Was ihr macht, ist ja eigentlich illegal ...

Klar, als wir uns mit 18 kennen gelernt haben, waren wir der Graffiti-Welt stark verfallen. Wir waren aber eher die Lieben der Szene, auch wenn wir ziemlich viele der üblichen Geschichten mitgemacht haben.

Ihr wart also nie im Knast?

Darüber reden wir nicht. Uns ging es aber immer um Kreativität und das Experimentieren, nicht um Quantität, wie es in der Graffiti-Szene gern mal der Fall ist. Drum hatten wir in Berlin auch unsere eigene Hall of Fame.

Hall of Fame?

Das war unser Stück Mauer bei einem still­gelegten Gleis, wo wir legal sprühen konnten. Da haben wir oft das ganze Wochenende verbracht, grilliert, Bier getrunken und gemalt. Hat sehr viel Spass gemacht!

Macht euch die Kunst immer noch so viel Spass?

Auf jeden Fall, sonst hätten wir längst damit aufgehört. Wir wohnen heute ja verstreut in Bern, Berlin und Hamburg.

Was hält euch zusammen?

Wir sind gute Freunde. Wir skypen sehr oft, um uns zu sehen und zu quatschen, aber auch um Ideen auszutauschen. Das gleicht einer Ehe, einfach zu dritt.

Habt ihr auch mal Streit?

Ja, gerade wenns um die Ausrichtung unserer Arbeiten geht. Tatsächlich wandert vieles einfach in den Müll, wenns einer von uns nicht witzig oder besonders genug findet.

Dürfen wir in der Schweiz noch mehr mit euch rechnen?

Klar! Wir haben da in Zürich schon mal etwas angedacht.

Mental wer?

Gegründet in Berlin, ist das Street-Art-Trio Mentalgassi seit 2008 in ganz Europa unterwegs. Kennzeichen: Fotomontagen, mit denen die Jungs in Nachtaktionen Objekten im öffentlichen Raum ein neues Gesicht geben. Brands wie Converse und Amnesty International haben sie für weltweite Kampagnen gebucht.

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