Aktualisiert 22.11.2011 14:02

FCB-Mann im Hintergrund

«Wir lassen uns auch vom Erfolg nicht hetzen»

Georg Heitz lenkt beim FC Basel die Geschicke hinter den Kulissen. Im Interview spricht der heimliche Sport-Chef über Frei, Vogel und die Kraft der Ruhe.

von
Eva Tedesco, Bukarest
FCB-Sport-Koordinator Georg Heitz und seine Alphatiere Marco Streller und Alex Frei. (Bild: Keystone)

FCB-Sport-Koordinator Georg Heitz und seine Alphatiere Marco Streller und Alex Frei. (Bild: Keystone)

Der ehemalige Journalist Georg Heitz ist seit rund zweieinhalb Jahren Sport-Koordinator des FC Basel. Im Gespräch mit 20 Minuten Online spricht er am Rand der Champions-League-Partie gegen Galati über seine Aufgaben, den Vertrag von Heiko Vogel und über den Einfluss der Alphatiere Marco Streller und Alex Frei.

Georg Heitz, sind Sie nun Sportchef oder nicht?

Von der Tätigkeit her entsprechen meine Aufgaben jenen des Sportchefs. Ich bin der Kontakt zwischen der Mannschaft, dem Trainerstaff und der Geschäftsstelle. Ich bin auch Anlaufstelle von Agenten. Der FCB erhält täglich zwischen drei und dreissig Spieler angeboten. Ich mache die Vorselektion. Ist einer darunter, der uns interessiert, hole ich die wirtschaftlichen Eckdaten ein. Ich organisiere die Medizin-Checks und überbringe Absagen, wenn wir uns gegen einen Spieler entscheiden. Weiter organisiere ich die Verwaltungsrats- und Geschäftsleitungssitzungen sowie die Treffen der technischen Kommission. Ich stehe in Kontakt mit Chefscout Ruedi Zbinden und lege mit ihm fest, welche Spieler wir weiter verfolgen. Daneben fallen alltägliche Geschichten an wie Kommunikation, die ich mit Medienchef Josef Zindel abspreche.

Wer entscheidet über Transfers?

Das Gremium sagt Ja oder Nein. Das letzte Wort hat Bernhard Heusler, der den finanziellen Rahmen absteckt und zum Schluss kommt, ob ein Transfer machbar ist oder nicht.

Arbeiten muss der Trainer mit den Spielern. Wie gross ist sein Einfluss?

Wirtschaftliche Entscheide sind nicht Sache des Trainers. Er ist aber Mitglied der Technischen Kommission und bringt dort seine Meinung ein. Aber es ist unsere Aufgabe zu planen, vorauszuschauen und mit Listen zu arbeiten. Wir wissen, welche Verträge wann auslaufen, welcher Spieler tendenziell weggekauft werden könnte und wieviel Plätze wir auf der Kontingentsliste frei haben. In der aktuellen Saison ist das noch ein Platz und den müssen wir frei halten – man weiss nie, was noch passiert.

Diverse Verträge (David Abraham und Benjamin Huggel, Anm. d. Red.) laufen im Sommer aus. Auch Trainer Heiko Vogel hat nur einen befristeten Vertrag bis Ende Dezember. Wird zuerst über Spielerverträge und Transfers - ohne die Meinung des Trainers - entschieden, oder wird vorher mit Vogel verlängert?

Zum einen behandeln wir Vogel nie so, als ob im Dezember Schluss wäre. Zum anderen ist der FCB so strukturiert, dass Transfers und Vertragsverlängerungen nicht einfach auf dem Mist des Trainers wachsen. Das war auch unter Thorsten Fink so. Wir arbeiten gut, wenn wir eine gewisse Unabhängigkeit von einzelnen Personen herstellen können.

Auch Thorsten Fink scheint man nahtlos ersetzt zu haben. Heiko Vogel macht hervorragende Arbeit. Um seine Bewerbung als neuer Cheftrainer kommt der FCB nicht herum, oder?

Wir haben gesagt, dass wir uns Zeit lassen. Aber es ist klar, dass sich die Position von Heiko Vogel nicht verschlechtert hat. Wir werden in aller Ruhe Gespräche führen. Das ist aber auch dem Zeitplan geschuldet. Wir haben jeden dritten Tag ein Spiel und Heiko ist ausgelastet. Und er soll seine Vorstellungen äussern können, wie er sich die Zukunft vorstellt, mit welchem Staff er arbeiten will etc. Wir lassen uns in dieser Frage nicht treiben. Von niemandem – auch nicht vom Erfolg.

Auch nicht, wenn er den FCB in die Achtelfinals der Champions League coachen sollte?

Wir machen seine mögliche Festanstellung sicher nicht davon abhängig.

Nach dem charismatischen «Verkäufer» Fink ist die Aussendarstellung von Vogel diametral anders. Passt Vogel zum FCB?

Von der Arbeitsweise her sind beide Trainer ähnlich und verfolgen eine ähnliche Philosophie. Das ist entscheidend. Vom Äusseren her war Fink sicher eine andere Persönlichkeit. Aber wir wollen ja keinen Dressman an der Linie, sondern einen Trainer, der etwas von Fussball versteht. Aber ein FCB-Trainer muss ein Teil der Unterhaltungsbranche sein. Wir haben 24 000 Saisonkarteninhaber mit hohen Ansprüchen und die haben ein Recht darauf, unterhalten zu werden. Deshalb haben wir den Anspruch, dass ein Trainer eine attraktive, offensive Spielweise verfolgt und erfolgreich ist. Er soll nicht zu grossen Ausschlägen neigen, sachlich analysieren können und anständig mit Spielern und Medien umgehen. Wir wissen, dass das nicht einfach ist, aber wir müssen nicht päpstlicher sein als der Papst.

Der FC Basel ist seit Jahren als Talentschmiede bekannt. Jetzt scheint man auch als Sprungbrett für No-Name-Trainer Erfolg zu haben. Ist das die Philosophie?

Beide haben gute Arbeit geleistet und das ist ihr Verdienst. Im Fussball weiss man nie, was in drei oder vier Jahren ist. Vielleicht will die Geschäftsleitung wieder etwas anderes.

Wie gross ist der Einfluss der Mannschaft insbesondere der Alphatiere Marco Streller und Alex Frei, was die Trainerfrage und Transfers angeht?

Wir gehen nicht vor jeder Entscheidung zu den Spielern und fragen Sie nach Ihrer Meinung. Letztendlich tragen wir die Verantwortung und müssen den Kopf hinhalten. Hätten wir immer auf die beiden gehört, wäre die Mannschaft eine andere – und wer weiss, ob vielleicht so stark wie heute. Aber natürlich pflegen wir ein enges Verhältnis und tauschen uns aus.

Als rechte Hand von Bernhard Heusler, sind Sie zur Nummer 2 aufgestiegen. Wie ist Ihr Verhältnis zum designierten Präsidenten?

Wir pflegen ein freundschaftliches Verhältnis, obwohl das im Beruf nicht immer einfach ist. Er reflektiert sachlich und schläft eine Nacht mehr über eine Entscheidung. Ich dagegen bin der Ungeduldige. Aber in Summen ergänzen wir uns gut – und wir können viel miteinander lachen. Sehr viel.

Heisst der kommende FCB-Vizepräsident Georg Heitz?

Ich glaube, dass ist nicht so wichtig. Aber Bernhard Heusler wird sich die Frage stellen müssen, wo man zwischen den operativ Tätigen und dem Verwaltungsrat trennt. Bernhard Heusler ist als VR im operativen Geschäft tätig. Demnach muss er entscheiden, ob er lieber einen Verwaltungsrat will, der eine Aufsichtsfunktion inne hat oder nicht. Aber es ist nicht so, dass ich Ambitionen hege.

Georg Heitz, geboren am 13. Dezember 1969, durchlief die Schulen in Therwil und Oberwil. Aufgewachsen ist er in Therwil als Sohn eines Professors für Pathologie. Nach der Matura absolvierte er ein Teilstudium in Germanistik an der Uni Basel und verdiente sein Geld erst als freier Journalist, später als Redakteur bei der «Basler Zeitung» und beim «Blick». Überdies war er jahrelang in der Medienabteilung der Fifa tätig. Seit 2009 ist Heitz FCB-Sport-Koordinator und heimlicher Sportchef. Warum dies nicht so auf seiner Visitenkarte steht, hat Gründe in der Vergangenheit. Gigi Oeri sagte einmal, dass es keinen Sportchef beim FCB geben wird, solange sie Präsidentin sei. Diese Aufgabe hatte Oeri für sich reserviert. 2009, nach der Entlassung von Trainer Christian Gross, machte Bernhard Heusler aus dem externen Berater einen Sport-Koordinator.

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